Triumph Tiger 900 2020 - Erster Test mit Sozius

Brüllt der Tiger laut genug für 2?

Kaum im 1000PS Dauertest-Fuhrpark angekommen, muss die neue Mittelklasse Reise-Enduro beweisen, wie viel man ihr im Soziusbetrieb zumuten kann.

Achtung kein klassischer Testbericht

Liebe Leserschaft, ich werde in diesem Testbericht vorrangig auf die Eigenschaften im Soziusbetrieb eingehen. Die Solo-Eindrücke hat Kollege Wolf in seinem Artikel zur Triumph Tiger 900 Rally Pro festgehalten und auch unser Reise-Enduro Experte Vauli wird bald noch einen Fahrbericht verfassen. Bitte also für detaillierte Informationen zu Offroad- (Fahr-)Eigenschaften, technischen Daten und verbauten Komponenten dort nachlesen.

Optik der Triumph Tiger Rally Pro 2020

Ein besonderer Leckerbissen ist die schlanke Linienführung, die die Tiger 900 auszeichnet. Dennoch bietet die Reise-Enduro genug Platz, auch im Heck für den Soziusbetrieb, aber dazu später mehr. Optisch hingegen ist das Heck nicht unbedingt die Schokoladenseite der Tiger, insbesondere das Rücklicht kann den sonst extrem hochwertigen und gut verarbeiteten Gesamteindruck nicht mittragen. Vorne und seitlich hingegen bietet die besonders die Rally Pro Variante mit ihren Aluapplikationen an denen die LED Blinker angebracht sind, ganz grosses Kino. Hier wünscht man sich als optimale Ergänzung die Alu-Handguards der Scrambler 1200 XE, wie Kollege Wolf schon vollkommen richtig erkannt hat.

Die Farbkombination Matt Khaki Green ist wesentlich gelungener als ihr Name vermuten lässt und die, meiner Meinung nach, mit Abstand die schönste Variante für die Tiger 900 Rally. Für die Basis-Tiger und die Tiger GT ist sie leider nicht verfügbar. Sehr praktisch bei der Schalterflut am linken Lenkerende und Ausritten in der Dämmerung, ist, dass alle Schalter an der Tiger 900 Rally Pro beleuchtet sind.

Der Motor der Tiger 900 - potent genug für den Trip zu zweit

Der um 89 Kubikzentimeter auf 888 ccm angewachsene Hubraum resultiert in einem Drehmomentplus von 8 Nm. Die 87 Nm liegen zudem bereits 750 U/Min früher an als bei der Vorgängerin. Diese beiden Umstände in Kombination resultieren vor allem in deutlich gesteigerter Souveränität in allen Lebenslagen. Insbesondere Überholvorgänge gehen auch zu zweit locker im höheren Gang von der Hand.

Dass man dennoch versucht ist, schnell ein oder zwei mal runterzuschalten, liegt zum einen an dem herrlichen Quickshifter mit Blipper-Funktion (er arbeitet schnell und präzise auf hohem Niveau) und zum anderen am wirklich verbesserten Sound des Dreizylinders. Im Betrieb mit Sozia unterliegt der Schaltassistent strengerer Beobachtung als im Solobetrieb. Ist es mir alleine relativ egal wenn beim Schaltvorgang ein Ruck durchs Fahrzeug geht - schliesslich weiss ich ja, wann ich schalte und bin vorbereitet -, so ist es mit BeifahrerIn sehr angenehm, wenn sich, wie in diesem Fall, mit etwas Gefühl in der Gashand fast komplett ruckfreie Schaltvorgänge realisieren lassen. Toll gemacht Triumph!

Soziusbetrieb Triumph Tiger 2020 Fahreindrücke

Ein elektronisches oder semi-aktives Fahrwerk, wie es z.B. für Hondas Africa Twin geordert werden kann, bietet Triumph nicht, auch nicht gegen Aufpreis. Die Verstellung des Fahrwerks erfolgt manuell mittels Schnellverstellung. Für das Zentralfederbein von Showa gibt es eine praktische Einstellmöglichkeit der Federvorspannung mittels Rad. Die monströsen Federwege von 240 mm an der goldenen USD-Gabel vorne und 230 mm hinten sind Top-Werte. Aufs Fahrverhalten wirken sich die langen Federwege in zweierlei Hinsicht aus. Auf der einen Seite ermöglichen sie ein senftenartiges Dahingleiten und komfortables Reisen auch auf schlechteren Strassen, auf der anderen Seite kann das starke Einfedern im "Attacke-Modus" störend wirken.

Bremsen und Elektronik an der Tiger 900 sind über jeden Zweifel erhaben

Schuld am starken Einfedern ist nicht zuletzt die phänomenale Stylema Bremsanlage aus dem Hause Brembo, die 2017 exklusiv für die Ducati Panigale V4 entwickelt wurde. Unglaublich was mittlerweile in der (gehobenen) Reise-Enduro Mittelklasse möglich ist. Auf Top-Niveau befindet sich auch die Elektonik, sowohl ABS als auch die Traktionskontrolle arbeiten schräglagenabhängig und sind je nach Modus mehr oder weniger sensibel eingestellt. Sogar eine freie Konfiguration mit dem Modus "Fahrer" lässt Triumph zu. Gerade im Betrieb zu zweit verleiht einem dieses umfassende Fahrhilfenpaket zusätzliches Vertrauen und Sicherheit.

Mächtige Zuladung auf der Tiger 900 und dekadente Komfortfeatures in der Topversion

223 Kilogramm. Das muss man einfach einmal so stehen lassen, denn mit einer solchen Zuladung, lässt sich auch noch im 2-Mann-Betrieb ordentlich Gepäck mitführen. Entsprechendes Zubehör, wie Seitenkoffer, Topcase und zugehörige Halterungen finden sich sowohl bei Triumph selbst, als auch bei den einschlägigen Zubehör-Herstellern, denen die Reisetauglichkeit der Tiger 900 ebenfalls nicht entgangen sein dürfte.

Ist man nach gewissenhafter Vorbereitung und den finanziellen Ruin heraufbeschwörender Zubehör-Einkaufstour zur grossen Fahrt aufgebrochen erfreut man sich an Komfortfeatures die vor zehn Jahren nicht einmal in der Mercedes S-Klasse serienmässig verbaut waren. Von getrennt in zwei Stärken beheizbarer Sitzbank für Fahrer und Sozius, über 3-stufig einstellbare Heizgriffe bis hin zu Tempomat und integriertem Navigationssystem (My Triumph Konnektivitätssystem) das auf einem 7(!) Zoll Farb-TFT-Display gestochen scharf dargestellt wird, ist hier alles verbaut, was gut und teuer ist. Vor allem die Heizelemente tragen entscheidend dazu bei, die Saison am Motorrad zu verlängern. So können längere Touren schon bei niedrigeren Aussentemperaturen unternommen werden.

Triumph Tiger 900 Windschutz: oben hui unten naja

Insbesondere in der höchsten Position macht das serienmässig in 5 Stufen verstellbare Windschild einen guten Job und führt den Luftstrom zuverlässig über den Fahrer hinweg. Auch für den Sozius ergibt sich ein spürbarer Unterschied, wenn das Windschild in der hohen Position arretiert ist und es wird deutlich Winddruck vom Helm genommen. Für mich mit meinen 1,87 Meter ist es angenehm, dass ich auch in der höchsten Position über das Windschild hinwegschauen kann und nicht durchschauen muss. Die Höhenverstellung funktioniert nach etwas Übung auch während der Fahrt mit einer Hand ohne grössere Mühe.

So gut der Windschutz im Oberkörperbereich funktioniert, so durchschnittlich ist er von der Hüfte abwärts. Hier geht es wesentlich zugiger zu, was wohl der schlanken Siloutte der Tiger 900 geschuldet ist.

Fazit Soziusbetrieb der Triumph Tiger 900 2020

Die Tiger 900 Rally Pro bietet alles was man von einer Reise-Enduro erwarten kann und noch mehr. Mittlerweile ist sie allerdings nicht nur hinsichtlich der Ausstattung sondern auch hinsichtlich des Preises der Mittelklasse entwachsen, daher muss sie sich dem Vergleich nach "oben" gefallen lassen. Hier kann sie leistungsmässig mit der wirklichen Oberklasse (man denke an Zweizylinder aus Österreich, Italien und Japan) natürlich nicht mithalten. Andererseits kann sie ihr niedriges Gewicht gegen diese Konkurrenten gnadenlos ausspielen. Wer also eine gleichzeitig handliche und wirklich reisetaugliche Maschine mit ausreichender Zuladung und grandiosem Komfort sucht, wird mit der Triumph Tiger Rally Pro sicher einen guten Griff machen.

Fazit: Triumph Tiger 900 Rally Pro

Die Tiger 900 Rally Pro ist die beste Reiseenduro, die Triumph je gebaut hat, zumindest wenn der Fokus auf Enduro liegt. Punkt. Mit einem Fahrwerk, das auch im groben Geläuf souverän bleibt und vieles schluckt, einem Motor, der souverän und harmonisch gleichzeitig zu Werke geht und jeder Menge elektronischer Herlferlein, die bei Bedarf aber auch weggeschalten werden können. Ein verlässlicher Begleiter für den täglichen Weg ins Büro genauso wie die Reise. Auf der der Fahrspass ganz sicher nicht beeinträchtigt wird, sobald einem der Asphalt unter den Reifen ausgeht – ganz im Gegenteil.


  • charaktervoller Dreizylinder
  • deutlich verbesserte Offroadtauglichkeit
  • komfortable Federelemente
  • Quickshifter serienmässig
  • üppige Serienausstattung
  • gute Ergonomie
  • guter Wind- und Wetterschutz
  • Langstreckentauglichkeit
  • Handguards für Offroad-Einsatz wenig robust
  • Schalterflut am linken Lenker

Bericht vom 22.03.2020 | 17'520 Aufrufe

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