Ducati DesertX 2022 im Landstrassen-Test - 21-Zoll am Asphalt

Wie gut funktioniert die hochbeinige DesertX auf der Landstrasse.

Bei grossen Reiseenduros zeigt schon die Dimension des Vorderrads, dass sie nicht nur für die Strasse gemacht sind. Trotzdem verlassen in der Realität die meisten Adventure-Bikes nur selten die befestigten Wege. Wie gut sich die Honda Africa Twin, Ducati DesertX und Husqvarna Norden 901 aber auf der Strasse bewegen lassen, das haben wir auf Einheitsreifen überprüft.

Die Kontrahentinnen im Vergleich sind sich recht ähnlich: Drei Zweizylinder, um die 100 PS und 220 bis 230 kg. Trotz, oder gerade aufgrund dieser Ähnlichkeit fallen die Unterschiede besonders auf. Doch gerade der Reifen macht beim Handling sehr viel aus, weshalb wir uns für diesen Vergleich für einen Einheitsreifen entschieden haben. Sowieso würden reine Strassenpiloten bald andere Reifen aufstecken lassen, denn die Serienbereifung ist oft, wie zum Beispiel bei der DesertX mit den Pirelli Scorpion Rally STR, schon für leichtes Offroad vorbereitet und durch das Stoppel-Profil nicht ideal für flotte Manöver auf dem Asphalt.

Metzeler Tourance Next 2 als Einheitsreifen für den Reiseenduro-Vergleich auf der Strasse

Unsere Wahl fiel auf den Metzeler Tourance Next 2. Der Touring Reifen ist in allen gängigen Reiseenduro Dimensionen verfügbar und bietet als Touring-Reifen zahlreiche Features, die für Adventure-Bike Fahrer auf der Strasse relevant sind. Hohe Laufleistung, agiles Einlenkverhalten, guter Nassgrip und neutrales Handling, auch bei schweren Beladungszuständen. Selbst für Schotterpassagen soll sich der Reifen eignen, was wir diesmal jedoch nicht genutzt haben. Hier geht es zum Test des Metzeler Tourance Next 2.

Ducati macht ernst - Die Desertx als erste Offroad-Maschine aus Bologna.

Die Multistrada und Scrambler-Modelle sind zwar am Papier auch für Offroad-Action geeignet, aber die DesertX ist die erste Ducati fürs wirklich Grobe, wie schon Mex beim ersten Test der Ducati DesertX auf Sardinien feststellte. Bei diesem Test bleiben wir aber quasi entgegen ihrer Natur auf dem Asphalt, da die meisten Adventure-Bikes vermutlich sowieso nur selten ins harte Gelände geführt werden. Und siehe da, die DesertX macht auch im geteerten Winkelwerk eine gute Figur. Der Hauptgrund dafür: Der mächtige V2-Motor.

Motor der Ducati DesertX 2022
Der Star in der Ducati DesertX: Der 937 cm³ V2

Der 90° V2 mit 937 ccm Hubraum stammt aus der Multistrada V2, liefert seine Leistung von maximal 110PS aber durch die kürzere Übersetzung deutlich spritziger und ruckfreier ab. Mit einem satten Röhren dreht er quirlig hoch, drückt dabei mit 92 Nm Drehmoment bei 6.500 U/min bauchig an und zaubert ein breites Grinsen unter den Helm. Das Drehzahlniveau liegt zwar noch immer etwas höher als bei anderen Reiseenduros, doch der Motorlauf ist durch die geänderte Übersetzung auch deutlich runder bei niedrigen Touren, als bei der Multistrada V2. Der sechste Gang ist jedoch wieder länger übersetzt, um Autobahn-Etappen souverän meistern zu können. Die Freude am Motor wird durch den sauber und knackig schaltenden Quickshifter verstärkt, wobei der es trotzdem nicht auf das sehr hohe Niveau des Husqvarna Norden Schaltassistenten schafft.

Nur für langbeinige Piloten - Ergonomie der Ducati DesertX 2022

Im Gegensatz zu den Konkurrentinnen im Vergleich hat die DesertX keine verstellbare Sitzbank. Die fixe Sitzhöhe von 875 mm hat es aber in sich und auch trotz schmaler Taille tun sich Leute mit kurzen Beinen sehr schwer mit der Ducati. Ist man einmal in den hohen Sattel geklettert, erwartet den Fahrer eine angenehme, doch sportlichere Sitzposition. Die Arme strecken sich recht weit zum Lenker, wodurch sich der Oberkörper leicht nach vorne neigt, und der Kniewinkel ist sportlicher als auf der Honda Africa Twin, jedoch weniger spitz als auf der Norden. In Summe eine durchaus komfortable Sitzposition, aus der man jedoch fliessend in Angriffsposition gehen kann.

Handling und Fahrverhalten der Ducati DesertX 2022

In diese verfällt man auch recht oft, vor allem wenn sich die Kurven vor einem aneinanderreihen. Die 227 vollgetankten Kilogramm der Ducati lassen sich sehr flott und harmonisch bewegen, schnelle Wechselkurven brauchen weniger Kraft, als bei der Africa Twin. Hier zeigt sich die Qualität des Fahrwerks, welches trotz langer Federwege (230 mm vorne & 220 mm hinten) harmonisch arbeitet und gutes Feedback bietet. Die Upside-Down-Telegabel vorne ist voll einstellbar, das Federbein in Vorspannung und Zugstufe. In Anbetracht des mit Abstand höchsten Preises im Vergleich (zumindest in Österreich mit 18.795 €), wäre ein voll einstellbares Federbein wie bei der Honda schon fein gewesen. Aber immerhin lässt sich die Gabel für ambitioniertes Fahren auf der Strasse noch etwas härter stellen, wodurch sie beim scharfen Anbremsen am Kurveneingang auch deutlich weniger als bei der Konkurrenz eintaucht. Dabei ist die Bremserei auf der DesertX mit Brembo Anlagen und M.50 Bremsbelägen wie von einem Superbike und mit Abstand am potentesten. Ein Finger reicht aus, um stark, doch fein dosiert zu verzögern.

Handling der Ducati DesertX 2022
Dank der extrem potenten Bremserei und dem hochwertigen Fahrwerk und Chassis lässt sich die DesertX sehr flott durch die Kurven peitschen.

Langstreckentauglichkeit und Komfort der Ducati DesertX 2022

Wie wichtig die Langstreckentauglichkeit für Reiseenduros ist, zeigt auch das Original-Zubehör von Ducati. Zusätzlich zum 21 Liter Tank lässt sich noch ein 8 Liter fassender Zusatztank hinter der Sitzbank montieren. Ganz zu Ende gedacht ist das zwar nicht, denn dann passen die originalen Koffer nicht mehr drauf, aber zum Glück wird der Aftermarket auch hier passende Lösungen bieten. Reichweitentechnisch ist die DesertX auf jeden Fall gut aufgestellt, auch wenn ihr Verbrauch mit ca. 6 l/100km etwas höher als bei der Konkurrenz ist. Die Gepäcksituation ist auf der Ducati auch durch das Fehlen eines Gepäckträgers hinter dem Soziussitz herausfordernder, als bei den anderen Bikes. Beim serienmässigen Windschutz schenken sich bei diesem Vergleich aber alle Maschinen nichts, denn die durch die Bank nicht verstellbaren Windschilder sind eher auf Offroad ausgerichtet und bieten unzureichenden Windschutz. Auf der Ducati trifft der Wind ca. auf Halshöhe den Piloten. Auch hier wird der Zubehör wieder Abhilfe schaffen.

Auch für dynamische Duos interessant? - Sozius-Tauglichkeit der Ducati DesertX 2022

Mit einer Zuladung von mächtigen 240 kg, mit Abstand der höchste Wert im Vergleich, packt die DesertX locker auch Ausfahrten zu zweit und mit Gepäck. Allerdings könnte es rein platztechnisch eng werden, denn der Soziussitz ist äusserst knapp bemessen und sportlich gepolstert. Vor allem aber muss sich die Sozia fest an den Fahrer klammern, denn der schwarze Bügel am Heck eignet sich vielleicht um das Motorrad aus Schlammlöchern zu ziehen, aber nicht wirklich als Haltegriff. Dafür ist der Kniewinkel entspannt. Die DesertX mag auch im Zweibetrieb funktionieren, ist aber nicht wirklich dafür ausgelegt.

Ducati DesertX im Sozius-Test
Die Ducati DesertX lässt sich zwar zu zweit bewegen, ist aber eher für Solo-Abenteurer gemacht.

Elektronik und Ausstattung der Ducati DesertX 2022

Sechs unterschiedliche Fahrmodi, Kurven-ABS, Tempomat, schräglagenabhängige Traktionskontrolle, Wheelie-Kontrolle, Smartphone Connectivity - Die DesertX wartet mit einer elektronischen Vollausstattung auf. Diese lässt sich mit dem von anderen Ducati Modellen bekannten Bedienkonzept verstellen und fein justieren. Das hochformatige 5-Zoll-TFT-Display macht dabei eine gute Figur, sieht schick aus und bietet gleichzeitig einen guten Überblick. Die Elektronik und Ausstattung der DesertX funktioniert einfach und erfüllt ihren Dienst, ohne spektakuläre Neuerungen oder Mängel aufzuweisen.

Fazit zum Landstrassen-Test der Ducati DesertX

Obwohl sie fürs Grobe gemacht wurde, kann die DesertX auch auf der Strasse überzeugen. Sie ist im Vergleich die sportlichste, bietet aber genug Vielseitigkeit, um auch gediegener zu touren. Vor allem ihr spritziger Motor, die üppige Ausstattung und das hochwertige Chassis sind ihre Stärken. Die DesertX richtet sich an erster Stelle aber an Solo-Abenteurer mit langen Beinen, denn Kurzgewachsene und regelmässige Sozius-Fahrer müssen bei der Ducati leidensfähig sein. Doch des einen Leid, ist des anderen Freud. So sportlich flott, mit gleichzeitig sehr gelungener Dakar-Rallye-Optik, lassen sich nur wenige 21-Zöller über die Landstrasse jagen.

Fazit: Ducati DesertX

Die erste echte Enduro der Neuzeit von Ducati ist gelungen - und wie! Ein herzerwärmendes Design im Look der glorreichen 90er Dakar-Bikes aber vollgepackt mit edlen Komponenten und modernster Technik. Das hochwertige und stabile Chassis-Konzept spielt im On- wie Offroad-Betrieb voll seine Vorzüge aus. Die DesertX vermittelt auf Anhieb ein unglaublich souveränes und sicheres Fahrgefühl. Bewundernswert auch die Grätsche, welche Ducati mit den Federelementen hinbekommen hat, egal ob Strasse oder Gelände, es fühlt sich einfach gut an.


  • tolles Chassis mit voll einstellbarer Federung
  • ausgeklügelte Fahrmodi
  • kräftiger Motor
  • starke Bremse
  • durchdachte Detaillösungen
  • umfangreiche Serienausstattung
  • Laufkultur des Motors im unteren Drehzahlbereich
  • Ansprechverhalten Federbein leicht hinter dem der Gabel
  • Sehr hohe, nicht verstellbare Sitzhöhe
  • Wenig Platz und keine Haltegriffe für Sozia

Bericht vom 29.07.2022 | 12'025 Aufrufe

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