Bridgestone BT-014

Auf der kniffligen Rennstrecke in Almeria / Spanien musste der neue BT-014 von Bridgestone beweisen, dass er mit der brutalen Power der neuen 1000er auch zurecht kommt. Der Reifen funktionierte tadellos, sowohl auf der Strecke als auch im Kiesbett...
Die Motorradsaison 2004 brachte ja vor allem im Bereich der bärenstarken Supersportler einiges Neues. Wenn schon wir Möchtegern-Gasgriffhenker mit der Leistung von 170 PS überfordert sind, sollen zumindest die Reifen die ultimative Leistung ertragen können. Deswegen bringt Bridgestone heuer einen Nachfolger für den BT010 und den BT012 - den neuen BT014.
   
Der Reifen ist für alle Supersport Fahrer gedacht welche hauptsächlich auf der Strasse fahren und dann und wann auch am Ring ein paar Runden drehen wollen. Der Reifen wurde besonders für Eisen mit reichlich PS ausgelegt. Der BT010 ist heuer noch im Handel erhältlich und wird zu einem günstigeren Preis angeboten. Der 14er wurde in allen entscheidenden Punkten verbessert und wird sicher viele Freunde unter den Supersportlern finden.
   
Harry Brückensteiner, seines Zeichens Bridgestone-Motorrad Sales Manager, war wieder einmal überaus ehrgeizig und kündigt schon seit Wochen eine fürchterliche Niederlage für mich an. An alle Besucher welche die letzte Folge von "Der Brückensteiner im Kiesbett" versäumt haben bitte HIER nachlesen. Aufgrund der gebrochenen Rippe von damals wird auch heute noch fest gewinselt. Tatort damals: Das BT 020 Big Enduro Race am P-Ring.
   
Ein Rennen hat der Brückensteiner auf alle Fälle schon gewonnen. Und zwar das gegen die Zivilstreife auf dem Weg vom Flughafen Malaga nach Almeria. Der Ford Transit wurde gnadenlos ausgewunden. Doch 160 auf der spanischen Autobahn sind eindeutig zu viel. Der iberische Innenminister bedankt sich für die 100 Euro. Das Vorgehen der Spanier war gleichsam grausam wie professionell. Eine unscheinbare Zivilstreife verfolgt mit geladener Videocam und ein mürrischer Blaulicht Mondeo vollstreckt und kassiert. Chancenlos!
   

Wesentlich schöner der Empfang dann an der Rennstrecke in Almeria. Da stehen sie. Alle feinen Eisen der Saison. Frisch bereift mit dem neuen BT014. R1, R6, GSX-R 600,750,1000, Kawa ZX-10 R, CBR 600, 1000 RR und Duc 749 sowie 999 stehen bereit. Die mutigen Kollegen greifen natürlich sofort zu einer 1000er und brüllen vor Freude in den Helm. Ich sattle erst mal die 749er Ducati und lerne die Strecke ein wenig kennen.

   
Die Strecke von Almeria muss man sich wie einen 3-Dimensionalen Pannoniaring vorstellen. Das Streckenlayout ist ähnlich, aber es geht bergab und bergauf und 2 blinde Kurven hat man auch dabei. Ausserdem noch eine knifflige Linkskurve die ganz schön eng wird und eine harte enge Schikane nach einer langen und blinden Linkskurve. Was mir hier sofort positiv auffällt. Der BT-014 braucht sehr wenig Aufwärmzeit. Das ist sowohl auf der Strasse als auch am Ring eine feine Sache. Vor allem dann, wenn man wie ich auf exklusive Reifenwärmer verzichtet und ständig Angst vor Schotterauschlag hat.
   
Gerade wenn ich auf einer neuen Rennstrecke unterwegs ist, brauche ich besonders grosses Vertrauen in die Reifen. Nicht dass die Reifen mit meinen fahrerischen Leistungen überfordert sind, aber beim Ringfahren spielt sich einfach alles im Kopf ab. Hat man in der Rübe eine Schräglagenblockade sitzen, nützen einem die besten Pneus nix. In so einer Situation ist es dann gut zu wissen, dass man das optimale Reifenmaterial am Rad montiert hat und bedenkenlos einschenken kann. MotoGP bringt uns nicht nur feine Rennen ins Wohnzimmer sondern auch Reifenmaterial auf die Felgen dass wir uns vor Jahren nicht einmal erträumt haben. Bridgestone nutzt seinen Einstieg in die Königsklasse des Motorradsports intensiv für technologische Weiterentwicklung. Die Nutzniesser sind nicht nur Tamada und Co. welche immer bessere Ergebnisse einfahren sondern wir Nudelaugenbiker die nun Grip im Übermass zur Verfügung haben.

Eine wesentliche Neuerung beim BT014 ist die Narrow Ply Konstruktion am Vorderreifen. Reifenkonstruktion ist scheinbar immer ein einziger Kompromiss. Entweder viel Grip, gutes Einlenkverhalten und gute Eigendämpfung dann nehmen die Ingenieure die Variante ganz links. Predigt der Entwicklungsleiter jedoch "Wir brauchen mehr Stabilität bei unseren Reifen" dann werden die Ingenieure einen Reifenaufbau wie beim Bild in der Mitte nehmen. Das realistische Szenario sieht jedoch folgendermassen aus: Der Marketingleiter verlangt einen Reifen mit mächtigen Grip, hoher Steifigkeit und guter Eigendämpfung und das Einlenkverhalten soll auch noch perfekt sein. Zuerst verfluchten die japanischen Ingenieure ihren Marketingleiter vermutlich und wünschten ihm SARS, Vogelgrippe und öffentliche Demütigung am Firmenpranger, nach einigen harten Nächte am Reisbrett entwickelten sie die Lösung ganz rechts im Bild. Unterhalb der Kevlar Lagen in der Lauffläche ist ein schmaler Gürtel welcher eben nicht bis ganz an den Rand oder wie in der Darstellung in der Mitte bis hin zum Wulst verläuft. Einfache Lösung - Grosse Wirkung. Die Stabilität des Vorderrades wurde somit im Vergleich zur Konstruktion ganz links erhöht, Einbussen bei der Eigendämpfung müssen jedoch nicht hingenommen werden. Diese Konstruktion minimiert auch den Kick-Back Effekt beim Rausbeschleunigen aus der Kurve.
   
Sehr gut auch die Kiesbetteigenschaften des neuen BT014. Bei der blinden Bergauf-Links hin zur deftigen Schikane habe ich mir schon einen guten Bremspunkt gemerkt bei dem ich gerade noch die Kurve kratzen kann. Wenn es etwas gibt dass ich besonders gut kann, dann ist es kompromisslos spät bremsen. Den Bremspunkt hab ich mir mit der knapp 100PS starken 749er Duc eingebläut und bewiesen wie ausgereift meiner Racer-Skills schon sind. Denn mit der 70PS stärkeren Yamaha R1 hatte ich 2 Runden später klarerweise ein paar km/h mehr am Tacho und der Bremspunkt war dann nicht mehr ganz so perfekt gewählt. Unglaublich klug!
   
In solchen Momenten gilt es immer einen kühlen Kopf zu bewahren. Ich spürte war grosses Verlangen einfach vom Motorrad zu springen um eine sanfte Landung im Kiesbett sicherzustellen, doch die Furcht vor den Bridgestone-Aufpassern war einfach zu gross. Also hab ich bis kurz vors Kiesbett den Anker ausgeworfen und hab dann die Pfoten ausgestreckt. Der neue Battlax fühlt sich auch im Kiesbett ganz wohl. Es war überhaupt kein Problem das Eisen vor gröberen Schäden zu bewahren. Die japanischen Aufpasser haben zwar vor lauter Angst ins Funkgerät gebissen aber nach meinem erfolgreichen Manöver erleichtert und hektisch gewunken.
   
Das Hinterrad kommt bei den unbarmherzigen 1000ern am schlimmsten dran. Besonders beim Rausbeschleunigen aus der Kurve schaden Stabilität und Grip auf alle Fälle nicht. Der neue Bridgestone Pneu verfügt über einen Mono Spiral Stahlgürtel der gegenüber einem herkömmlichen Multi-Cross Gürtel wesentlich leichter ist. Diese Bauweise minimiert auch Hitzeentwicklung (= höhere Laufleistung) innerhalb des Reifens und gewährleistet eine hohe Eigendämpfung.

Der Stahlcord wiederum besteht aus 5 einzelnen Stahlfäden die in einem Gummimantel eingeschlossen sind. Diese Konstruktion verhindert die Oxidation des Stahlcords und macht den Stahlgürtel wesentlich flexibler.

   

Die Hinterradkonstruktion stellt die Ingenieure scheinbar vor einen noch grössere Aufgabe als der Vorderreifen. Zusätzlich zu Grip, Stabilität und gutem Dämpfungsverhalten wünschen sich die Kunden auch noch eine hohe Kilometerleistung des Reifens. Die Finite Elemente Computer glühten bei der Entwicklung des neuen Pneus und das Ergebnis erscheint dem Laien als japanisches Flickwerk. In der Praxis erweist es sich jedoch als sehr effektiv. Man beachte den schmalen Gummistreifen an der Reifenflanke. Die Grätsche zwischen Stabilität (nötig um beim Rausbeschleunigen den Reifen nicht zu stark zu deformieren) und Flexibilität (nötig damit der Reifen genug Auflagefläche in starker Schräglage hat wurde damit perfekt gemeistert.

   
Die Runden im Almeria machten einfach nur Spass. Es kratzt zwar schwer am Selbstvertrauen beruhigt aber doch ungemein dass ich vor den Reifen an meine Grenzen komme. Der "Strassenreifen" macht auf der Rennstrecke eine tolle Figur. Auch nach einigen Turns zu jeweils 20 Minuten waren die Reifen in einem TOP-Zustand. Erschwerend kam hinzu dass auch ordentliche Gasgriffkenner wie zum Beispiel Neill McKenzie die PS-Monster ausgewunden haben. Für Hobbyracer die mit ihrem Motorrad auf der Strasse und auch am Ring Spass haben möchten, ist der BT014 auf alle Fälle eine ausgezeichnete Wahl.
   
Wesentlich vorsichtiger als Neill McKenzie und natürlich auch vorsichtiger als ich ging der Brückensteiner Harry ans Werk. Er berichtete von grossen Schmerzen an der gebrochenen Rippe in der Bremszone. Ich vermute viel eher breite Angstreifen im Schritt des Lederkombis vor einem neuerlichen Abgang.
   
Ein neuer Gegner war jedoch schnell gefunden. Aus Gründen der Fairness möchte ich hier keine Namen nennen, aber der Hr. Kollege mit der Fanta Flasche hat das entscheidende Duell im letzten Turn ganz deutlich (laut meiner Empfindung) sauknapp (laut seiner Empfindung) verloren. Bei gleichen Waffen (CBR 1000 RR) hatte ich einfach weniger Angst vor dem Kiesbett und bremste einfach immer ein paar Meter später als er. Nachdem ich mich zuvor versichert habe, dass auch ein kurzer Ritt ins Kiesbett weder Reifen noch Maschine gröbere Probleme bereiten kannte ich hier keine Furcht.
   
Die Gummigurus aus Japan versprachen auch tollen Grip bei Nässe und bei niedrigen Temperaturen. In Almeria konnten wir bei mehr als 20 Grädern getrost auf dieses Feature verzichten, aber so wie die Saison in Österreich bisher gelaufen ist schadet guter Grip bei Nässe und Kälte auf keinem Fall.
   
Reifenprofile habe ich bisher immer als Muster bezeichnet. Ich war mir sicher die Muster am schwarzen Gold müssen auf alle Fälle einmal leiwand ausschaun und der Rest ist sicher technisches Papperlapapp. Die Bridgestone Entwickler versicherten mir aber dass dem nicht so sei. Das Profil hat einen wesentlichen Einfluss auf die Verformung der Lauffläche. Optimales Profil = optimale Verformung = optimale Auflagefläche des Reifens am Asphalt. Vor allem in starker Schräglage und beim harten Bremsen enorm wichtig. Gut zu wissen dass die Forschungsgelder bei den Reifenherstellern mit vollen Händen ausgegeben werden. Der Reifenkrieg in der MotoGP wird uns vermutlich auch in den nächsten Jahren mit feiner schwarzer Ware versorgen. Vielen Dank!
   
Interessierte Kunden finden den empfehlenswerten Reifen in allen gängigen Dimensionen ab sofort im Reifenfachhandel. Der Brückensteiner Harry hat bereits ein Eisen gefunden auf dem er evtl. Chancen hat im direkten Duell gegen NastyNils zu bestehen. Das er den Schlüssel zu diesem Eisen bekommt ist aber genauso wahrscheinlich wie Kawa-Cup Punkte für mich. Ich sehe dem nächsten Aufeinandertreffen somit sehr positiv gegenüber.

Bericht vom 26.04.2004 | 37'603 Aufrufe

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