Yamaha Tracer 9 GT vs. Ducati Multistrada V2 S 2022

Völlig verschieden sportlich reisen!

Italien gegen Japan, Ducati gegen Yamaha, V2 gegen R3! Man muss schon eine arge Rivalität heraufbeschwören, um Yamaha Tracer 9 GT und Ducati Multistrada V2 S eine knallharte Konkurrenz anzudichten. Bei einer ambitionierten Ausfahrt samt touristischem Touch in der Schweiz standen sich beide äusserst umgänglich und keineswegs feindselig gegenüber. Aber mit welcher reist es sich nun tatsächlich besser durch die kurvige Schweiz?

Wer sich auch nur ein bisschen in der Schweiz mit Motorrädern, Rollern und Mopeds beschäftigt, wird den Namen Hostettler kennen - seit Jahrzehnten erfolgreicher Yamaha-Importeur bei den Eidgenossen. Seit kurzem kann man mit Hostettler aber auch andere Namen in Verbindung bringen - etwa Ducati, denn bei der Hostettler Moto AG in Sion bekommt man ausser den grösstenteils sportlichen Japanerinnen auch fesche Italienerinnen.

Die Ducati Multistrada V2 S hat den typischen V2-Desmo-Motor!

Was läge also näher, als sogleich zwei Reisemopeds mit auf die kurvige Tour zu nehmen, die Yamaha Tracer 9 GT und die Ducati Multistrada V2 S. Und es fällt ab dem ersten Meter auf, dass die beiden Reisemaschinen ihre Sache zwar äusserst gut machen, dies allerdings auf höchst unterschiedliche Weise. Die Ducati zelebriert (vielleicht auch gerade, weil immer mehr Ducati-Modelle auf V4-Triebwerke umgestellt werden) den typischen V2-Desmo, dem man es eigentlich gar nicht übel nehmen möchte, dass er sich aus dem Drehzahlkeller nach wie vor ziemlich abbeutelt. Denn kurz danach verwöhnt das Triebwerk mit einer herrlichen Mitte, dank der man sich auch mit über 20 PS weniger gegenüber der Yamaha (wir hatten eine, auf A2-Drosselung vorbereitete Multi V2 S mit 95 PS) nicht völlig untermotorisiert fühlt.

Die Yamaha Tracer 9 GT erinnert an die nackte Schwester MT-09

Dennoch ist die Yamaha Tracer 9 GT mit ihrem Reihen-Dreier noch agiler und sportlicher zu bewegen, die 119 PS benehmen sich schon im Naked Bike-Derivat Yamaha MT-09 äusserst potent, auf der tourentauglichen Tracer 9 GT kaum weniger. Klarerweise sind die Ingenieure in Japan auch bezüglich Touring-Qualitäten keine Anfänger, die Tracer 9 GT verwöhnt mit Komfort durch das elektronisch verstellbare Fahrwerk und eine sehr bequeme Sitzposition samt gutem Wetterschutz. Insgesamt ist sie dennoch die Sportlerin unter den beiden Maschinen. Die Ducati hat nämlich das noch komfortorientiertere Fahrwerk und man sitzt mehr in der Maschine drinnen als bei der Yamaha, auf der man nun mal eher drauf sitzt.

Sowohl Ducati, als auch Yamaha überzeugen im Winkelwerk. Nur anders.

Im engen Winkelwerk vermittelt die Yamaha daher auch das agilere Fahrverhalten, auf den zweiten Blick überzeugt aber auch die Ducati mit sehr willigem, intuitiven Einlenken und macht daher auch nicht weniger Spass. Die Bremsen werden grundsätzlich auf beiden Reisemaschinen ihrem Anspruch gerecht, auf der Yamaha passt der knackige aber ebenso homogene Biss, auf der Ducati wiederum der gut abgestimmte gutmütigere Charakter.

Fehler muss man bei Multi V2 S und Tracer 9 GT suchen. Aber man findet sie.

Wenn ich nun wirklich unbedingt etwas kritisieren möchte, werde ich auf der Ducati beim Quickshifter fündig (aber auch nur, weil ich jenen der Yamaha noch präziser finde) und auf der Yamaha befinde ich die geteilten Armaturen mit zwei verhältnismässig kleinen Displays nicht unbedingt übersichtlich. Wirklich störend sind diese Makel allerdings nicht, ganz im Gegenteil, ein paar wenige Ecken und Kanten sind ohnehin sympathisch. Bei den Windschilden geht es zwar bestimmt höher, breiter und besser, die jeweiligen Verstellmechanismen mit nur einem Hebel in der Mitte sind meiner Meinung nach aber richtig gut gelungen und verdienen eine Erwähnung.

Ist nun also eine besser als die andere?

Nun, die Yamaha ist vielleicht wirklich etwas sportlicher, die Ducati hat stattdessen für viele mehr Chic. Vermutlich ist es auch unserer touristischen Ausfahrt durch die französische Schweiz geschuldet, dass ich keine absolute Siegerin küren möchte. Denn jedes Mal, wenn ich umsteigen musste, war ich erneut begeistert, wie sehr sowohl die Ducati als auch die Yamaha auf ihre ganz spezielle Weise Spass und Freude an der Fahrerei verbreitet. Geht es allerdings rein ums Geld, ist die Yamaha Tracer 9 GT dann doch die bessere Wahl, mit knapp über 15.000 Franken ist sie um mehr als 3000 Franken günstiger als die fesche Italienerin!

Fazit: Yamaha Tracer 9 GT 2022

Die Yamaha Tracer 9 GT ist mit ihrem Reihen-Dreier äusserst agil und sportlich zu bewegen, die 119 PS benehmen sich schon im Naked Bike-Derivat Yamaha MT-09 äusserst potent, auf der tourentauglichen Tracer 9 GT kaum weniger. Klarerweise sind die Ingenieure in Japan auch bezüglich Touring-Qualitäten keine Anfänger, die Tracer 9 GT verwöhnt mit Komfort durch das elektronisch verstellbare Fahrwerk und eine sehr bequeme Sitzposition samt gutem Wetterschutz. Insgesamt ist sie trotzdem eine ziemliche Reise-Sportlerin. Die Optik ist eigenständig, lediglich die geteilten Mini-Displays sind Geschmackssache.


  • druckvoller und starker Motor samt toller Abstimmung
  • leichtes und stabiles Handling
  • elektronisch verstellbares Fahrwerk
  • umfassendes Elektronikpaket
  • guter Windschutz
  • toller Soziuskomfort
  • etwas ruppige Kupplung
  • gewöhnungsbedürftiges Display

Fazit: Ducati Multistrada V2 S 2022

Die Ducati Multistrada V2 S ist ein äusserst agiles und gleichsam komfortables Reisemotorrad, das unglaublich viel Spass im Winkelwerk bereitet, aber auch auf der Langstrecke mit Komfort glänzt. Dank abgesenkter Sitzhöhe, deutlich kürzerem Schrittbogen und verbesserter Motorlaufruhe (zumindest für eine Ducati) können auch kleinere und weniger erfahrene Menschen völlig unbeschwert in diesen wunderbaren Fahrgenuss kommen. Sie ist vor allem etwas für Piloten, die es gerne sportlicher angehen, dabei aber einen gewissen Komfort beim Touren nicht vermissen wollen.


  • ab 6000 Umdrehungen sehr agiler Motor
  • vielseitiges, semi-aktives Fahrwerk
  • gut dosierbare Bremsen
  • sportliche und trotzdem komfortable Sitzposition
  • gut geeignet für kleinere Piloten
  • umfangreiche Serienausstattung
  • guter Windschutz mit einfacher Verstellung
  • angenehm für Sozius
  • Motor ruckelt bei niedrigen Drehzahlen
  • Getriebe schaltet nicht ganz sauber in den unteren Gängen
  • Quickshifter ist nicht perfekt

Bericht vom 07.06.2022 | 13'779 Aufrufe

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