TVS iQube S Elektroroller Test 2024

Indiens Erfolgsmodell kommt nach Europa!

250.000 Exemplare hat TVS vom iQube S bereits verkauft. Jetzt wagt sich der indische Hersteller auf den Europäischen Markt und bringt den Elektroroller mit. Wir haben ihn bereits in Barcelona getestet.

TVS ist in unseren Breiten ein vielleicht noch eher unbekannter Name. Im Hintergrund ist der indische Hersteller aber bereits stark aktiv, baut man doch die G 310 Modelle und den neuen CE 02 von BMW. Wäre das noch nicht genug, kann sich TVS zudem den drittgrössten Indischen Hersteller nennen, der pro Jahr rund 3,5 Millionen Fahrzeuge baut. Also jede Menge Know-How, das nun auch auf unseren Strassen rollen soll.

20 Jahre Forschung sind spürbar! TVS iQube S Motor und Leistung

Seit rund 20 Jahren forscht TVS an Elektroantrieben in Motorrädern. Über diese Zeit wurde viel Know-How gesammelt, das auch beim Hersteller bleibt. Im Fall des iQube S stammen nämlich nur die Batteriezellen von einem Zulieferer, der Rest wird Inhouse entwickelt und gebaut - so bleibt die Kompetenz beim Hersteller. Im Antriebsstrang wird das auch spürbar! Mit einer Nennleistung von 3 kW, einer Maximalleistung von 4,4 kW und einem nominalen Drehmoment von 33 Nm reisst der iQube S bestimmt keine Bäume aus, sorgt aber für effizienten Vortrieb in der Stadt. Schliesslich reden wir noch immer von einem A1-Roller, der auch mit den Führerscheinzusätzen B-111 (AT) und B-196 (DE) gefahren werden darf.

Viel mehr begeistert der Antrieb durch seine absolute Stille. Kein Surren oder Vibrieren und keine Störgeräusche - dieser Elektroantrieb ist lautlos! Zwar hat das auch zur Folge, dass man von Passanten nicht gehört wird, aber es fasziniert, wie leise man doch auf zwei Rädern unterwegs sein kann. Und das ohne selber treten zu müssen!

Bis zu 100 Kilometer Reichweite

Als Schaltzentrale hat der Fahrer ein 7 Zoll Farb-TFT-Display vor sich. Über den Mode-Schalter können während der Fahrt zwei Fahrmodi gewählt werden: ECO und POWER. Der ECO-Modus limitiert die Höchstgeschwindigkeit auf 52 km/h (laut Tacho), bietet eine sanfte Gasannahme und ermöglicht eine Reichweite von 100 Kilometer. Im POWER-MODUS spricht der TVS direkt an und lässt sich bis zur Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h (laut Tacho) beschleunigen. Aufgrund der stärkeren Beschleunigung und dem erhöhten Topspeed schrumpft die Reichweite auf circa 75 Kilometer.

In unserem Test bewegten wir uns in einem Mix aus beiden Modi - je nach der aktuellen Fahrsituation. Zwar variiert die Reichweite von Elektrofahrzeugen immer nach Zuladung, Fahrverhalten und Aussentemperaturen, doch die reale Reichweite liegt zwischen 75 und 100 Kilometer, auch da über das regenerative Bremsen Strom zurück in den Akku gespeist wird. Für einen urbanen Pendlerroller ein vernünftiger Wert.

TVS iQube S Akkukapazität & Ladezeit

Vernünftig geht es auch in diesem Kapitel weiter. Der Akku des TVS verfügt über eine Kapazität von 3,04 kWh, was sich im Mittelfeld dieser Klasse befindet. Geladen wir er per externem Ladegerät, das über die Haushaltssteckdose Strom bezieht und den TVS in 4:30 Stunden von 0 auf 80 Prozent lädt. Ein Schnellladegerät ist nicht erhältlich. Leider ist der Akku des iQube S zudem fest verbaut und kann nicht für den Ladevorgang entnommen werden. Somit braucht es eine Steckdose in der Nähe des Parkplatzes, oder eine sichere Möglichkeit ein Verlängerungskabel auszulegen. Verfügt man über eine private Garage ist das kein Problem, Laternenparker könnten aber ihre Schwierigkeiten bekommen.

Ein praktischer und bequemer Roller

Der fest verbaute Akku hat wiederum zum Vorteil, dass der TVS iQube S ein für einen Elektroroller grosses Staufach anbietet. 33 Liter passen unter die Sitzbank - deutlich mehr als vergleichbare Roller mit entnehmbarem Akku. Ausserdem punktet der TVS Roller von seiner Herkunft: Die Entwicklung auf Indiens Strassen hat den Fahrwerkskomfort bestimmt positiv beeinflusst. Schnelle Schläge werden souverän geschluckt und tiefere Unebenheiten wie Kanaldeckel komfortabel gefedert. Zudem überfordert die Sitzhöhe von 770 mm auch kleine Fahrer nicht, insbesondere da das Gewicht des iQube S bei lediglich 118,8 Kilogramm liegt. Somit wird man die serienmässige Einparkhilfe (vor- & rückwärts) selten benötigen. Trotzdem ein nice-to-have Feature.

Überzeugen kann auch das Bremssystem, das aus einer 220 mm Scheibe in der Front und einer 130 mm Trommel im Heck besteht. Für diese Klasse an Fahrzeug packen sie überraschend stark zu und sorgen für schnelle Verzögerung. Leider verfügt der TVS aber nur über ein CBS (kombiniertes Bremssystem) und kein ABS (Antiblockiersystem), was aber an der attraktiven Preisgebung argumentiert werden kann.

Kleine Störfaktoren mit Verbesserungspotential

Technisch kann der TVS iQube S überzeugen und auch während der Fahrt gibt es wenig auszusetzen. Doch im Finish und den folgenden Punkten hat der indische Roller noch Luft nach oben:

Piepsen der Blinker: Man fährt nicht nur elektrisch, um vielleicht Geld zu sparen, sondern auch um lautlos durch die Stadt zu gleiten. Das gelingt dem iQube S nur solange, bis die Blinker aktiviert werden. Diese geben einen Piepston von sich, der am besten mit dem Rückfahrwarnton eines 16-Tonners verglichen werden kann. Dient es erstrangig als Erinnerung an den Fahrer den Blinker zu deaktivieren, hat der nervige Ton eher zur Folge, dass man lieber gar nicht blinkt, um sich an der Ampel nicht zu blamieren. Glücklicherweise gibt es Entwarnung: Laut einem Telefonat mit TVS soll der Warnton in Zukunft deaktiviert werden können.

Riesiger Schlüssel: Der TVS iQube S präsentiert sich als moderner Roller. LED-Beleuchtung, TFT-Display und Connectivity sind bei diesem Elektroroller serienmässig an Bord. Der riesige Ausklappschlüssel wirkt dann aber etwas altbacken. Insbesondere, da er nicht als Notschlüssel dient, sondern sowohl zum Starten, als auch zum Öffnen der Sitzbank benötigt wird. Zudem ragt er während der Fahrt weit in Richtung der Beine. Das geht doch kleiner, oder sogar keyless, oder? Naja, zumindest wurde eine Taschenlampe in den Schlüssel integriert, was auch schon irgendwie cool ist...

Der Schlüssel fällt für solch einen Roller unproportional groß aus.
Der Schlüssel fällt für solch einen Roller unproportional groß aus.

TFT-Display bei Sonne: Das 7 Zoll grosse TFT-Display funktioniert an sich tadellos. Es bietet helle Farben und sogar Turn-by-Turn Navigation, wenn man das Smartphone per TVS App verbindet. Das funktioniert aber nur solange, bis die Sonne direkt auf das Display strahlt. Dann ist es nämlich vorbei mit der Leserlichkeit.

Billiger Seitenständer: Zuletzt eine kleine Auffälligkeit. Der TVS iQube S wirkt rundum sauber verarbeitet. Die Haptik der Bedienelemente ist gut, das Spaltmass passt und es klappert nichts bei Bodenunebenheiten. Da überrascht es umso mehr, dass der Seitenständer billig und wie aus dem Baumarkt wirkt. Aber erneut: Der indische Roller wird bei uns nicht viel kosten, doch dazu gleich mehr.

TVS iQube S Preis & Verfügbarkeit

Zum Zeitpunkt des Verfassens steht TVS kurz vor dem europäischen Marktstart. Letzte Händler werden gesucht und die finalen Deals abgeschlossen. Läuft alles nach Plan, sollte die TVS Produktpalette, einschliesslich des iQube S, ab Frühjahr 2024 erhältlich sein. Wie viel der iQube S dann kosten wird, entscheidet sich am jeweiligen Markt, aber der Preis soll rund 4.500 Euro betragen. Ein fairer Preis für einen Roller in dieser Klasse.

Fazit: TVS iQube S 2024

Erfahrung zahlt sich aus! Auch wenn der iQube S bei uns neu ist, wurde er in seinem Heimatland Indien die letzten Jahre erprobt. Besonderes Lob verdienen der lautlose Antriebsstrang und das komfortable Fahrwerk, die ein gewisses Premiumgefühl vermitteln. Mit einer Reichweite zwischen 75 und 100 Kilometer bietet er genügend Spielraum für den täglichen Weg zur Arbeit. Einzig das Laden könnte schwer werden, wenn man über keine private Garage verfügt.


  • lautloser Antrieb
  • genügend Leistung für den Alltag
  • sinnvolle Fahrmodi
  • hochwertiges Fahrwerk
  • Stauraum
  • gute Verarbeitung
  • Akku festverbaut
  • kein ABS
  • unnötig grosser Schlüssel

Bericht vom 18.03.2024 | 5'815 Aufrufe