Novemberkåsan 2015

Novemberkåsan 2015

Traditionsrennen in Schweden

Ende November fuhr Michael Eigl aus Hollabrunn zum 100. Jubiläum vom Novemberkåsan in Schweden. Hier seine Story.

Noch aus den Zeiten des, längst eingestampften, aber immer noch in legendärer Erinnerung gebliebenen, „Offroad-Motorrad-Magazin“ im mittlerweile ebenso verblichenen deutschen Privatsender DSF, ist der traditionelle Novemberkåsan auch in unseren Breiten bekannt und berüchtigt. Hier wurde schon Hardenduro gefahren, bevor es den Begriff überhaupt gab. Aber über solche Details machen sich die, von Natur aus entspannten Schweden keinen Kopf, der Kåsan gehört keiner „Extrem-Enduro“ Serie an, auch die Marketingmaschinerie eines Energiebrause Herstellers vermisst man dort gänzlich. In diesem Jahr wurde das Rennen vom BMK Uddevalla und vom SMK Trollhättan ausgerichtet (Anm.: der Novemberkåsan wechselt jährlich den Veranstaltungsort innerhalb Schwedens)

Der Kåsan feierte dieses Jahr sein hundertstes Jubiläum, da lies sich auch der Wettergott nicht lumpen und schuf mit wochenlangem Dauerregen, im Vorfeld der Veranstaltung, die besten Voraussetzungen für ein kerniges Rennen.

Gefahren wird zu Tage und zu Nacht

Von neumodischen Kleinraumenduros halten die Wikinger recht wenig, gefahren wird nach dem klassischen Enduro Reglement, mit Zeitkarten, Soll- und Strafzeiten. Die Runde bestand aus rund 59 Sonderprüfungskilometern, aufgeteilt auf 5 Special Stages und noch einmal etwa 60km Verbindungsetappen. Damit der Spass nicht zu kurz kommt, war die Runde einmal tagsüber und zweimal nachts zu bewältigen. Die ohnehin schon recht happige Routenführung wurde durch die extrem tiefen Streckenbedingungen noch weiter erschwert und hätte sich mit einem Schlauchboot genauso, wenn nicht sogar bequemer bewältigen lassen.

22km Sonderprüfung

Die zahllosen Schlammlöcher waren bodenlos, jede falsche Deutung der Linie wurde mit einem sofortigen Vollbad im eisigen Schlammwasser bestraft. Speziell die erste – und mit knapp 22km längste - Sonderprüfung bestand aus einer kräfteraubenden Aneinanderreihung der gefürchteten „Mudholes“, dazwischen garniert mit rutschigen Wurzeln und noch rutschigeren Felsplatten. Die übrigen Specials waren ebenfalls nicht fad, aber vergleichsweise fast schon fahrbar.

Das ganz besondere Flair dieser Traditionsveranstaltung macht die volksfestartige Stimmung bei den Nachtetappen aus. Kolportierte 30.000 Zuseher säumten die Strecke in den schwedischen Wäldern, entzündeten wärmende Lagerfeuer und feierten jeden vorbeikommenden Teilnehmer lautstark bis in die Morgenstunden. Die, ohnehin schon nahezu unfahrbaren Streckenbedingungen verschärften sich während der Nachtstunden noch weiter, so benötigten einige Teilnehmer allein für den ersten Teilabschnitt mehr als 3 Stunden.

26 von 170 im Ziel

Deshalb und auch aufgrund der sportlich gesetzten Zeitlimits, schafften es von den knapp 170 gestarteten, schlussendlich nur 26 Fahrer in die Wertung.

Von all dem unbeeindruckt zeigte sich WM-Urgestein Joakkim Ljunggren (KTM). Ganz in seinem Element vergrösserte der baumlange Schwede den Abstand zu seinen Verfolgern zunehmend und überquerte um 2:45 Uhr mit unglaublichen 34 Minuten Vorsprung die Ziellinie. Ljunggren konnte damit den Kåsan zum rekordverdächtigen siebten Mal für sich entscheiden. Als zweiter klassierte sich Niklas Persson (KTM) und gegen 3:30 morgens komplettierte Husqvarna Teamfahrer Martin Sundin das Podium. Der letzte gewertete Teilnehmer sollte sich in der Folge erst um kurz vor 6 Uhr morgens ins Fahrerlager schleppen.

Über den Autor

Michael Eigl (40) wohnt in Hollabrunn und startet für den MSC Nursch (Bezirk Korneuburg) und das „georgmech Racing Team“ aus Langenrohr (Bez. Tulln).

In der abgelaufenen Saison konnte er eine den 6. Gesamtrang in der Enduro Klasse des Waldviertler Motocross Cup (W4-Cup)einfahren und startete bei einigen Läufen zum Österreichischen Enduro Cup (ÖEC).

Leider bedeutete eine Knieverletzung das frühe Aus für den Hobbyenduristen, der die knapp 1.800 km Anreise als einziger Österreicher auf sich genommen hatte. Aus deutschsprachiger Sicht war neben Eigl, noch die beiden Deutschen Bernd Buchholz und Robert Richter im, ansonsten ausschliesslich Schwedisch/Norwegischen Starterfeld.

Bericht vom 15.12.2015 | 3'893 Aufrufe

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