Benelli TRK 702 X im schweizer Alltag - Testbericht

Perfekter Einstieg ins Reiseendurosegment?

Ein Wochenende lang haben wir die Benelli TRK 702 X im schweizer Mittelland bewegt. Was steckt im Herzen des edlen Kleides der TRK 702 X? Wir haben getestet!

Die Benelli TRK 702 X ist ein spannendes neues Modell des Herstellers Benelli, welches sich an ein breites Publikum richtet. Mit einem robusten Design, einem soliden Motor und moderner Technologie verspricht die TRK 702 X ein vielseitiges Fahrerlebnis. In diesem Testbericht beleuchten wir die verschiedenen Aspekte des Motorrads, von der Leistung und Handhabung über Komfort und Ausstattung bis hin zum Design und Preis-Leistungs-Verhältnis.

Benelli TRK 702X - Alltagstaugliche Reiseenduro zum attraktiven Preis
Benelli TRK 702X - Alltagstaugliche Reiseenduro zum attraktiven Preis

Benelli TRK 702 X - Ein Motorrad mit viel Potential

Schaut man sich die Verkaufsstatistiken in Italien an, war Stand Sommer 2023 das meistverkaufte Motorrad nach wie vor der kleinere Bruder der TRK 702 X, die TRK 502. Dieser Fakt beweist, dass Benelli als eine zuverlässige und zugängliche Marke bei unseren Kollegen im Süden gefeiert wird. In der Schweiz, Österreich und Deutschland hatte es die TRK 502 bis jetzt nicht so leicht, da wir in der deutschsprachigen Region doch gerne mal zu höher motorisierten Fahrzeugen greifen. Die TRK 702 X trifft daher eine sehr spannende Ader im deutschsprachigen Raum. Dass mit der TRK 702 X nicht die Hochleistungspferde im Adventurebike-Stall angegriffen werden, ist dabei klar, jedoch bringt sie etliche schlagfertige Argumente an den Tisch, mit denen sie dem einen oder anderen Biker das Herz stehlen könnte.

Motor, Leistung und weitere Fakten über die Benelli TRK 702X

Der Motor der Benelli TRK 702 X ist ein 698 ccm Parallel-Twin, der eine Leistung von 75 PS bei 8.500 U/min und ein Drehmoment von 68 Nm bei 6.500 U/min liefert. Dieser Motor sorgt für eine sehr gleichmässige Leistungsentfaltung und bringt genügend Power auf den Boden.

Die Fahrwerksabstimmung der TRK 702 X ist sehr angenehm. Die Upside-Down-Gabel vorne und die einstellbare Hinterradaufhängung bieten eine ausgewogene Balance zwischen Komfort und Sportlichkeit. Auf der Strasse zeigt sich das Motorrad stabil und präzise, während es mit dem 19-Zoll-Vorderrad in der Modellversion X auch gut im Gelände eingesetzt werden kann.

Bremstechnisch sind an der Benelli TRK 702 X markeneigene Bremsen verbaut. Vorne findet man Doppelscheibenbremsen und hinten eine Einzelscheibenbremse. Das Bremsverhalten fühlt sich richtig an, obschon bei dem Leergewicht von rund 235 Kilogramm schon mal ordentlich in die Eisen getreten werden muss, bis das Bike zum Stillstand kommt.

Herzstück der Benelli TRK 702X - 698 Kubik Parallel-Twin mit 75PS
Herzstück der Benelli TRK 702X - 698 Kubik Parallel-Twin mit 75PS

Benelli TRK 702 X - Komfort und Ausstattung

Komfort wird bei der Benelli TRK 702 X grossgeschrieben. Der Sitz ist bequem und sorgt auch auf langen Strecken für eine gemütliche Fahrt. Die Sitzhöhe von 830 mm bietet eine gute Übersicht und ermöglicht eine entspannte Sitzposition für den Oberkörper.

Das Cockpit ist modern und übersichtlich gestaltet. Ein grosses TFT-Display liefert alle wichtigen Informationen auf einen Blick, darunter Geschwindigkeit, Drehzahl, Tankanzeige und mehr. Die Menüführung ist intuitiv und einfach zu bedienen. Das Display kann aber auch schnell zu Verwirrung sorgen. Es hat eine integrierte Connectivity-Funktion, welche es erlaubt, das Mobilgerät sowie das Headset mit dem Motorrad zu koppeln. Dadurch wäre eine Spiegelung von Kartenmaterial auf das Display möglich. Soweit so gut. Um die Kartenfunktion auf dem Display zu aktivieren, muss man jedoch eine App herunterladen, welche einen europafremden Eindruck macht und durch chinesische Schriftzüge geprägt ist. Die Karte kann man sich nach Anmeldung zwar anzeigen lassen, um Navigationsziele eingeben zu können, ist jedoch eine Abogebühr von rund 30 Euro jährlich nötig. Durch diese umständliche Weise lohnt sich das konventionelle Navigieren mit Calimoto per Handy direkt oder mit klassischen Navigationsgeräten.

Die Ausstattung der Benelli ist auf der einen Seite zukunftsorientiert, was man an der erfreulichen Wahl von USB-C als Stromanschluss erkennt. Zudem sind optional nicht nur beheizte Griffe erhältlich, sondern auch ein beheizter Sitz, um ganzjährig maximalen Komfort zu erreichen. Lichttechnisch setzt die TRK 702 X auf LED-Scheinwerfer für Tageslicht sowie für Abblendlicht.

Leider ist auf dem Bike weder standardmässig noch nachrüstbar ein Tempomat vorhanden. Gerade für Weltenbummler oder Autobahnnutzer ist dies ein frustrierender Punkt. Quickshifter ist der Benelli ab Werk ebenso fremd. Hier bieten Drittanbieter Hilfe - jedoch wäre in Zukunft besonders für ein Tourenmotorrad in diesem Stil die Option eines Quickshifters definitiv gern gesehen.

Das Kofferset der Benelli TRK 702 X verstaut im Topcase jeglichen Helm ohne Probleme und bietet viel Platz für Alltagseinkäufe oder längere Reisen.

Gut gemeint, fraghafte Umsetzung - Die Connectivtiy der TRK 702X erfordert eine App mit jährlichen Gebühren
Gut gemeint, fraghafte Umsetzung - Die Connectivtiy der TRK 702X erfordert eine App mit jährlichen Gebühren

Ein Wochenende mit der Benelli TRK 702 X in der Schweiz - Erfahrungsbericht

Als ich mich in Avenches für das erste Aufsetzen vorbereitete, fielen mir direkt die schönen Linien und das gut umgesetzte Design auf. Die Benelli wirkt im Allgemeinen sehr erwachsen und hochwertig. Während man sich in den Sattel der TRK 702 X schwingt, realisiert man erst, wie viel Motorrad eigentlich hier zu bewegen ist. Die Masse kann auf den ersten Blick einschüchternd wirken. Dass man viel mehr im Motorrad drin sitzt als oben drauf, verstärkt diesen Effekt. Sobald man dann ins Rollen kommt, verschwindet diese Befürchtung auf magische Weise. Die TRK 702 X schiebt sehr behutsam und kontrolliert an. Die gute Balance und fein abgestimmte Kupplung laden zu viel Vertrauen ein. Direkt nach den ersten paar Metern war mir klar, dass dieses Bike deshalb auch super für Fahranfänger geeignet ist. Die Power entwickelt sich bereits im unteren Drehzahlbereich gut, weshalb eine Drosselung auf 35 kW (was von Benelli ab Werk angeboten wird) keine Probleme verursachen würde.

Losgefahren und die ersten paar Kilometer abgespult, bemerkte ich jedoch, dass meine Knie bereits stärker belastet waren als es bei Reiseenduros sonst der Fall ist. Dies ist auf den sehr steilen Bein-Neigungswinkel zurückzuführen. Grund dafür ist das geometrische Zusammenspiel von Sitzhöhe, Fussrasten-Platzierung und Tankverlauf. Bei meiner Grösse von 1.80 Meter empfand ich die Sitzposition für die Beine eher eingeschränkt. Der Oberkörper fühlte sich dafür gerade überdurchschnittlich gut an. Mit dem 19-Zoll-Vorderrad - verglichen mit dem 17-Zoll der standard TRK 702 - sitzt man noch aufrechter. Der Lenker ist sehr aufrecht durchgebogen und ermöglicht eine ergonomisch natürliche Sitzposition. Erstaunlicherweise schützt das eher klein aussehende Windschild sehr gut vor Turbulenzen auf der Autobahn. Auf der 1.5-stündigen Autobahnfahrt war also mein Fazit klar: Beine müssen leiden, der Komfort am Oberkörper macht die Strapazen aber wett.

Das Wochenende über wurde mir die Benelli TRK 702 X immer sympathischer. Einfach mal Motorrad geniessen, ohne endloses Herumdrücken im Menü und Einstellen der Fahrmodi, welche auch nicht existieren. Die TRK 702 X fährt sich spurtreu und enorm kontrolliert. Die Kurven beisst sie für eine Reiseenduro in dieser Preisklasse sehr motiviert und feedbackreich. Durch die Speichenräder und leichte Offroad-Bereifung lag am Wochenende auch mal die eine oder andere ungefährliche Schotterstrecke an. Die Sicherheit, auf einem Reiseabenteuer auch bei auslaufendem Asphalt noch weiterzukommen, gibt dieses Bike dadurch allemal.

Beeindruckend war zudem die Reichweite der TRK 702 X. Mit einem Verbrauch zwischen 4.5 und 5 Litern und dem 20-Liter-Tank kommt man gute 400 Kilometer weit, bevor man den italienischen Schönling wieder auftanken muss.

Das Wochenende ausgenutzt - Die Benelli TRK 702X verspricht viel Spass auf der Strasse und kann auch im Gelände bewegt werden
Das Wochenende ausgenutzt - Die Benelli TRK 702X verspricht viel Spass auf der Strasse und kann auch im Gelände bewegt werden

TRK 702 X vs TRK 702 - Bemerkbarer Unterschied?

Die beiden Modelle aufgrund der Zahlen zu vergleichen, ist enorm schwierig, da vom Hersteller Benelli keine klaren Daten vorhanden sind und die Informationen von Land zu Land unterschiedlich sind. Persönlich habe ich die TRK 702 X klar als Favorit empfunden, mit vielen spürbaren Unterschieden, besonders im Fahrwerk. Während die TRK 702 wenig Feedback in den Kurven zulässt und auch bei kleineren Unebenheiten in der Strasse den Körper durchschütteln lässt, ist die Angelegenheit bei der TRK 702 X viel entspannter, geschmeidiger und eleganter. Durch das 19-Zoll-Vorderrad mit Speichen fühlt sich das Bike den Herausforderungen in jeglicher Situation viel mehr gewachsen an.

Bei einem Aufpreis von CHF 200 verglichen zum Standardmodell verspricht die 702 X mehr Qualität und Spass. Lediglich für Biker mit kleiner Grösse ist die Standard TRK 702 zu empfehlen, da bei dieser die Sitzhöhe 790 mm beträgt.

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Fazit: Benelli TRK 702 X 2024

Die Benelli TRK 702X ist eine spannende Alternative für alle, die Interesse am Einstieg ins Adventurebike Segment haben. Für einen attraktiven Preis kriegt man bei der TRK 702X viel Motorrad mit Technik die hält. Besonders in Italien hat die TRK Serie bereits viel Herzen für sich gewonnen.


  • Viel Motorrad für attraktiven Preis
  • bequeme Sitzposition für Oberkörper
  • Guter Windschutz
  • Alltagstauglich
  • Gute Reichweite
  • Schönes Design
  • 35kW drosselbar
  • Kein Quickshifter
  • Kein Tempomat
  • Connectivity befremdlich
  • Sehr steiler Kniewinkel
  • Keine klaren Fahrwerk-Abmessungen vom Hersteller zu finden

Bericht vom 08.07.2024 | 15'181 Aufrufe

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