Ducati Multistrada 1200 S Test 2015

Ducati Multistrada 1200 S Test 2015

Die neue Multistrada 1200 S nun mit 160 PS!

Ist man erfolgreich, ist man nicht lange alleine - so ging es auch der Ducati Multistrada 1200, die in ihrer ersten Generation mit unfassbaren 150 PS präsentiert wurde. Die Schockstarre der Konkurrenz dauerte nach diesem Paukenschlag zwar einige Jahre an, nun ist die Multi aber nicht mehr alleine am Olymp, gleich zwei Konkurrentinnen (KTM 1290 Super Adventure und BMW S 1000 XR) sind nun ebenso 160 PS stark wie die neue Multistrada 1200 S. Allerdings gibt es mit der neuen Generation nun viel mehr Gründe, die Multi und nicht eine andere Enduro zu nehmen.

Grund 1: Der Motor. Allerdings nicht nur wegen seiner unglaublichen Spitzenleistung von 160 PS bei 9500 Umdrehungen - was ja am Papier lediglich rund 7 Prozent mehr als bei der Vorgängerin sind und hartgesottene Statistiker nicht wirklich hinter dem Ofen hervor holen wird. Auch nicht alleine wegen des enormen Drehmoments, das mit 136 Newtonmeter bei 7500 Touren für sich alleine gesehen ebenfalls sehr gewaltig ausfällt. Nein, es ist dieser ebenso brachiale wie sanfte Gesamtauftritt, der das Triebwerk so herrlich macht und dafür zeichnet ein neuaartges System verantwortlich.

Variable Ventilöffnungszeiten für mehr Kultur

DVT (Desmodromic Variable Timing) heisst das Zauberkürzel, das desmodromisch gesteuerte, variable Ventilöffnungszeiten vollbringt. In der Praxis hat das zur Folge, dass der Motor von weit unten mit ordentlich Schmalz andrücken kann, während oben heraus die Leistung im Vordergrund steht. Und da ist es nach wie vor eine herrliche Show, die auch die neue Multistrada 1200 S abliefert. Neu ist aber eben das geschmeidigere Ansprechen im unteren Bereich. Das können zwar andere Konkurrenten auch, denen fehlt es dann aber wieder ganz oben am rechten Punch.

Grund 2: Die Sitzposition. Ich möchte nicht sagen, dass man auf der „alten“ Multistrada 1200 schlecht gesessen wäre, die Multi-Jünger würden mich dafür wohl lynchen, allerdings kann niemand die ausgeprägte Nähe zum vorderen Windschild leugnen, die aus der sehr Vorderrad-orientierten Sitzposition resultierte. Auf der neuen Multi sitzt man nun definitiv bequemer. Ausserdem können nun auch viel kleinere Piloten die Multistrada erklimmen, die Sitzhöhe ist zwischen 825 und 845 Millimeter variierter und wer es braucht, kann sogar optional eine noch niedrigere Sitzhöhe von nur 800 Millimetern realisieren - das ist für eine grosse Reiseenduro vom Schlage der Multistrada 1200 S wirklich äusserst niedrig.

Grund 3: Elektronik-Features. Schon klar, dass es beim Motorradfahren vorrangig um ein tolles Fahrgefühl geht und auf einer Reiseenduro zusätzlich um Komfort - das kann die neue Multistrada 1200 S ja augenscheinlich. Danach kommen aber schon gewisse Features, die eine Maschine von anderen abhebt und auch das kann die neue Bologneserin sehr gut. Zumindest die neue Multistrada 1200 S ist vollgestopft mit Elektronik, die nicht nur beeindruckt sondern auch funktioniert. Gesteuert werden alle Gimmicks über zwei Wippen am linken Lenker, das jeweils gewählte Programm wird sehr anschaulich und übersichtlich auf einem grossen und wirklich gut ablesbaren TFT-Display angezeigt (die "herkömmliche" Multistrada 1200 hat lediglich ein monochromes Display, das sich seltsamerweise auch nicht ganz so intuitiv steuern lässt).

Elektronik-Features für alle Lebens- und Schräglagen

Wählt man nun zwischen den vier vorprogrammierten Motor-Charakteristika, ändert sich auf der Multistrada 1200 S automatisch auch gleich die Einstellung von DSS (Ducati Skyhook Suspension), DWC (Ducati Wheelie Control, achtfach verstellbar), DTC (Ducati Traktion Control, achtfach verstellbar)und dem innovativen Kurven-ABS von Bosch (auch in der normalen Multisuada 1200 mit dabei, dreifach verstellbar). Weiters ist eine DCC (Ducati Cruise Control) auf beiden Modellen mit an Bord und bei der S-Version auch noch ein dynamisches Kurvenlicht, das in die vorderen LED-Scheinwerfer integriert ist - so viel innovative Elektronik hatte und hat keine andere Reiseenduro.

100 PS nur im äussersten Notfall

Nur haben reicht aber klarerweise nicht aus, die Elekronik muss auch funktionieren - und das tut sie. Wählt man nun den ersten Modus „Sport“ aus, stellt sich der Motor auf scharfes Ansprechverhalten um, was aber dank DVT nicht unangenehm wird und daher zusammen mit dem „Touring“-Modus, bei dem ebenfalls die vollen 160 PS zur Verfügung stehen, der vermutlich meistverwendete Modus ist. Die beiden verbliebenen Modi drosseln die Leistung auf 100 PS, was man natürlich stark spürt. Und so wird jemand, der die Multi unter anderem wegen der bombastischen Leistung kauft, wohl nur selten den 100 PS-„Urban“-Modus wählen. Eine nasse Fahrbahn wäre meiner Meinung nach der einzige Grund, aber selbst da regelt ja die Traktionskontrolle verlässlich und sicher.

Bleibt noch der „Enduro“-Modus, der ebenfalls die Leistung auf 100 PS schmälert, was aber bei Geländefahrten durchaus sinnvoll ist. Da wären wir allerdings bei der einen Sache, die andere Enduris definitiv besser können: Im Gelände fühlt sich die Multistrada 1200 gewiss nicht so wohl wie die Konkurrentinnen von KTM und BMW. Das liegt aber weder am Motor, der ja eben einen eigenen Enduro-Modus besitzt, noch am Fahrwerk, das sich zumindest in der Multi 1200 S dank Skyhook-Federung auf den Untergrund einstellt. Auch die Bereifung, erstmals der neue Pirelli Skorpion Trail II verspricht eine gewisse Geländetauglichkeit. Nein, es ist die Sitzposition, die ja nun den Fahrer sehr in die Maschine integriert. Und vor allem die Stehposition, die den Lenker in eine nicht unbedingt vorteilhaft niedrige Position rückt.

Die aggerssive Erscheinung lässt keine Zweifel an der sportlichen Auslegung

Aber das sollte das Urteil nicht wirklich schlechter ausfallen lassen, ich schätze, es war allen bereits vom Design her klar, dass auch die neue Multistrada 1200 S eher die Position der Sportlerin auf befestigten Wegen erobern möchte. Und das tut sie schliesslich auch, denn der einzige Kritikpunkt betrifft das Windschild. Nicht etwa die Höhenverstellung, die funktioniert ganz einfach mit einer Hand - wegen der mittigen Anordnung der Verstellung, ganz egal mit welcher Hand und somit besser gelöst als bei vielen anderen Konkurrenten. Zu bemängeln wäre nur, dass die Scheibe relativ schmal ist und somit nicht den guten Windschutz schafft, den wiederum andere Konkurrentinnen hinbekommen. Allerdings passt es wegen seiner schlanken Linie wieder bestens zum dynamischen Charakter der Multistrada 1200, die sich ja, wie bereits erwähnt, als Sportler unter den Enduros empfiehlt.

Vaulis Pakete-Ranking:

Ducati bietet vier Pakete für die neue Multistrada 1200 und 1200 S an. Sehr praktisch, im Endeffekt aber auch sehr kostspielig ist, dass alle vier Pakete miteinander gekoppelt werden können - also kein Teil der Pakete einem anderen Teil im Weg steht.

Platz 1: Touring-Paket

Das Touring-Paket ist für eine Reiseenduro natürlich das sinnvollste, zwei geräumige, insgesamt 58 Liter fassende Seitenkoffer, ein praktischer Hauptständer und Heizgriffe sind schlaue und durchaus sinnvolle Features für den Start zu weiteren Etappen.

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Platz 2: Urban-Paket

Ist das Touring-Paket bereits an Bord und soll die Multistrada 1200 auch fit für die ganz weite Reise gemacht werden, sollte man das Urban-Paket dazu bestellen. Ducati vermittelt zwar vom Namen her, dass sich das Topase und der Tankrucksack klarerweise für urbane Zwecke eignen, da sie die Multi nicht unnötig breit machen. Allerdings wäre es meiner Meinung nach eine Schande, die fesche Italienerin nur mit einem Topase zu verunstalten. Wenn schon, dann bitte glaubwürdig zusammen mit den Seitenkoffern - Geschmäcker sind aber bekanntlich verschieden. Vermutlich auch darüber, dass der Tankrucksack ein Sichtfach für ein Smartphone besitzt und das Urban-Paket auch noch eine USB-Schnittstelle beinhaltet. Damit lassen sich Smartphones (auch über Bluetooth) koppeln und verschiedene Dinge abrufen: Navi, Musik hören, Telefonieren - alles kein Problem. Sogar nach der Fahrt kann man noch mit der Multistrada 1200 „weiterarbeiten“: Die gespeicherten Daten lassen sich am Computer auslesen oder auch über Social Media Plattformen mit den Freunden teilen - die werden sich sicher freuen…

Platz 3: Sport-Paket

Ein Paket, das auf einer Ducati natürlich angeboten werden muss, allerdings meiner Meinung nach nur bedingt sinnvoll ist. Der herkömmliche Auspuff ist nämlich keineswegs hässlich und vom Klang her auch nicht so schlecht, dass er unbedingt durch den noch hübscheren Termignoni-Endtopf ausgewechselt werden müsste. Auch die weiters im Paket enthaltenen Carbon- und Tuning-Teile tun zwar der Optik bei näherer Betrachtung sehr gut, unterscheiden sich allerdings auf einen flüchtigen Blick nicht so sehr von den serienmässigen Teilen.

Platz 4: Enduro-Paket

Das Paket, das ich persönlich am wenigsten auf die neue Multistrada 1200 bestellen würde. Natürlich nichts gegen die Zusammenarbeit mit Touratech, diese Teile sind definitiv über jeden Zweifel erhaben, allerdings sehe ich auf der Multi nicht unbedingt Bedarf für die geländeorientierte Seitenständer-Verbreiterung und die Offroad-Fussrasten. Lediglich den seitlichen Schutz, der die Multistrada keineswegs hässlicher macht, würde ich ordern - da bräuchte ich aber nicht das ganze Paket nehmen.

Ducati Multistrada 1200 vs. Multistrada 1200 S:

Fazit: Ducati Multistrada 1200 S

Die neue Ducati Multistrada 1200 S ist eine durchaus gelungene Neuauflage der extra-sportlich orientierten Reiseenduro. Die Schwächen der Vorgängerin wurden offensichtlich genau analysiert und ausgebessert: Der Motor werkt dank DVT-System nun auch im unteren Drehzahlbereich harmonisch und die Sitzposition wird nun auch komfortorientierten Fahrern gerechter. Die Elektronik wurde massiv aufgerüstet, so unfangreich ist keine andere Reiseenduro ausgestattet. Angefangen bei den vielfach abstimmbaren Modi, die Leistungsentfaltung und Fahrwerk betreffen, werkt auch die Bremse samt Kurven-ABS auf höchstem Niveau. Die "normale" Multisrtrada 1200 verzichtet zwar auf einige Elektronik-Gimmicks, wird dadurch aber auch günstiger und fährt sich insgesamt trotzdem nicht wirklich schlechter.

1
Vorteile
  • Gut fahrbarer, kräfiger Motor
  • sensibles, semiaktives Skyhook Fahrwerk
  • herrliche Brembo-Bremsanlage
  • Kurven-ABS
  • abstimmbare Leistungsmodi
  • LED-Kurvenlicht
  • Cruise Control serienmässig
  • optionale Ausstattungspakete kombinierbar
1
Nachteile
  • Windschild zu schmal
  • kein günstiges Vergnügen

Bericht vom 20.03.2015 | 53'920 Aufrufe

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