Arai Quantic - der neue Touringhelm im Intensivtest

15 Motorräder, 3 Länder, Kälte & Hitze - kann der Quantic alles?

Als einer der ersten Glücklichen durfte ich den neuen Arai Quantic bereits im April 2021 ausfassen. Nach 3.000 Kilometern auf verschiedensten Motorrädern ist es höchste Zeit für einen Test!

Passform und Komfortwertung: Heimspiel für den Arai Quantic

Wie man es von Arai-Helmen gewöhnt ist, schlüpft man beim Aufsetzen des Quantic gefühlt in einen Patschn wie es in Österreich heisst, oder für unsere bundesdeutschen Freunde Pantoffel. Die Passform kommt Personen mit einer runden Kopfform sehr entgegen, beim Helm zählt aber sowieso - ohne Probieren kein Kaufen! Das Interieur des Quantic aus gebürstetem Nylon fühlt sich sehr angenehm an. Auch wenn man mit einem verschwitzten Kopf in den Helm schlüpft, schafft es das antibakterielle, schmutz- und geruchshemmende Material einem Trockenheit zu suggerieren. Natürlich ist das Innenfutter entfern-und waschbar.

Messlatte waren die Geschwisterhelme Profile-V, den ich letztes Jahr unfreiwillig intensiv testen durfte und der sportliche RX-7V. Ein spannendes Feature ist das Facial Contour System (FCS) von Arai, dieser arbeitet mit einem Federmechanismus in den Wangenpolstern, was für straffen Sitz und mehr Komfort am Unterkiefer sorgt, ohne zu viel Druck auszuüben. Die Schläfenpolster des Futters können bei Bedarf herausgenommen werden. Kurzum der Arai Quantic ist einfach bequem, ohne deshalb locker zu sitzen. Dadurch lassen sich auch (stunden-)lange Etappen ohne Druckstellen absolvieren. Beim Quantic produziert Arai alle zwei Helm-Grössen eine andere Aussenschale, dadurch passt der Helm auch optisch grossartig.

Der Quantic ist ein Helm für alle Jahreszeiten

Als ich den Arai Quantic kurz nach Ostern in Händen hielt, war es draussen noch bitterkalt. Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich veranlassten mich nicht gerade dazu, die zahlreichen Lüftungen zu öffnen. Vielmehr genoss ich das kuschelige Futter und den guten Windschutz, durch die Kinnabdeckung werden (kalte) Windturbulenzen im Helm verhindert, wovon natürlich auch das Geräuschniveau profitiert.

Unter der sengenden Sonne Siziliens oder Portugals sieht die Sache naturgemäss gänzlich anders aus. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Aus leidvoller Erfahrung am eigenen Leib bzw. Kopf weiss ich, dass viele Belüftungsmöglichkeiten allein kein Garant für einen gut belüfteten Helm sind. Von denen hat der Arai Quantic nicht weniger als 7 vorne (alle verschliessbar) und 6 hinten. Unter dem aerodynamisch relevanten Heckspolier verbirgt sich die einzig verschliessbare Lüftungsöffnung hinten, die dreistufig verstellbar ist. Etwas unorthodox und leider wenig intuitiv zu bedienen, ist die markanteste und innovative Öffnung, die sich im 3D-Arai Logo befindet. Es erschliesst sich nicht sofort, welche Stellung der Belüftung offen und welche geschlossen ist. Dennoch erfüllt sie ihre Aufgabe - nämlich die bessere Belüftung im niedrigen Geschwindigkeitsbereich - zufriedenstellend, vorausgesetzt sie ist tatsächlich offen.

Belüftungssystem des Arai Quantic
Das durchdachte Belüftungssystem des Arai Quantic sorgt für kühlen Kopf auch bei hohen Temperaturen

Dieser Umstand ist allerdings der einzige Fleck auf einer ansonsten reinen Luftstrom-Weste. Jede der Öffnungen erfüllt eindeutig spürbar ihren Zweck. Eine gute Belüftung ist allerdings nur die halbe Miete, eine funktionierende Abluft ist genau so wichtig. Da wie dort: Die Durchlüftung des Quantic ist mit die beste, die ich bei einem Integralhelm jemals erlebt habe. Insofern ist es auch vertretbar, dass die zuvor erwähnte Kinnabdeckung nicht entfernbar ist, da sich im Helm kein Hitzestau bildet.

In der Ruhe liegt die Kraft für lange Touren

Um einen Motorradhelm leise zu machen, stehen den Ingenieuren im Prinzip drei Ansatzpunkte zur Verfügung: Formgebung, Dämmmaterial und Abdichtung des Helms. Ein weit verbreiteter Irrtum: Ein aerodynamischer Helm ist automatisch auch ein leiser Helm. Der Quantic bietet jedoch erfreulicherweise beide Eigenschaften. Egal ob im Sattel eines Naked Bikes, Cruisers oder eines Sporttourers mit mächtigem Windschild - in Summe habe ich den Quantic auf rund 15 Motorrädern getragen - störende Windgeräusche gab es kaum. Skeptisch war ich anfangs aufgrund der für Arai typischen in das Visier integrierten Belüftungsmöglichkeiten. Doch durch die gut gearbeitete Abdichtung, sind hier keine stärkeren Windgeräusche bei offenen Lüftungen auszumachen.

Ein leiser Helm ist auch ein Helm der den Fahrer weniger belastet und beansprucht und somit Ermüdung im Sattel, insbesondere auf längeren Strecken, vorbeugt. Dies kommt in Zusammenhang mit der effektvollen Luftzufuhr der passiven Sicherheit des Quantic zugute. Ich kann dem Arai also in Sachen Langstreckentauglichkeit ein sehr positives Zeugnis ausstellen.

Sicherheit: Überragende Performance ohne Kompromisse

Fünf Jahre Ausbildung bei Arai muss ein Mitarbeiter absolvieren, bevor er in 27 Arbeitsschritten und etwa 18 Arbeitsstunden einen Helm herstellen darf, per Handarbeit versteht sich. Arai-typisch hat der Quantic die optimierte glatte, runde Form, die entwickelt wurde, um ein "Abgleiten" zu ermöglichen und damit die Kräfte des Aufpralls zu verteilen. Auch der schicke Spoiler ist so konzipiert, dass er im Fall des Falles einfach wegbricht oder zerdrückt wird und damit keinen Einfluss auf die Schutzleistung hat. Der Quantic nutzt dabei die gleichen schützenden Eigenschaften wie die Arai-Rennhelme.

Wichtig für den Ersthelfer am Unfallort: Das ERS (Emergency Release System), das die Wangenpolster leicht entfernen lässt, bevor der Helm überhaupt abgesetzt wurde, womit sich der Helm dann leichter vom Kopf lösen lässt. Selbstverständlich bedient sich Arai auch beim Quantic eines Doppel-D Verschluss, wie er seit Jahren im Rennsport Standard ist.

Beim Thema Helmsicherheit muss man beinahe zwangsläufig auch auf die verfügbaren Farben und Dekore zu sprechen kommen. Der Quantic ist nämlich noch in deutlich auffälligerer Optik erhältlich, als im dezenten Modern Grey, das ich ausgefasst habe. Grelle Farben wie z.B. Flour Yellow erhöhen die Sichtbarkeit deutlich und steigern damit die passive Sicherheit. Alle verfügbaren Farben des Arai Quantic findet ihr auf der Homepage von Arai. Wer sich für die Tests und Anforderungen hinsichtlich der Sicherheit von Arai-Helmen interessiert, den darf ich auf den Beitrag mit Vauli zu den Standards bei Arai verweisen.

Der Arai Quantic im Alltag

Die hohen Sicherheitsstandards (der Arai erfüllt bereits die erst 2023 in Kraft tretende strenge ECE-R-22.06 Norm) und die im Helm verbaute Technologie hinsichtlich Belüftung und Schalenaufbau verhindert, dass der Arai Quantic ein Leichtgewicht geworden ist. 1550 Gramm in Grösse M sind ein durchschnittlicher Wert. Insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten fühlt sich der Helm durch die durchdachte Aerodynamik und den tiefen Schwerpunkt allerdings angenehm leicht an.

Da Arai beim Thema Sicherheit keine Abstriche macht, sucht man auch beim Quantic eine Sonnenblende vergeblich. Ein Feature, dass bei einem Touringhelm für den ein oder anderen Piloten einfach dazugehört. Natürlich bietet das umfangreiche Zubehör für den Quantic Visiere in mehreren Tönungsstufen und Verspiegelungen, sowie das Arai-eigene Pro Shade System, bei dem eine Sonnenblende aussen an das Visier montiert wird. Ich nutzte das VAS-V Shield Max Vision w/BV, Dark-Smoke mit serienmässiger Pinlockscheibe und war damit äusserst zufrieden. An verregneten Tagen oder bei Dunkelheit greift man dann aber natürlich besser zu einem klaren Visier.

Alle Nutzer von Kommunikationssystemen werden sich über die Vorbereitung für Kabelverstauung und die Taschen für Lautsprecher freuen, so gelangen die Anweisungen des Navis mühelos in den Helm und kein Kabelsalat oder schlecht sitzende Lautsprecherpads stören den angenehmen Sitz des Helms.

Fazit Arai Quantic Test

Mit dem Quantic ist dem japanischen Traditionshersteller ein grosser Wurf gelungen. Leise, komfortabel, gut be- und entlüftet, mit guter Ausstattung bestückt und überaus sicher - ein Helm für jede Lebenslage und hunderte von freudespendenen Stunden im Sattel. Natürlich ist der Arai Quantic kein Schnäppchen, aber der Helm ist eine der letzten Stellen, wo man rund ums Motorrad sparen sollte. Preis-Leistung stimmt jedenfalls und so gibt es für den Quanitc eine klare Kaufempfehlung.

Autor

Bericht vom 11.07.2021 | 10'178 Aufrufe

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