Rally-reif? Suzuki V-Strom 800DE im harten Offroad-Test

Kann die 800er V-Strom auch bei der Bosnia Rally 2023 überzeugen?

Die Suzuki V-Strom 800DE dominierte die vergangenen Vergleichstests auf Asphalt. Kann sie auch im bosnischen Gelände überzeugen?

Die Bosnia Rally ist ein fesselndes Offroad-Abenteuer in den rauen Landschaften Bosniens. Die Teilnehmer müssen die Herausforderungen lieben, die Kunst der Navigation beherrschen und eine Offroad-Leidenschaft mitbringen. Egal, ob sportliche Sportenduro oder kräftiges Adventure-Bike, für jeden Fahrertyp ist etwas dabei. Unser 1000PS-Team stellt sich der Herausforderung mit der Suzuki V-Strom 800 DE, um ihr Enduro-Potenzial zu zeigen. Bosnien bietet die perfekte Kulisse für einen ernsthaften Offroad-Text. Die Rallye führt von Kupres durch fünf anspruchsvolle Etappen mit atemberaubenden Landschaften. Teilnehmer erleben eine realistische Rallye-Erfahrung, technische Abnahme und Checkpoints wie im Motorsport, jedoch ohne Zeitmessung oder Wertung. Präzises Navigieren und die Bewältigung anspruchsvoller Offroad-Strecken bereiten auf künftige Herausforderungen vor. Strassenzugelassene Motorräder sind Pflicht, während der Fokus auf herausforderndem Offroad-Gelände liegt. Das Erkunden der wilden Berge Bosniens, heisse Temperaturen und faszinierende Eindrücke erwarten uns.

Technische Daten der Suzuki V-Strom 800DE

Die Suzuki V-Strom 800 DE bietet Motorleistung von 84 PS und ein maximales Drehmoment von 78 Nm. Der 2-Zylinder, 4-Takt Reihenmotor mit einem Hubraum von 776 ccm setzt auf ein Verdichtungsverhältnis von 12,8 : 1 und wird durch DOHC-Ventilsteuerung mit 4 Ventilen pro Zylinder geregelt. In puncto Fahrwerk bietet die Maschine eine SHOWA Upside-Down Teleskopgabel vorne und eine Aluminium-Doppelarmschwinge hinten mit 220 mm Federweg vorne/hinten. Die Bremsanlage setzt auf Doppelscheibenbremsen vorne (310 mm) und eine Scheibenbremse hinten (260 mm). Die Suzuki V-Strom 800 DE ist mit umfangreicher Elektronik ausgestattet, darunter Ride-By-Wire, Traktionskontrolle mit Gravel Mode, Suzuki Drive Mode Selector, Bi-directional Quick Shift, Easy Start System, ABS hinten deaktivierbar und mehr. Die Abmessungen des Motorrads betragen 2345 mm in der Länge, 975 mm in der Breite und 1310 mm in der Höhe. Der Radstand beträgt 1570 mm, die Bodenfreiheit 220 mm und die Sitzhöhe 855 mm. Auf unserer 1000PS-Viehwaage wurde sie von uns im vollgetankten Zustand inkl. Sturzbügeln mit 236 kg gewogen, während das höchstzulässige Gesamtgewicht bei 430 kg liegt.

Robust genug?! - Offroad-Härtetest für die Vergleichssiegerin Suzuki V-Strom 800DE

Die neue Suzuki V-Strom 800 DE hat bei diversen Strassentests eine Stärke bewiesen: Sie ist harmonisch. Und führt damit trotz eines im Grunde wenig attraktiven Datenblatts (nur 83 PS bei 230 Kilogramm Fahrzeuggewicht) die versammelte Konkurrenz vor. Doch womöglich wird ihr das üppige Gewicht abseits asphaltierter Wege zum Verhängnis. Bei der Bosnia Rally steht der letzte Härtetest für die V-Strom an.

Und er wird noch härter als gedacht, denn die Suzi muss gleich zwei grössere Fahrfehler ihrer Reiter überstehen. Den ersten steuert Kollege Mex bei, als er gleich am ersten Tag einen grossen Stein trifft, die Balance verliert und das Bike knapp drei Meter tief in den Graben schickt. Danach braucht´s neun Menschen und zwei Spanngurte, um die gelbe V-Strom wieder auf den richtigen Pfad zu wuchten. Sie lässt sich von diesem Zwischenfall nicht beeindrucken und macht ohne erkennbare Blessuren (ausser ein paar Kratzern in den Sturzbügeln) weiter. Fauxpas Nummer zwei leistet sich Fabian, der einen noch grösseren Stein mit viel Schwung trifft. Ein lauter Schlag und ein Plattfuss sind die Folge doch wieder macht´s der Suzuki nichts aus und nach einem Reifenwechsel in Rekordzeit (danke an die mitfahrenden Continental-Vertreter) geht´s wieder problemlos weiter. Damit sehen wir die Robustheit der V-Strom als ausreichend getestet an.

Aktive Ergonomie, vielseitiger Motor - Offroad-Test der Suzuki v-Strom 800DE 2023

Und sie ist mehr als nur das. Wie schon in den Strassentests zieht vor allem der geschmeidige, drehmomentstarke und schon bei niedrigen Drehzahlen überaus kultivierte Reihenzweizylinder alle Fahrer bald in seinen Bann. Je nach Vorliebe wählen manche lieber das sanfte Mapping C, das nur zaghaft die Drosselklappen öffnet. Die sportlichen Teammitglieder greifen lieber zu B oder auch A, in dem die V-Strom fast so direkt am Gas hängt wie eine echte Sportenduro. Bei niedrigem Speed lässt sie sich mit präzisen Gasstössen über gröbere Steinfelder manövrieren, weil auch die Kupplung sehr einfach dosierbar ist.

In diesen Abschnitten kommt der V-Strom natürlich auch das grosse 21-Zoll-Vorderrad, das viel Stabilität beiträgt und sich nicht so leicht aus der Balance bringen lässt, zugute. Hinzu kommt, dass man das Bike dank des breiten Lenkers gut im Griff hat. In den griffigen Rasten stehend finden die Knie viel Halt an der seitlichen Verkleidung und aktiv stehend passt auch der Vorderradbezug für eine ambitionierte Fahrweise.

Suzuki V-Strom 800DE auf der Bosnia Rally 2023

Dabei zeichnet sich auch das hochwertige Fahrwerk aus. 220 Millimeter Federweg an der Showa-Gabel wie auch am Federbein reichen dank satter Dämpfung locker aus, um ruppige Felspassagen zu durchqueren und kommen nur über grosse Wellen bei höherem Tempo an ihre Grenzen. Doch auch in diesem Fall unterbindet die Dämpfung unangenehmes Nachschwingen zuverlässig und sichert stets eine optimale Verbindung der zum Test montierten Continental TKC 80-Reifen mit diversen Untergründen. Die Pneus bieten besonders auf Feldwegen schier unendlichen Grip und finden auch auf grobem Schotter überraschend viel Traktion, wobei das Gewicht der V-Strom wiederum hilfreich ist.

Abgesehen davon fühlt sich die Suzi aber in Bewegung deutlich leichter an als sie ist. Gut zentralisiert und ausbalanciert lässt sich ihre Masse ohne Kraftaufwand über grössere Hindernisse und um enge Wendungen pressen. Sogar Korrekturen in heiklen Situationen durch kurzes Absetzen der Füsse gelingen gut und in den Händen von versierten Offroadern wird die V-Strom zur echten Enduro. Dank abschaltbarer Traktionskontrolle und einem Offroad-ABS (am Hinterrad deaktiviert) ist man stets direkt über Gasgriff und Bremshebel mit den Rädern verbunden. Die Bremse selbst bietet vorne und hinten weiche, aber klar spürbare Druckpunkte, die die Dosierung im Gelände vereinfachen.

Wegen ihrer guten Fahreigenschaft stets sportlich bewegt, lässt die Suzuki am letzten Tag der Rally ein leichtes Klappern aus dem Bereich der Schwingenlagerung vernehmen. Vielleicht nur eine losgerumpelte Schraubverbindung, womöglich aber auch erste Verschleisserscheinungen. Der Ursache für die Geräuschentwicklung können wir nicht mehr auf den Grund gehen. Das durchweg positive Bild, das die V-Strom 800 DE bei der Bosnia-Rally abgibt, kann sie aber sowieso nicht trüben.

Einheitsreifen für die Bosnia Rally 2023: Conti TKC 80

Auf unserer Tour waren wir mit einheitlicher Bereifung von Continental unterwegs - die Wahl fiel auf den TKC 80. Für den harten Offroad-Einsatz war ein bewährtes Produkte mit Nehmerqualitäten gefragt. Der TKC 80 ist mit kleineren Überarbeitungen seit insgesamt 36 Jahren am Markt erhältlich und das nicht ohne Grund, wie auch wir im Laufe der 6 Offroad-Tage feststellen durften. Der Pneu, welcher von Conti selbst als 50/50 Dualsport Reifen ausgeschildert wird, zeigte sich extrem robust, verschleissarm und verlässlich. An 8 verschiedenen Fahrzeugen montiert, war insgesamt nur ein Reifenschaden festzustellen. Letzter auch nur, weil wir auf einem schnellen Abschnitt einen Felsbrocken übersehen hatten. Somit brechen wir guten Gewissens für den Conti die Lanze und nennen den TKC 80 als echte Empfehlung für diese Art von Abenteuer. Auf Asphalt vergleichsweise leise und gutmütig im Grenzbereich, im Gelände super vielseitig einsetzbar. Ein echter Evergreen unten den Grobstollern!

Navigation auf der Bosnia Rally mit dem Garmin zumo XT2

Die Bosnia Rally beschreibt sich selbst als Roadbook-Training, es gibt jedoch auch die Möglichkeit einfach per Navigationsgerät dem Track nachzufahren. Für unsere Filmaufnahmen mussten wir teilweise Streckenabschnitte auch mehrfach befahren und da sich Roadbooks eher schlecht mit willkürlichen Richtungsänderungen und Backtracking vertragen, haben wir stattdessen auf das neue Motorrad-Navi Garmin zumo XT2 gesetzt. Dank der stabilen Halterung, robuster Technik und grossem, hochauflösenden Display überlebte das zumo XT2 unbeschadet die 1000 materialmordenden Kilometer und führte uns verlässlich ans Ziel. Alle unsere Testeindrücke zu diesem High-Tech-Navigationsgerät findet ihr hier.

Leicht, doch robust - Die passenden Gepäcklösungen für die Bosnia Rally von Enduristan

Unsere Ausrüstung für die Bosnia Rally umfasste Kameraequipment, Werkzeuge, Reifenflickzeug, Ersatzhebel und ein paar Snacks. Um unsere Rücken während der anspruchsvollen Etappen nicht überzustrapazieren, haben wir den Grossteil davon am Motorrad befestigt. Trotz des Offroad-Einsatzes war es entscheidend, das Gewicht möglichst gering zu halten. Daher setzten wir auf praktische Softgepäcklösungen von Enduristan, darunter Seitentaschen, Gepäckrollen, Lenkertaschen und Tankrucksäcke. Diese boten ausreichend Stauraum und hielten den Belastungen der Rallye stand. So hatten wir genug Platz für 3-Liter-Trinkblasen und schlanke Rucksäcke von Enduristan auf unseren Rücken. Die vielseitigen Montagemöglichkeiten, praktischen Features und robuste Verarbeitung machten unsere Enduristan Ausrüstung zur perfekten Wahl für die anspruchsvolle Bosnia Rally.

Fazit: Suzuki V-Strom 800DE 2023

Die Suzuki V-Strom 800 DE überzeugt auch im harten bosnischen Gelände mit ihrer Ausgewogenheit. Stimmige Ergonomie, kräftiger Motor, gut dosierbare Bremse. Man kann ihr einmal mehr keine wirkliche Schwäche attestieren. Selbst das hohe Gewicht kaschiert sie durch Balance sehr gut und pflügt auf dem 21-Zoll-Vorderrad sicher über Stock und Stein. Die auf der Strasse limitierende Spitzenleistung reicht abseits des Asphalts allemal. Und obendrein hat die V-Strom bewiesen, dass sie richtig was einstecken kann. Ein rundes Paket.


  • Drehmomentstarker, fein dosierbarer Motor
  • Gut dosierbare Bremse
  • Komfortables, doch potentes Fahrwerk mit langen Federwegen
  • Robust genug für Offroad-Einsätze
  • Gelungene Ergonomie für sitzendes und stehendes Fahren
  • Für die Leistungsklasse etwas hohes Gewicht
  • Kein Tempomat verfügbar

Bericht vom 26.08.2023 | 14'404 Aufrufe

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