Ducati Streetfighter alt gegen neu - muss es immer die Neue sein?

13 Jahre Unterschied - ist der Streetfighter trotzdem noch gut?

Ich mache kein Hehl daraus, dass ich die Ducati Streetfighter V2 besser und sinnvoller finde als die V4-Version. Wie sieht es aber mit einem 13 Jahre alten Ducati Streetfighter der ersten Generation aus? Ist diese Maschine überhaupt noch fahrbar? Oder ist sie gar der beste Streetfighter, den Ducati jemals gebaut hat? Wir vergleichen alt gegen neu!

Eine Ducati ist eine Ducati. Und NUR eine Ducati ist eine Ducati. Denn nur eine Ducati hat immer etwas mehr Charisma als fast jedes andere vergleichbare Motorrad. Das kann man mögen, wie die zahlreichen Fans der italienischen Traditionsmarke beweisen. Oder man mag es eben nicht, weil einen gerade diese typischen Charaktereigenschaften einer Ducati stören. Das kann sich auf das (meiner Meinung nach in den meisten Fällen sehr wohl gelungene) Design beziehen, aber auch auf den Motor, der nun mal in den meisten Fällen mehr… nennen wir es Eigenleben entwickelt, als bei anderen Maschinen. Und genau so ist es auch beim aktuellen Streetfighter V2, den wir vor kurzem gegen drei weitere Power-Naked Bikes haben antreten lassen. Zugegeben, es waren drei Reihen-Vierzylinder, die nun mal von Natur aus kultivierter laufen, als ein V2. Allerdings können es die Ingenieure aus Bologna offenbar nicht lassen, die Triebwerke der hauseigenen Produkte immer etwas lauter und rauer abzustimmen, als andere Hersteller.

Die alte Ducati Streetfighter zaubert mir einen Grinser ins Gesicht - wie damals!

Wie sieht es nun aber aus, wenn wir 13 Jahre in der Geschichte zurück gehen und den Streetfighter V2 von 2022 mit einer Ducati Streetfighter von 2009 vergleichen? Ist der alte Streetfighter ohne jegliche Fahrhilfen und Assistenzsysteme überhaupt noch fahrbar oder wird man binnen Sekunden von dem wilden Bullen abgeworfen? Nun ja, ich hatte bereits damals das Vergnügen, den Streetfighter schon kurz nach seinem Debut vor 13 Jahren fahren zu dürfen und es war auch schon zu dieser Zeit ein Ritt auf der Kanonenkugel, aber durchaus kontrollierbar und definitiv ein Heidenspass. Und wenn ich ehrlich sein darf, hat mir dieser Streetfighter genau den gleichen Grinser ins Gesicht gezaubert, wie damals.

Der Streetfighter nahm die Gattung der Hyper-Naked Bikes vorweg

Okay, der Motor springt nicht perfekt an und die Kiste rappelt im Standgas schon mehr als der moderne Streetfighter V2, aber bei einer Ducati passt das doch ohnehin dazu und insgesamt befindet sich das Modell mit gerade mal 18.000 Kilometer auf der Uhr in einem richtig guten Zustand. Bei der Hostettler Moto AG in Bern gibt es das Schmuckstück im Übrigen um angemessene 11.000 Franken zu kaufen! Die Fahrerei mit dem alten Streetfighter überraschte mich dann sogar ein wenig, ich hatte nach 13 Jahren nicht erwartet, dass das Handling so einfach funktioniert und Kurven so easy durchzirkelt werden können. Die Sitzposition ist zwar schon etwas radikal, aber das verzeihe ich dem ersten Power-Naked Bike der Italiener, das eigentlich die Gattung der Hyper-Nakeds vorweg nahm.

Ist die Ducati Streetfighter von 2009 tatsächlich die bessere Wahl?!

Natürlich hat sich vor allem in dieser Klasse einiges getan, heute leistet eine Ducati Streetfighter V4 abartige 208 PS. Doch vor allem der Motor des alten Streetfighters ist eine Wucht, die 154 PS bei 9500 Umdrehungen reissen eigentlich schon von ganz unten mächtig an, das Drehmoment von 115 Newtonmeter bei ebenfalls 9500 Touren macht klar, dass 1099 Kubik nun mal genug sind, um aus einem V2 ordentlichen Dampf zu generieren. Schliesslich war ich auch von der Bremse ziemlich angetan, Doppelscheiben mit radialen Brembo-Vierkolbenzangen machen es mancherorts auch in modernen Bikes nicht besser. Ist die Ducati Streetfighter von 2009 also tatsächlich die bessere Wahl?! Nein, denn nur für wahre Puristen, die ohne jegliche Elektronik auskommen (wollen) und die sich in das Design verliebt haben, macht der alte Streetfighter Sinn. Denn an der Front wirkt der Halogen-Scheinwerfer mittlerweile angegraut, das Heck erinnert allerdings (nicht nur) mich an jenes der legendären MV Agusta F4 in früher Generation - zeitlos wunderschön.

Die neue Ducati Streetfighter V2 - 13 Jahre Weiterentwicklung!

Trotzdem sind 13 Jahre Weiterentwicklung nicht von der Hand zu weisen, der neue Streetfighter V2 hat und kann so viel mehr als der alte Streetfighter, dass man dafür ein mindestens fünfmal so dickes Betriebshandbuch braucht. Ich will es daher nur kurz umreissen: verstellbare Fahrmodi, Ride-by-Wire, 6-Achsen-IMU, schräglagenabhängige, einstellbare Traktionskontrolle, Kurven-ABS und Wheelie-Control - und das alles auf einem Farb-TFT-Display abzulesen. Da können sich die LCD-Armaturen mit nutzlosem Drehzahlmesser des alten Streetfighters nur verstecken. Wobei sich Ducati scheinbar doch ein wenig vom alten Modell inspirieren hat lassen, auch der neue Streetfighter V2 hat keine Tankanzeige!

Der Motor des Streetfighter V2 ist etwas für wahre Ducatisti!

Stattdessen verwöhnt auch das neue Modell mit einem äusserst präzisen Fahrwerk, Top-Bremsen und einer angenehmen Sitzposition - schon sportlicher als so manch anderes Naked Bike, für Ducati-Fans allerdings durchaus langstreckentauglich. Bleibt also noch der Motor, den der Streetfighter V2 vom Supersportler Panigale V2 übernimmt. Grundsätzlich ebenfalls ein kräftiges Triebwerk mit lediglich einem PS weniger als der alte Streetfighter (153 PS bei 10.750 Touren). Allerdings fehlen ihr mit 955 Kubik eben knapp 150 Kubik auf den alten Streetfighter, was sich im niedrigeren Drehmoment von nur 101 Newtonmeter niederschlägt und dafür sorgt, dass sich der neue Streetfighter V2 aus dem Drehzahlkeller sehr bitten lässt und nicht so souverän von unten hochdreht, wie der alte Streetfighter. Aber wie ich bereits zu Beginn ausgeführt habe - wahre Ducatisti stört so etwas keineswegs!

Fahrendes Motorrad

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Fazit: Ducati Streetfighter 2009

Der “alte” Streetfighter hat mich überrascht - trotz keinem einzigen Elektronik-Feature fährt sich dieser Vorläufer der heutigen Hyper-Naked Bikes ganz easy! Vor allem der Motor ist eine Wucht, die 154 PS hängen herrlich am Gas und die 115 Newtonmeter Drehmoment liefern massig Schmalz. Natürlich rumpelt es ordentlich in der Kiste, wie man es von einem Ducati-V2 erwarten darf, aber das stört die wahren Fans ohnehin nicht. Stattdessen erfreut man sich am präzisen Fahrwerk und den erstaunlich guten Bremsen. Die Sitzposition geht für ein Naked Bike, das heute in die Kategorie der Hyper-Nakeds passen würde, voll in Ordnung. Selbst die Optik ist lediglich durch den Halogen-Scheinwerfer etwas angegraut, das Heck hingegen ist zeitlos wunderschön!


  • kräftiger Motor
  • gute Bremsen
  • angenehme Sitzposition
  • präzises Fahrwerk
  • eigenständige Optik
  • ruppiger Motor
  • keinerlei Elektronik-Features

Fazit: Ducati Streetfighter V2 2022

Mit dem Streetfighter V2 hat Ducati den Supersportler Panigale V2 tüchtig modifiziert und auf Alltagstauglichkeit getrimmt. Trotz der optischen Nähe zum Streetfighter V4 besitzt er einen eigenständigen Charakter und hat auch Allüren, die das Leben mit ihm ein wenig schwierig, aber im Gegenzug interessant machen. Der ruckelige Motorlauf in niedrigen Drehzahlen stört Ducatisti aber offensichtlich nicht, stattdessen freut man sich über 153 PS, die gut am Gas hängen, fein ansprechende Fahrwerkskomponenten, hochwertige Bremsen und eine elektronische Komplettausstattung - lediglich die Tankanzeige wurde vergessen. Ähnlich seiner fahrerischen Qualitäten orientiert sich die Streetfighter V2 allerdings auch bei der Preisgestaltung nach oben in Richtung Hyper-Naked-Bikes.


  • drehfreudiger V2 Motor
  • umfangreiches Elektronikpaket serienmässig
  • fein ansprechendes Fahrwerk
  • kräftige Bremsen
  • präzises Fahrverhalten
  • sportlicher und edler Auftritt
  • sportliche und zugängliche Sitzposition
  • keine Tankanzeige
  • Motor ruckelt bei niedrigen Drehzahlen
  • Hitzestau unter dem Fahrersitz
  • ambitionierter Preis

Bericht vom 05.06.2022 | 19'149 Aufrufe

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