Buell Stuntriding

kot fährt 600 km ins Buell Stuntriding Trainingslager und sieht eine harte und ehrliche Welt.

Buell Stunt Riding Training

Buell Riding im Allgäu

Der hat's ja leicht. Ein Knopf für Wheelies, einer für Stoppies und einer für Burnouts. Oder?

 

We are passionate. We are Mavericks. We are bold. We are riders. We are Buell. Mit diesen stahlharten Worten schwört uns die Marketing Lady auf die bevorstehende Buell Präsentation und das Buell Stunt Riding Training ein. Ich bin ganz bei ihr. Heute wird nicht mehr gefahren, also öffne ich ein Malzgetränk und schiebe mir ein Tabakröllchen langsam in den Mundwinkel. Go on, baby. Wir sitzen auf Wirtshausbänken und –tischen in der Gerätehalle eines Bauernhofes. Doch die Werkzeuge dieses Bauern dienen nicht zum Bestellen irgendwelcher Gemüse- oder Getreidefelder. Auch finden sich keine Hinweise darauf, dass Hofherr Rainer Schwarz hier Kühe oder Schweine halten würde. Das Einzige, was ihn interessiert, sind Pferde. Möglichst viele und möglichst wilde. Sogar seine Traktoren sind getunt, von 170 auf 250 PS. Er braucht das einfach, sagt er. We are passionate.

Sogar seine Traktoren sind getunt.


Rechts an der Wand stehen drei Harleys, daneben in gleicher Anzahl für das Stuntfahren präparierte Buells. In den Regalen lehnen mehr oder weniger übel zugerichtete Reifen, neben dem Haus ruhen jene in der prallen Sonne, denen wirklich nicht mehr zu helfen ist, die Haut bis zur Karkasse abgezogen. Lange, dicke Striche auf der breiten Asphaltfläche hinter dem Hof sind stille Zeugen allabendlicher Hinrichtungen. 700 Mal hat er heuer schon Reifen gewechselt. Vom M5 redet er nur, zeigt ihn uns aber nicht. Ein ruhiger Typ ist dieser Rainer Schwarz, wie so viele Bauern, doch nicht viele führen ein so schnelles Leben wie er. Sein Geld verdient der Stuntfahrer mit der Erzeugung von Biogas. Er macht aus Kot Gas und aus Gas Kohle. Die meiste Zeit aber beschäftigt er sich mit der Aufarbeitung von Gummi durch die künstliche Erzeugung von Reibungsenergie. Wenn Chris Pfeiffer die Prima Ballerina des Stuntridings ist, dann ist Rainer die Wildsau. We are Mavericks.
 

Weit über 1000 PS in der Garage.


Rainer ist die Wildsau des Stuntridings.


Man liess die Wildsau aber nicht sofort auf uns los. Dem Stunt-Training wurde eine Ausfahrt vorangestellt, auf der wir uns schön langsam an die aktuellen Buell Modelle eingewöhnen konnten. Ein Vormittag sollte dafür reichen, schliesslich umfasst die "Street"-Palette gerademal 5 Modelle. In der Kategorie "Sport" führt Buell einzig die 2008 vorgestellte 1125R mit dem wassergekühlten ROTAX Motor und das Team "Adventure" besteht aus den Brüdern Ulysses XB12X und XB12XT. Wir durften uns mit den luftgekühlten Strassenkämpfern Lightning XB9SX, XB12SX, XB12Ss (längerer Radstand, hoher Sitz) und XB12Scg (tiefergelegt) austoben. Wenn man diese ungehobelten Gesellen im Stand anmacht, geht nicht einfach nur ihr Motor zu laufen, sie beginnen zu beben, zu poltern und zu schlagen. We are bold.

Nein mein Liebes, das ist kein Fahrschulmotorrad, nicht gebaut, um von jedermann und jederfrau bewegt werden zu können. Mir war es immer schon sympathisch, wenn Leute etwas nicht für einen möglichst grossen Kundenkreis produziert haben, sondern nur für sich selbst. Denn dann ist der Kunde nicht bloss Käufer, er ist ein Gleichgesinnter. So entsteht eine echte Fangemeinde, eine Glaubensgemeinschaft, mit einer starken Verbindung der Mitglieder untereinander. Auf einer Buell fühlst du dich sofort diesem kleinen Kreis angehörig. Du fährst dieses Motorrad, weil du es fahren kannst. We are riders.

Rainer Schwarz trieb die Herde zunächst ein paar Stunden im Galopp durch das Allgäu. Irgendwie scheinen hier einige Einwohner leicht vom Geschwindigkeitsvirus infiziert zu sein, denn nur 30 Kilometer von Rainers Hof entfernt, in Pfaffenhausen, ist die Firma Ruf Automobile zu Hause. Bei Ruf werden Porsches komplett zerlegt und zu einem schnelleren Ganzen wieder zusammengesetzt. Der neueste Wahnsinn heisst CTR3 und leistet 700 PS. Für eine Führung durch die Firma war leider keine Zeit.

1

Rainer spielt zu seiner Gaudi,
gerne mal den Taxi-Rowdy.
Leider ist das Buell-Heck
nicht grösser als ein Leberfleck.

2

Schon schwebt er höher wie ein Specht,
da wird dem Burgenländer schlecht.
Beim Stoppie braucht man Gleichgewicht,
der Sozius im Klapphelm bricht.


Das ist kein Fahrschulmotorrad, Liebes.


3

Jetzt sitzt kot im Schleudersitz,
war das also doch kein Witz.
"Auf mein Wort, folgt deine Tat."
Der Rainer spricht's, das Ende naht.

4

Der Selbstversuch gibt kot den Rest,
so stellt er ohne Zweifel fest:
"Leichter fällt das Wheelisier'n,
wenn dem Fahrer fehlt das Hirn."

 
Das Highlight des Tages war nämlich nicht das Fahren auf vier, sondern auf einem Rad. Um nicht (schon wieder) mit der StvO in Konflikt zu geraten, hatten sich die Bueller in einem aufgelassenen Fliegerhorst am Allgäu Airport eingenistet. Die Szenerie passte zu Buell wie ein rostiger Nagel in einen "Saw"-Film. Unverwüstliche X-large Bauten aus Stahl und Beton, made to last forever. Riesige Hanger sehen aus wie in den Boden versunkene Walhaie und reissen ihre dunklen Mäuler auf. In einem der Bäuche werden wir jetzt mal speisen, es riecht nach altem Öl und Kerosin. Nachdem Rainer mit dem schwarzen Kautschukband unter viel Geschrei sein Zeichen in den Boden gemalt hat, kommt er ebenfalls zu Tisch. Jetzt riecht es auch noch nach Gummi. Ab und zu beben zweimal 650 PS in Form eines Flugzeug-Schleppers an uns vorbei. Wir gehen von einer Demonstration zu Verkaufszwecken aus, weil der Fahrer mit dem Stahlquader gar so angibt. Buell sagt 'Stopp, das ist jetzt unser Platz" und der Stahlquader ruht.

Wir konnten ihn nur mit der Kupplung hochkriegen.


Mit der Bezeichnung Stunt-Training hatte man die Erwartungen und vor allem Befürchtungen sicher etwas zu hoch angesetzt. Es handelte sich, wie ich mir denken hätte können, um ein Wheelie- und Stoppie-Training. Beides kann ich gerade so gut, dass ich nicht sagen musste, ich kann es nicht. Doch waren mir bisher jedes Mal die Motorräder dabei behilflich, vor allem mattighofener Fabrikate lassen sich nicht lange bitten, wenn es ums Männchenmachen geht. Die Buell gab sich da schon sturer, was angesichts des ultrakurzen Radstandes von 1320 mm und des Drehmoments von 105 Nm für alle etwas verwunderlich war, der Motor spricht einfach nicht spontan genug an. Der Gaswheelie mit Nachhilfe (im ersten Gang auf 4000 Touren anfahren, beim Gaswegnehmen gleichzeitig vorne einfedern und blitzschnell wieder das Gas aufreissen, dabei kräftig am Lenker nach oben ziehen) gelang nur dem Meister selbst bei jedem Versuch. Die Kupplung vereinfachte die Prozedur des Hochkriegens und machte das Hochbleiben zum aktuellen Thema. Bei hochmotivierten Sessions wurden wir laufend mit Tipps von Rainer gefüttert.
 

Autogramme auf Anfrage.


Der Wheelie funktionierte ganz gut, auch wenn der Vorführeffekt unter dem kritischen Blick des Lehrmeisters es nicht erlaubte, sein volles Potenzial auszuschöpfen. Interessanter wurde es beim Stoppie. Während das Heben des Hinterrades beinahe sowas wie eine natürlich Bewegung darstellt und "schon mal passieren kann, nen", ist ein Stoppie etwas, das man lieber vermeiden möchte und sollte. Bei Schüler Nummer 1, nämlich mir, ging noch alles gut. Bei Schüler Nummer 2 nicht mehr. Er unterschätze oder ignorierte die entscheidende Phase zum Aufbauen von Bremsdruck, zog einfach entschieden am Hebel und flog just in dem Augenblick, wo alle dachten, womöglich den nächsten Rainer Schwarz vor uns zu haben, ebenso entschieden auf die Papp'n. Kurze Stille, dann näherten wir uns der Emulsion aus Mensch und Maschine. Wie gewöhnlich stellte der Gefallene in autoprotektiver Weise fest, dass ihm eh nichts passiert sei. Sein Knie war anderer Meinung und offenbarte Abschürfungen und Schwellungen. Er ging von dannen und ich habe ihn seither nicht mehr gesehen. Gute Besserung. Wir sehen uns beim nächsten Mal. Das Training übrigens ging danach normal weiter, was habt ihr denn geglaubt? We are Buell!

 

Interessante Links:

Text: kot
Foto: Frank Ratering

Bericht vom 31.07.2009 | 17'978 Aufrufe

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