Mittelklasse Naked Bikes im Vergleich - Honda CB650R 2021

Der letzte 4 Zylinder-Mohikaner - wie hoch fliegt der Flügel?

Die Überarbeitung der Honda CB650R für 2021 ändert nichts an den grundlegenden Tugenden des seidigen Vierzylinders. Wie schlägt sich die neo-klassische Schönheit im direkten Vergleich mit der Konkurrenz?

Vorbemerkung: Die Honda CB650R hat es in diesem Vergleich nicht leicht. Gemeinsam mit der Aprilia ist sie das schwächste Motorrad in der Testrunde. Im ehemals als 600er Klasse titulierten Segment, bietet kein anderer Hersteller mehr ein 4-Zylindriges Naked Bike an - sie ist die letzte ihrer Art. Auf der anderen Seite bekommt man ganz schön viel Motorrad um sein Geld, die Konkurrenz ist ein gutes Stück teurer. Wie sich die Aussenseiterin schlägt lest ihr in den folgenden Zeilen.

Die Honda CB650R 2021 erhielt Fahrwerk und Ergonomie-Updates

Seit dieser Saison arbeitet in der Front der Honda eine 41 mm SFF-BP Upside-Down-Gabel von Showa. Ein neuer Drucktrenndämpfer in einem der Gabelrohre und ein Federmechanismus im anderen sollen laut Honda für eine höhere Dämpfungsleistung sorgen und tatsächlich ist der Unterschied im Vergleich zur Vorgängerin spürbar. Dass dabei etwas Gewicht eingespart werden konnte ist ein angenehmer Nebeneffekt, zumal die Honda mit vollgetankt und von uns gemessen 206 Kilogramm (offizielle Angabe mit 90% Kraftstoff: 203 kg) das zweitschwerste Motorrad in unserem Vergleich ist.

Fahrwerk: Die ultra-handliche Konkurrenz macht der Honda das Leben schwer

Dennoch ist die Honda für sich betrachtet ein agiles Motorrad, nur gibt es eben mittlerweile andere Mitbewerber, die vor Quriligkeit strotzen und die CB650R etwas alt aussehen lassen. Die Leichtigkeit mit der sich etwa die Yamaha MT-09 oder die KTM 890 Duke in die Radien werfen lassen, bietet sie nicht. Die neue Sitzposition (der Lenker wanderte etwas nach vorn) ist sportlicher und soll dadurch theoretisch mehr Gefühl fürs Voderrad vermitteln. Praktisch sitzt man aber immer noch gut ins Fahrzeug integriert, was in langgezogenen Kurven Stabilität vermittelt, beim raschen Umlegen aber das letzte Quäntchen Aktivität erschwert.

Gehört man zu den Piloten die 1,80 Meter oder mehr messen, wird es mitunter eng auf der Honda CB650R, der Lenker ist verhältnismässig schmal und im Sattel gibt es ebenfalls nicht viel Bewegungsspielraum. Auch der Kniewinkel ist sportlich spitz.

Ein Bild von einem Motorrad - die Honda CB650R als Symbiose von Klassik und Moderne

Die Neo-Sports Cafe Designlinie, die Honda seit einigen Jahren bei ihren Naked Bikes konsequent durchzieht begeistert nach wie vor. Das Zusammenspiel aus klassischen Elementen, wie dem Rundscheinwerfer und moderner Technik, beispielsweise LED rundum, stehen dem Mittelklasse Motorrad ausgezeichnet. Die wunderschöne Krümmerführung konnte glüclicherweise auch unter Euro 5 beibehalten werden. Da kann sich die Konkurrenz eine Scheibe abschneiden. Etwas altbacken hingegen wirkt das durchschnittlich gut ablesbare LC-Display und auch die Armaturen wirken bei anderen Vertretern der Klasse edler. Dennoch sammelt die Honda in der Optik-Wertung massiv Punkte.

Der Motor will auch mit Euro 5 nach wie vor gedreht werden

Durch seine kurzhubige Auslegung, will der Reihen-Vierer ordentlich ausgewunden werden, um richtig Leistung abzurufen, der Druck aus der Mitte ist zwar für einen Reihenvierzylinder ok, aber eben auch nicht mehr. Will man an den anderen Kontrahentinnen in unserem Vergleich dranbleiben, bewegt man sich auf der Landstrasse grossteils in den Gängen 2 und 3 des gut schaltbaren Sechsganggetriebes. Ein Quickshifter (leider ohne Blipper) ist gegen Aufpreis erhältlich. Die Maximalleistung von 95 PS erreicht er erst bei 12.000 U/min. Das maximale Drehmoment von 63 Nm steht bei 8.500 U/Min zur Verfügung. Vorteile aus diesem Konzept sind die lineare Leistungsentfaltung und das seidige Hochdrehen. Die Honda überfordert niemanden und ist somit 100% einsteigerfreundlich.

Ausstattung Honda CB650R

Vieles was bei Yamaha oder Triumph zur Serienausstattung zählt bekommt man bei Honda auch nicht für gutes Geld und nette Worte geboten. Das Fahrwerk ist mit Ausnahme der Vorspannung des Federbeins nicht einstellbar. Mit einer (abschaltbaren) Traktionskontrolle und natürlich ABS bietet sie sicherheitsrelevante Elektronikfeatures, der Quickshifter (ohne Blipper) ist allerdings das einzige darüber hinaus erhältliche Fahrdynamik-Extra. Dafür hält sich der Preis in Grenzen.

Verbrauchskönigin Honda CB650R 2021

Keine schluckt in unserem Vergleich weniger Sprudel auf 100 km. In einer über 200 km langen standardisierten Verbrauchsrunde (80% kurvenreiche Landstrasse, 15% Autobahn, 5% innerorts) erreichte die Honda einen Verbrauch von 5,4 l/100 km und das obwohl sie sicherlich die Kandidatin war, die mit dem höchsten Vollgasanteil bewegt wurde. Alle Motorräder mussten sich dabei der sportlichen Gangart und den stämmigen Körpern von Vauli und meiner Wenigkeit unterordnen, wir vermuten daher, dass geringere Verbräuche möglich sind. Die offizielle Angabe von Honda beläuft sich auf 5 Liter pro 100 km. Zu zweit würden Vauli und ich die CB650R übrigens überfordern, die Zuladung beträgt 168 Kilogramm.

McGregors Meinung zur Honda CB650R

Die CB650R ist die richtige Wahl für Vernunft-gesteuerte Menschen und Vierzylinder-Anbeter. Vernünftig ist sie deshalb, weil sie in der Realität absolut ausreichende Power hat, sich einfach und gut fährt und auch deutlich günstiger als die anderen Bikes dieses Vergleichs ist. Allerdings kann sie in puncto Performance auch nicht mit den anderen mithalten. Hier ist die Liebe für Vierzylinder wichtig. Möchte man die Honda sportlicher bewegen, heisst es Drehzahl halten und mächtig hochorgeln. Das gefällt, oder eben nicht!

Horvaths Senf zur CB650R

Mit einem Honda Naked Bike kann man grundsätzlich nichts falsch machen - insbesondere mit vier Zylindern! In einer Klasse der Zweizylinder ist es wahrlich erfrischend, wenn an der Ortsausfahrt das seidige Schnurren in ein hochfrequentes Kreischen bei über 10.000 Umdrehungen übergeht. Leider wirkt sie durch ihr höheres Gewicht und den drehzahlbedürftigen Motor spürbar behäbiger als ihre Konkurrenz und auch die Elektronik und Ausstattung kann im Jahr 2021 nicht mehr mithalten. Doch das macht dem Fahrspass keinen Abbruch, denn die CB650R ist weiterhin ein intuitiv fahrendes Motorrad, das mit viel Charme ein wahres Einhorn in dieser Klasse darstellt.

Vaulis Senf zur Honda CB650R:

Die CB650R ist eine (sehr) alte Bekannte, dass sie 2021 erneut upgedatet wurde, ändert nichts daran, dass ihr Konzept nicht mehr dem entspricht, was die Konkurrenz in der Naked Bike-Mittelklasse so anbietet. Da tummeln sich potente und agile Zwei- sowie Dreizylinder, die von unten weit besser marschieren. Der Vierzylinder der Kawasaki ist wiederum viel grösser und 30 PS stärker - und somit viel souveräner. Ist das Konzept der CB650R also veraltet? Einerseits ja, mit einem solch kleinen Hubraum auch noch vier Zylinder zu befüllen, kann gezwungenermassen nicht so vehement nach vorne stürmen wie die Konkurrenz. Andererseits nein, denn als ich begann, die Honda artgerecht zu führen und sie bis knapp 12.000 Umdrehungen auswand, präsentierte sie sich wie ausgewechselt. Fast wie eine 600er-Supersportlerin kommt dann oben der arge Druck, untermalt von einem hellen Gekreische, dass man die Honda kaum wiedererkennt. Man muss es eben wagen, der CB650R die Sporen zu geben, dann geht auch ordentlich was weiter. Okay, sie ist die Schwächste im Sixpack und sogar die Zweitschwerste, aber wirklich schlecht ist sie immer noch nicht. Wer also diesen drehzahlgierigen Vierzylinder den bulligen Zwei- und Dreizylindern vorzieht, bitte zuschlagen!

Fazit: Honda CB650R

13 von möglichen 24 Punkten bedeuten Platz 5 im grossen Mittelklasse Nakedbike Vergleichstest 2021. Die Honda schlägt sich wacker gegen die technisch weiter fortgeschrittene Konkurrenz und kann trotz Aussenseiterstellung ein Motorrad hinter sich lassen. Gefällige Optik, zugängliches Fahren und der niedrige Preis lassen die Unzulänglichkeiten, die im direkten Vergleich ans Tageslicht befördert wurden in den Hintergrund treten.


  • Neo Sports Cafe Optik nach wie vor top
  • absolut einsteigertauglich
  • gutes Preis-Leistungsverhältnis
  • Motor dreht sahnig hoch
  • niedriger Verbrauch
  • zu wenig Platz für grosse Fahrer
  • Ausstattung mittelmässig
  • relativ pummelig
  • wenig Punch aus dem Drehzahlkeller

Bericht vom 04.05.2021 | 6'209 Aufrufe

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