Husqvarna 901 Norden Expedition Test und Erfahrungen

Mehr Ausstattung für noch grössere Abenteuer

Wir waren im sonnigen Südafrika unterwegs und haben für Euch die neu vorgestellte Norden Expedition getestet. Alle Infos, zu dem was sie besser kann als das Original, wie sie sich von der Konzernschwester KTM abhebt und warum sie eigentlich ein Schnäppchen ist, hier im Bericht. Wir haben sie auf unserer zweitägigen Tour durch die Regenbogennation On- wie Offroad ausgiebig unter die Lupe nehmen können.

Bereits das Basismodell der Husqvarna Norden hat viel zu bieten

Die 901 Norden war in Europa vom Start weg ein Erfolg für Husqvarna. Das Modell baut auf dem bewährten Mattighofener Baukasten rund um die 890er Familie auf, schafft es dabei aber, durch eine sehr eigenständige Optik und auch die Ausrichtung in Sachen Fahrperformance, alles andere als ein Abklatsch in blau zu sein. Sie hat mittlerweile viele Fans und darf zweifellos als echte Bereicherung am Markt bezeichnet werden.

Um Schwächen und Fehler an der 901 Norden zu finden, muss man sich bei Probefahrten richtig bemühen. Das Konzept wirkt stets durchdacht und funktioniert erstklassig. Die ansprechende Optik tat ihr übriges, um 2022 eine Vielzahl an Kunden glücklich zu machen. Doch wer die Ansprüche in Mattighofen kennt, der weiss, dass man traditionell immer versucht eines obendrauf zu setzen. Diesem Gedanken entsprang nun für 2023 die neue 901 Norden Expedition. Die Zutaten im Rezeptbuch der Entwickler lauteten: Mehr Tourentauglichkeit, verbesserte Offroad-Qualitäten, mehr Ausstattung und noch mehr Komfort im Sattel.

Komfort auf der Husqvarna 901 Norden Expedition

Platziert man sich auf der neuen Norden Expedition, wird einem direkt wieder der Unterschied zur Philosophie von KTM bewusst. Während man dort gewohnt eher obendrauf Platz nimmt, sitzt man in der Norden etwas komfortabler ins Fahrzeug eingebettet. Dies liegt zum einen am höher aufragenden Tank und zum anderen an der etwas voluminöser gestalteten Front- und Seitenverkleidung. Das grössere Windschild an der neuen Expedition verstärkt diesen Eindruck zusätzlich.

Husqvarna 901 Norden Expedition Motor und Rahmen bleiben unverändert

Die Sitzhöhe steigt dabei, wegen des neuen Fahrwerks, auf luftige 874 Millimeter an. Die schwerpunktgünstige Tankform, welche weit nach unten geht, kennt man bereits. Anders als bei KTM sorgt das breitere und komfortablere Sitz-Arrangement auf der Husqvarna für eine nicht ganz so schlanke Mitte. Soll heissen, der Komfort nimmt zu aber auch der Schrittbogen wird grösser und dadurch haben es kleineren Personen unter 1,75 Metern Körpergrösse wohl etwas schwer mit der neuen Expedition. Grossgewachsene erfreuen sich wiederum weiterhin der zusätzlichen Option, den serienmässig beheizten Fahrersitz - ganz ohne Werkzeug - nochmal um 2cm höher auf 894 Millimeter, stellen zu können.

Die bewährte Basis rund um den 889 Kubik Paralleltwin und den bekannten Stahl-Gitterrohrrahmen bleibt auch in der Expedition erhalten. Der Motor ist ausgereift und fasziniert immer wieder aufs neue mit seinem druckvollen Charakter, dem sauberen Ansprechverhalten und kaum wahrnehmbaren Vibrationen. In diversen Test- und Dauertest-Szenarien über das letzte Jahr machte sich der Antrieb in der 1000PS Redaktion viele Freunde. Sowohl im Gelände als auch auf der Strasse sorgten die spritzig servierten 105 PS, gepaart mit kräftigen 100 Nm Drehmoment stets für Glückseligkeit unterm Helm. Der Wunsch nach mehr kam auch bei unserem Test in Südafrika nicht auf. Zusammen mit dem überschaubaren Gewicht von 230 Kilogramm fahrfertig (10 Kilo mehr als die Basis-Norden) und dem tief platzierten Schwerpunkt stellt auch die Expedition ein wirklich potentes Paket dar. Die ausgezeichnet arbeitenden Fahrassistenzsysteme, bei denen nun im Modelljahr 2023 der ABS Modus an die Fahrmodi gekoppelt ist, vervollständigt den hervorragenden Gesamteindruck.

Die Brems-Performance bleibt ebenfalls gleich - weiterhin sorgt die gut dosierbare Anlage von J.Juan verlässlich für Verzögerung. Hätte sich das Norden Premium-Modell eine potentere Brembo Anlage verdient? Im sehr sportlichen Strassenbetrieb kommt ab und an der Gedanke auf. Allerdings reden wir hier von Kritik auf hohem Niveau. Die Expedition wurde immerhin auch stark in Richtung Offroad-Performance entwickelt und dafür passen die Stopper wirklich hervorragend.

Das neue Fahrwerk der Husqvarna 901 Norden Expedition überzeugt

In Sachen Fahrwerk setzt man an der Expedition nun auf hochwertige XPLOR Komponenten von WP. Diese sind nicht nur etwas massiver dimensioniert - die Gabel hat nun einen Standrohrdurchmesser von satten 48 Millimetern - sondern auch voll einstellbar, das Federbein sogar getrennt in high- und low-speed Druckstufe. In der Praxis schafft diese Hardware tatsächlich gewaltige Reserven für den harte Gelände-Einsatz. Während der zwei Tage sind wir auf unterschiedlichstem Terrain unterwegs gewesen. In besonders knackigen Passagen, wo mal eine ausgewaschene Spurrinne übersehen, oder zu schnell in verblockte Abschnitte eingefahren wurde, ist das neue Fahrwerk eine echte Hilfe. Es schluckt unaufgeregt selbst harte Stösse und schafft damit Sicherheit und Vertrauen. Über schnelle Schläge bei hohem Tempo ist das Ansprechverhalten zwar immer noch nicht erstklassig, was ab und an in etwas knöchernem Gerüttel im Lenker resultiert, doch ein merklicher Schritt nach vorne im Vergleich zur Basis.

Nicht nur im Gelände, auch auf der Strasse merkt man die grundlegend agile Geometrie, welche sie wendig macht und spielerisch in den Radius wandern lässt. Dabei hält sie gleichsam stets präzise und sauber die angepeilte Linie. Das neue Fahrwerk macht hier ebenfalls Laune. Im Grundsetup bleibt sie ihrem bekannten, komfortablen Charakter treu. Mit dem Plus von 2 Zentimetern an Federweg, stellt sich im sportlichen Strassenbetrieb erfreulicherweise niemals ein unangenehm schaukeliges Fahrgefühl ein - sie kann weiterhin sportlich hart gefahren werden, ohne Abstriche machen zu müssen. Falls gewünscht, liegt im Handumdrehen über die Einsteller an Gabel und Federbein noch mehr Dämpfung an, was weitere Präzision für den Strasseneinsatz bringt. Dennoch sei angemerkt, dass der grössere Fortschritt bei der Expedition sicherlich in der Reserve für fordernde Offroad Abschnitte stattgefunden hat.

Husqvarna 901 Norden Expedition - Oberklasse Ausstattung? Serienmässig!

Was bei vielen Fahrzeugen in der Liste der aufpreispflichtigen Extras steht, bringt die neue Expedition serienmässig mit. Schaltautomat? Ehrensache! Der ist zwar nicht neu aber immer noch absolut klasse und bei der Expedition jetzt ab Werk mit dabei. Die Heiz-Griffe mitsamt dem ebenfalls beheizbaren Fahrersitz spendeten während eines verregneten, kühlen Morgens auf unserer Tour durch Südafrika wohlige Wärme. Ein ideales Feature für hartgesottene Ganzjahres-Fahrer oder eben komfortbewusste Abenteurer. Das neue Touring-Windschild sorgt für besseren Wind und Wetter Schutz. Viele Fahrer auf unserer Tour waren davon begeistert. Wobei angemerkt werden muss, dass dieses ab einer Körpergrösse von 1,90 Meter aufwärts, spürbare Verwirbelungen im Helmbereich erzeugt - auf eine Verstellbarkeit muss nach wie vor verzichtet werden.

Der zusätzliche Hauptständer erleichtert Wartungsarbeiten und das Beladen der serienmässigen Softgepäck-Lösung. Der neue Motorschutz aus robustem 4mm Aluminium sorgt für optimalen Schutz von Tank, Rahmen und Antriebseinheit. Auf sandigem Terrain und steilem, steinigen Untergrund konnten damit auch kleine "Umfaller" der Norden nichts anhaben. Genau bei diesen Bedingungen bewährte sich auch der serienmässig verfügbare "Explorer Mode". Darin kann die Regelintensität der Traktionskontrolle von Stufe 1 bis 9 ganz einfach über die Bedieneinheit am linken Lenkerende adjustiert werden. Ein weiterer, längerer Druck auf den unteren Pfeiltaster, stellt sie bei Bedarf auf 0 und gibt dem Fahrer die volle Freiheit über das Geschehen am Hinterrad. Mit deaktivierter Wheelie-Control lässt sich die Norden Expedition, dank reichlich Druck in den unteren Gängen, auch souverän und kontrolliert aufs Hinterrad nehmen. All das kann jederzeit angepasst werden, ganz ohne dabei den Gasgriff zu schliessen oder gar anhalten zu müssen. Auf wechselnden Untergründen und im unbefestigten Terrain eine echt grossartige Sache.

An der Expedition ist auch Connectivity serienmässig. Wurde die Husqvarna App am Smartphone installiert und das Gerät über Bluetooth mit dem Motorrad verbunden, kann der Fahrer nicht nur die Turn-by-Turn-Navigation und Anrufannahme nutzen, sondern auch Anrufe tätigen und Verkehrsinformationen in Echtzeit betrachten. Ebenfalls lassen sich über die Tasten am Lenker Musikauswahl und -Lautstärke während der Fahrt regeln.

Husqvarna 901 Norden Expedition Preis und Ausstattung - ein fairer Deal?

Im Detail sieht die Zusatz-Ausstattung an der Expedition wie nachfolgend aufgelistet aus. Für einen Aufpreis von rund 1.000 Euro im Vergleich zum Basis-Modell ein überaus fairer Deal, denn das Zubehör alleine - also ohne dem verbesserten Fahrwerk - macht bereits gut 2.000 Euro aus, wenn die Komponenten im Konfigurator auf der Husqvarna Website an der Standard-Norden zugebucht werden.

  • WP XPLOR Fahrwerk mit mehr Federweg (240 mm)
  • Heizgriffe und beheizte Fahrersitzbank
  • Touring-Windschild
  • Softgepäck inklusive Träger
  • Hauptständer
  • verstärkter Motorschutz
  • Connectivity Unit
  • Schaltautomat
  • Explorer Modus

Husqvarna 901 Norden Expedition Preise und Verfügbarkeit

Die ersten Modelle der neuen Expedition werden bereits ab Mitte März 2023 beim Husqvarna Händler erhältlich sein. Die Preise (UVP exkl. allfälliger Nebenkosten) sehen dabei wie folgt aus:

  • DE: 16.249,- EUR
  • AT: 17.999,- EUR
  • CH: 16.990,- CHF

1000PS.com - Unsere internationalen Websites für Husqvarna

Für unsere 1000PS Freunde aus anderen Ländern bieten wir unter 1000PS.com folgende Inhalte an:

Fazit: Husqvarna Norden 901 Expedition 2023

Bereits das Basismodell der Husqvarna Norden hat viel zu bieten, doch die neue "Expedition" schafft es mit ihrem verbesserten Fahrwerk und der zusätzlichen Ausstattung nochmal einen obendrauf zu setzen. Sie ist vielseitig wie ein Schweizer Taschenmesser. Es gibt kaum eine Aufgabe der sie nicht gewachsen scheint. Präzise und sportlich auf der Strasse, sowie gleichermassen robust und vertrauensschaffend im Gelände. Ein echtes do-it-all Gerät! In Anbetracht der umfangreichen Zusatzausstattung scheint nicht zuletzt auch der Preis im Vergleich zur Basis Norden in Ordnung. Mit einem Blick auf die noch sportlicherer ausgerichtete Konzernschwester KTM 890 Adventure R sei angemerkt, dass man bei Husqvarna auch mit der Expedition etwas mehr dem Komfort-Gedanken treu bleibt.


  • hochwertiges und voll einstellbares Fahrwerk
  • toller Komfort im Sattel
  • verbesserte Offroadfähigkeiten
  • serienmässige Ausstattung auf Oberklasse-Niveau
  • druckvoller und gleichsam laufruhiger Motor
  • agile Geometrie
  • gute Verbrauchswerte
  • wertige Optik und Verarbeitung
  • 874mm Sitzhöhe für kleine Personen kritisch
  • kein USB Steckplatz im Cockpit
  • serienmässiges Softgepäck qualitativ nicht top

Bericht vom 11.03.2023 | 32'786 Aufrufe

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