Husqvarna Norden 901 Erfahrungen

Harter Intensivtest mit der Norden in den USA

Wüste, Strasse, Schotter und raues Gelände. Die Husqvarna Norden 901 musste beim Trip von San Diego nach Las Vegas viel wegstecken. Wie schlug sich das Reisemotorrad beim intensiven Test?

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Bei besonders intensiven Tests ist es oft so, dass man am Ende des Tests die bisher positive Meinung ein wenig nach unten korrigieren muss. Bei diesem Test war es anders. Die ohnehin schon gute Meinung über die Norden 901 musste nach oben korrigiert werden. Ist sie perfekt: Nein! Doch sie ist nah dran und richtig gut dimensioniert. Der Test war der wohl intensivste Test den wir je bei 1000PS durchgezogen haben. Mehr als 2.000 Kilometer intensives Gelände im Südwesten der USA wurden bezwungen. Hier die Details zur Motorradreise.

Test Husqvarna Norden 901 in den USA
Wir fuhren auch Asphalt. Doch diesmal war der Test besonders intensiv und vielfältig.
Ab in die Wüste
Wir durchquerten gleich 3 Wüstengebiete mit der Norden 901. Die Mojave, den Joshua Tree National Park und das Golden Butte National Monument.

Ganz beseelt stieg ich am Ende jedes Tages von dem Motorrad. Schon nach dem Test auf den Azoren war ich von der KTM sehr angetan. Doch auch hier im unglaublich intensiven Südwesten der USA fährt mir die Norden 901 ins Herz. Warum? Einerseits ist es das hohe Mass an Praxistauglichkeit. Die Husqvarna Norden 901 ist ein goldrichtig dimensioniertes Reisemotorrad. Sie ist wie geschaffen für diese Reise. Der Motor liefert mit seinen 105 PS ausreichend viel Leistung. Der Fahrkomfort ist grossartig. Gleichzeitig wurde die Maschine nicht zu klobig. Wir konnten mit ihr auch sehr knifflige Passagen bezwingen. Die elektronischen Fahrhilfen sind punktgenau abgestimmt und sogar der Windschutz ist treffsicher dimensioniert. Da hat jemand mit richtig viel Passion getestet und verfeinert.

Erstaunlicherweise erregte das Motorrad in den USA sehr viel Aufsehen. Einige Motorradfahrer bestaunten das Motorrad. Sie ist offenbar auf den Strassen kaum zu sehen aber durchaus bekannt. Die Marke Husqvarna ist für die Amerikaner auch sehr positiv bekannt. Klarerweise erwähnten wir gerne, dass die Maschine aus Österreich kommt. Mit dieser Information konnte keiner der Motorradfahrer etwas anfangen. Einerseits weil sie nicht wussten wo Österreich liegt und anderseits weil sie keine Ahnung davon haben was KTM mit Husqvarna zu schaffen hat. Hier in den USA dürfte diese Mehrmarken-Strategie also durchaus Sinn haben.

Großer Genuss im Sattel der Norden 901
Großer Genuss im Sattel der Norden 901

Die Maschine begeisterte vor allem an den intensiven Tagen. Also dann wenn wir zu wenig Wasser in der Wüste mit hatten, uns unendlich lang durch Sandpisten quälten und danach auch noch lange Verbindungsetappen zu meistern hatten. Am Ende stieg man rundum glücklich vom Motorrad. Das Motorrad stand immer treu zur Seite, überforderte nicht, machte jedoch viel Freude und war unfassbar hart im Nehmen. Ich war mir fast sicher, dass dieses umfassend ausgestattete Reisemotorrad diese lange Tour nicht problemlos überstehen wird. Wir fuhren oft hunderte Meilen über holprige Pisten bei Temperaturen über 30 Grad. Zwischendurch quälten wir das Bike immer wieder durch sandige Passagen und schonten dabei auch die Kupplung nicht. Das Reisemotorrad gab sich davon gänzlich unbeeindruckt und fuhr einfach immer weiter. Wir verloren einige Schrauben - doch ausnahmslos an Halterungen von unseren eigenen Zubehörartikel. Einige Werkzeuge in den Koffern wurde zu Tode vibriert und unser Gepäck sah übel mitgenommen aus. Doch die Maschine sah nach einer Lanzenwäsche komplett neu aus. Einzig die ausladenden Koffer hatten von den Büschen ein paar Kratzer abbekommen.

Intensiver Test offenbart die Schwächen

Doch komischerweise hat die Norden 901 ein paar kleine Macken. Das überrascht insofern, da diese bei der Entwicklung hätten auffallen müssen. Denn ich weiss, dass die Motorräder in Mattighofen sehr praxistauglich getestet werden. Das Motorrad hat einen guten Windschutz. Das ist mal grundsätzlich positiv. Doch die üppige Verkleidung lässt offenbar etwas zu wenig Luft an den Motor ran. Bei tiefen Geschwindigkeiten heizt sich das Motorrad im Bereich der Waden unangenehm auf. Das Motorrad selbst zeigte sich vom hohen Temperaturniveau unbeeindruckt. Auch in der Wüste im tiefen Sand fuhr das Motorrad einfach immer weiter. Doch die Hitze brannte erbarmungslos auf die Waden. Dieses Hitzeproblem nervte nicht nur in der Wüste sondern auch im Stadtverkehr. Beim ersten Test auf den Azoren war mir das noch nicht aufgefallen. Damals bemängelte ich noch die fehlenden Einstellmöglichkeiten vom Windschild. Am Ende des Tests muss ich jedoch sagen: Ich hätte während der langen Testfahrt niemals das Bedürfnis gehabt etwas zu verändern. Der Windschutz fühlte sich immer richtig an.

Ebenfalls nervig war der Motorlauf bei kaltem Motor. Nach vielen peinlichen Situationen gaben wir auf und haben das Motorrad an den letzten Tagen einfach am Stand warmlaufen lassen. Nach einer halben Minute war alles OK und man konnte sauber losfahren. Im Gelände hätte ich mir in manchen Situationen eine etwas grössere Schwungmasse gewünscht, die Norden 901 hätte im unteren Drehzahlbereich einfach etwas mehr Ruhe und Souveränität gebraucht.

Die elektronischen Fahrhilfen in der Praxis

Sämtliche elektronischen Fahrhilfen präsentierten sich während der Tour sehr praxistauglich. Der Quickshifter funktionierte makellos, das ABS regelte auch mit Stollenreifen sehr präzise und die Traktionskontrolle half auch im Gelände ein wenig mit. Der Tempomat war super einfach zu bedienen und erhöhte den Fahrkomfot auf den Verbindungsetappen deutlich.

Das Fahrwerk der Norden 901 im Praxistest

Das Fahrwerk machte insgesamt einen guten Job, wirkt praxistauglich dimensioniert zeigte im Test aber auch leichte Schwächen. Im Zuge der Reise schlug das Fahrwerk vorne und hinten immer wieder mal durch. Der Kollege auf der KTM 890 Adventure R hatte da immer wieder mal die höheren Reserven. Die Norden 901 war insgesamt auf der komfortablen Seite und das war rückblickend betrachtet auch der richtige weg. Den die Tour war lange und in Kombination mit der tollen Sitzbank stieg man einfach immer entspannt vom Motorrad. Die Tour machte einfach Spass und man traut sich mit dem Motorrad auch sehr viel zu.

Auf den langen Verbindungsetappen hatte ich viel Zeit zum Nachdenken. Mir viel in der Tat kein Motorrad ein, welches für diese Tour besser geeignet gewesen wäre. Die Tenere 700 wäre mir ein wenig zu unkomfortabel gewesen. Wir fuhren manchmal auch sehr lange Verbindungsetappen auf Asphalt - da war die Norden einfach grossartig. Eine Africatwin wäre mir bei den kniffligen Passagen möglicherweise ein wenig zu gross gewesen. Die Norden 901 ist etwas leichter und fährt sich etwas leichter. Bleibt am Ende der Vergleich mit der 890 Adventure R von KTM. Diese fährt einfach sportlicher und hat mehr Reserven bei hohen Geschwindigkeiten. Da bleibt die KTM stabiler und zeigt sich von Spurrillen weniger beeindruckt. Dafür war die Norden komfortabler und gefällt mir optisch auch besser. Am Ende des Tests kann ich der Norden ein tolles Qualitätssiegel verleihen. Sie fuhr durch einige sehr unwirtliche Regionen, war hart im Nehmen und bot viel Fahrspass. Ein tolles Motorrad mit dem man gerne auf Reisen geht!

Der Reifen

Beim Einsatz in den USA kamen folgende Reifen im Einsatz. Auf der Norden 901 war ich mit dem D908RR unterwegs. Praktischerweise war auf der KTM 890 Adventure R vom Kollegen ein Conti TKC 80 montiert. Den TKC 80 kannte ich sehr gut, den 908 von Dunlop noch nicht. insofern hatten wir gute Vergleichsmöglichkeiten. Der Dunlop hat im Vergleich den grösseren Focus auf das Gelände. Somit war der Conti auf den kurvigen Strassenetappen der bessere Reifen. Im Gelände bot der Dunlop sowohl mehr Seitenführung als auch Traktion und Grip. Die Überraschung: Am Ende der Reise war beim Dunlop mehr Profil am Hinterrad noch deutlich mehr Profil übrig. Die Vorderreifen waren jedoch beide stark abgenutzt. Beim Conti war das Profil sehr niedrig, beim Dunlop hatte eine starke Sägezahnbildung eingesetzt. Insgesamt waren mir 2.500 km unterwegs.

Fazit: Husqvarna Norden 901 2022

Beim Test in den USA war die Husqvarna den wohl härtesten Testbedingungen ausgesetzt. Die Tour führte durch Wüsten, auf hohe Berge und durch glühend heisse Täler. Autobahnen aber auch hektischer Stadtverkehr mussten absolviert werden. Am Ende präsentierte sich die Norden 901 als sympathisches, zuverlässiges und rundum gelungenes Abenteuer Motorrad mit dem man gerne und intensiv verreist.


  • Grossartiger Motor mit hoher Praxistauglichkeit
  • Tolles Ansprechverhalten vom Motor
  • Lineares Drehzahlband
  • Kaum Vibrationen im Sattel
  • hochwertiges Elektronikpaket
  • Hoher Reisekomfort
  • Angenehm abgestimmtes Fahrwerk
  • zugänglicher aber gleichzeitig aufregender Charakter
  • guter Wind- und Wetterschutz
  • hart im Nehmen
  • Zuverlässig auch auf langer Tour
  • unangenehme Hitzeentwicklung im Bereich der Waden bei tiefen Geschwindigkeiten
  • unruhiger Motorlauf nach dem Kaltstart
  • Geringe Schwungmasse, stirbt immer wieder ab

Bericht vom 30.10.2022 | 8'049 Aufrufe

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