KTM 1290 Super Adventure S Dauertest Einstieg 2017

KTM 1290 Super Adventure S Dauertest Einstieg 2017

Die sportlichste Reiseenduro im harten Dauer-Testbetrieb

Ich habe es kaum noch für möglich gehalten und all jene, die mit mir mitgefiebert haben (danke im Übrigen!) haben wohl auch nicht mehr daran geglaubt, aber nun hat die KTM 1290 Super Adventure S den Weg in die 1000PS-Redaktion gefunden und landet endlich in meinen Händen! Der erste Bericht vom wunderschönen Leben mit der grossen Reiseenduro KTM 1290 Super Adventure S.

Vorfreude mag zwar die schönste Freude sein, dass ich die KTM 1290 Super Adventure S nun endlich ziwschen meine Beine nehmen kann, ist aber noch schöner! Vor allem, weil ich bei ihrer Präsentation im Februar dermassen begeistert war, dass für mich klar, war: Das muss mein Dauertester werden. Schon alleine der potente V2-Motor beeindruckt mit seiner Macht, zwei Töpfe mit je 650 Kubik - das sind fast zwei 690 Duke-Motoren in einem Triebwerk! Leistungsmässig schaut sogar noch mehr raus als bei den beiden 690er-Motoren, 160 PS stehen bei 8750 Touren an, unfassbare 140 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 6750 Umdrehungen. Das Triebwerk ist auch einer der wichtigsten Gründe, warum die 1290 Super Adventure S meiner Meinung nach keine Reiseenduro und kein Tourer ist, der auch sportlich gefahren werden kann, sondern ein echtes Sportmotorrad, das auch Touren fahren und sogar ins Gelände gescheucht werden kann.

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Elektronisches Fahrwerk und TFT-Display - herrliche Features an der KTM 1290 Super Adventure S

Sehr bequem kann dabei das semiaktive WP-Fahrwerk in vier verschiedenen Modi (Sport, Street, Comfort und Offroad) verstellt werden, um sich optimal auf die jeweiligen Untergründe einzustellen. Das Display, auf dem die Einstellungen abgelesen werden, ist dabei der absolute Hammer - einfach unglaublich, wie gut dieses riesige Ding aus jedem Winkel und bei jeglichen Lichtverhältnissen ablesbar ist. Sonneneinfall? Völlig egal. Dämmerung? Kein Problem. Zu grell bei der Einfahrt in den Tunnel? Fehlanzeige, denn das Display wechselt blitzartig in den schwarzen Modus mit weisser Schrift. Das passiert im Übrigen auch schon, wenn man nur unter einer Brücke durchfährt, also fast schon übereifrig. Aber auch das ist nicht schlimm, denn auch der dunkle Modus lässt sich im Hellen bestens ablesen. Grund für diese aussergewöhnlich gute Ablesbarkeit gibt KTM mit dem Einsatz von einem besonders dicken und direkt mit dem Dispay verklebten Glas sowie einer speziellen Beschichtung an, die Schmutz und Fingerabdrücke reduziert. Was auch immer es ist, es funktioniert phantastisch.

Grossvolumige Adventurebikes, die sich auch für das Grobe nicht zu schade sind, gibt es bekanntlich wie Sand am Meer. KTM selbst hat drei geländegängige und zwei sehr geländegängige Reiseenduros über 1000 Kubik im Angebot. Die 1290 Super Adventure S erfreut vor allem die Langstrecken-Fans, die auch auf das gewisse Mass an Sportlichkeit nicht verzichten wollen. Im 1000PS-Dauertest schlägt sie sich nach wie vor sehr gut: Sie fährt und fährt und fährt dabei richtig gut!

Der Schlüssel im Rucksack irritiert die KTM 1290 Super Adventure S

Ein grundsätzlich sehr praktisches Elektronik-Feature ist das Race-on-System, das nichts mit Rennen zu tun hat, sondern ein schlüsselloses Startsystem ist, das die Zündung und das Starten ohne Schlüssel ermöglicht. Will man aber so wie ich den Schlüssel gerne mal im Rucksack lassen, scheint die Entfernung zum Empfänger an der Maschine bereits überschritten und ich muss den Rucksack ganz nahe an die Front der KTM bringen, um die Zündung zu aktivieren. Während der Fahrt wird dann auch gelegentlich die Warnung am Display angezeigt, dass kein Schlüssel vorhanden wäre - eine nette Warnung, die mich beim ersten Mal richtig erschreckt hat: Mist, ich hab den Schlüssel irgendwo verloren! Mit der Zeit ignoriert man die Warnung aber, der Schlüssel ist ohnehin im Rucksack, nur eben zu weit vom Empfänger entfernt.

Kleine Schwächen machen die KTM 1290 Super Adventure S noch lange nicht schlecht

Wenn ich nun schon bei den wenigen Minus-Punkten bin, seien auch die etwas zu tief montierten Beifahrer-Fussrasten erwähnt. Ich stehe bei Belastung der Fussrasten mit den Ballen nämlich mit der Ferse an den Halterungen der Sozius-Fussrasten an. Nicht wirklich schlimm, aber etwas irritierend, wenn man plötzlich nicht den Platz hat, den man gerne hätte. Etwas störender empfinde ich da schon das schwergängige Windschild, das zwar sehr praktisch über zwei grosse Rändelräder in acht Stufen in der Höhe verstellt werden kann, das allerdings extem schwergängig. Das hat wohl Heinz Kinigadner höchstpersönlich mit seinen Pranken genehmigt, zartere Naturen haben es aber richtig schwer, das Windschild zu verstellen.

Schaltautomat und Traktionskontrolle der KTM 1290 Super Adventure S erhöhen den Spassfaktor

Das sind aber nur Kleinigkeiten, die von der tadellosen Funktionalität der 1290 SA S mehrfach egalisiert werden. Ein wahres Killerargument für die KTM 1290 Super Adventure S und ein weiterer Beweis für ihre unglaubliche Sportlichkeit ist der Schaltautomat mit Blipperfunktion, der ganz ähnlich wie auf einem Race-Bike blitzartige Gangwechsel erlaubt und bei hohen Drehzahlen herrlich knallt. Auch die Traktionskontrolle gibt sich betont sportlich und kann justiert werden - greift aber in jeder Stellung später ein, als bei vielen Konkurrenten, die sehr eifrig und in vielen Fällen voreilig den Vortrieb stoppen. Bei KTM merkt man zwar den Eingriff der Traktionskontrolle, es wird aber immer noch die, für den Hinterrerifen verdaubare Leistung zugeführt. Im echten Leben sieht das dann so aus, dass man aus einer Kurve hart ans Gas gehen kann und die Super Adventure S davon schiesst, je nach Einstellung sogar kurz das Vorderrad hebt, aber stets unter Kontrolle bleibt. Um auf Nummer Sicher zu gehen, würden da viele Maschinen der Konkurrenten kaum vom Fleck kommen. Einfach unfassbar, was diese Traktionskontrolle bei tadelloser Ausführung ihrer Pflichten dennoch zulässt!

Bremse mit Kurven-ABS auf höchstem Level

In die sozusagen entgegengesetzte Richtung funktioniert die grosse KTM ebenso gut, die absolut standfeste Bremsanlage mit 320er-Bremsscheiben und radialen Vierkolbenzangen von Brembo besitzt auch ein Kurven-ABS, von dessen Funktion ich mich just am Tage der Video-Aufnahmen überzeugen konnte. Eine klassische Situation mit einem Auto vor mir, das wegen eines zu überholenden Radfahrers am Ende der Kurve stark bremst. Natürlich greife auch ich mitten in der Kurve fest in die Eisen - und spüre das Pulsieren der ABS-Funktion im Bremshebel. Ob die Sache auch ohne Kurven-ABS völlig normal und glimpflich verlaufen wäre lasse ich mal dahingestellt. 238 Kilo fahrfertig hätten bei all der Handlichkeit im Falle eines blockierenden Vorderrads wohl schon ordentlich nach unten gezogen.

Der Reifen setzt die Grenzen auf der KTM 1290 Super Adventure S

Die einzige, ohnehin nicht echte Schwachstelle in Sachen Fahrverhalten ist der Reifen. So gut der Metzeler Tourance Next auch ist, insgesamt ist er das schwächste Glied in der Kette - rein die sportliche Fahrweise betreffend, wohlgemerkt. Da könnte man fast schon einen Hypersport-Reifen vom Schlage eines Metzeler Racetec RR aufziehen - gäbe es ihn in den Dimensionen der Super Adventure S. Denn in allen anderen Disziplinen macht der Tourance Next eine ausgezeichnete Figur, mit dem 170/60-17er-Hinterreifen spielt KTM noch der ausgeprägten Handlichkeit der 1290 Super Adventure S in die Karten, der vordere 120/70-19er zeigt aber eindeutig, dass es auch etwas gröberer Untergrund werden darf. Interessant vor allem, weil die 1290 Super Adventure S damit keineswegs einen Kompromiss darstellt, denn es gibt ohnehin mit der KTM 1290 Super Adventure R eine noch Offroad-tauglichere Grossenduro im Mattighofener Stall.

Bei KTM findet man ein ausgeklügeltes Sortiment

Also findet man bei KTM ein sehr schlaues Baukastensystem vor: Wer wirklich die reine Strassenbereifung mit 17 Zoll vorne und hinten braucht, hat ja noch die 1290 Super Duke GT zur Wahl - die mit sagenhaften 180 PS ebenfalls eher ein Sportbike mit Touring-Fähigkeiten darstellt als einen sportlichen Tourer. Das noch universellere Spassgerät ist aber trotzdem die 1290 Super Adventure S. Im nächsten Bericht geht es dann unter anderem um die Givi Trekker Dolomiti-Koffer- und Topcasemontage - denn mit ihrer etwas ausgefalleneren Form passen sie bestens auf meine sportliche "Sasi"!

Fazit: KTM 1290 Super Adventure S

Die KTM 1290 Super Adventure S ist mehr als eine sportliche Reiseenduro - sie ist ein Sportgerät, das eben auch Touren fahren kann. Der bärenstarke Motor mit 160 PS reisst nicht nur extrem kräftig an, sondern lässt sich auch sehr einfach bedienen und macht Lust auf sportliches Fahren. Die vielen elektronischen Assistenzsysteme wie Traktionskontrolle, semiaktives Fahrwerk, verschiedene Modi und Kurven-ABS tragen ebenfalls dazu bei, dass man sich auf der 1290 Super Adventure S pudelwohl fühlt. Schliesslich können auch das riesige TFT-Display und weitere Gadgets wie das Race-on-System oder My Ride durchaus überzeugen.

1
Vorteile
  • bärenstarker Motor
  • einfaches Handling
  • Traktionskontrolle mit Spassfaktor
  • Kurven-ABS Serie
  • gut ablesbares, riesiges TFT-Display
  • Quickshifter
  • LED-Scheinwerfer mit Kurvenlicht
  • geländetauglich
1
Nachteile
  • hoher Preis
  • kraftaufwändige Höhenverstellung des Windschilds

Bericht vom 01.09.2017 | 12'108 Aufrufe

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