Zonko auf der KTM Superduke 1290 R

„Gewaltiger Schritt!“

Es liegt vor allem an der neuen Geometrie, dass KTMs Biest jetzt härter vollstreckt denn je. Herbrennung deluxe.

Schon beim Aufsteigen war mir klar, dass KTM mit der neuen Superduke 1290 R in eine Richtung marschiert ist, die mir voll taugt. Die Kombination aus deutlich tieferem Lenker und leicht erhöhtem Sitz vermittelte mir augenblicklich das Gefühl, auf einem scharfen Naked zu sitzen, das genau jenes Mass an Vorderradorientiertheit liefert, das noch nicht unbequem, aber schon rennorientiert ist. Weltklasse! Durch den vollkommen neuen Rahmen ist jetzt der Lenkkopf um vier Zentimeter tiefer und das Gouvernal - also die Kommandobrücke mit den beiden Griffen - detto. Genauso will ich auf einem sportlichen Naked sitzen. Der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass die Fussrasten verstellbar sind.

Was für ein Motor! Leistung der KTM 1290 Super Duke R

Dann warf ich den Motor an. Dass er jetzt trotz Euro 5 um drei PS stärker ist als der alte, war sicher ein Mordsaufwand (direkter Lufteinlass, grössere Airbox, dickere Krümmer …), der sich aber wirklich gelohnt hat. Der mächtige 1300er V2 beeindruckt nicht nur mit verbesserter Laufruhe und etwas mehr Drehfreudigkeit, sondern hat auch immer noch diesen unfassbaren Punch aus der Mitte. Möglicherweise hatte der alte Motor im mittleren Bereich noch einen Hauch mehr Kraft, aber das ist meiner Meinung nach in der Wirklichkeit komplett unerheblich. Denn mit jeder Bewegung des Gasgriffs nach unten setzt der neue Motor dermassen viel Druck frei, dass man vor Freude in den Helm brüllt. Pfoah! Was für ein Motor!

Und da KTM auch die Elektronik mit viel Aufwand weiter verfeinert hat (6achsige IMU mit neuer Logik), kann man aus der Ecke feuern, als ob es kein Morgen gäbe. Das Regeln der Elektronik spürt man überhaupt nicht mehr, der Vortrieb ist unfassbar stark. Gewaltig! Und dazu noch der Schaltautomat, der jetzt in allen Bereichen sehr gut funktioniert.

Neue Ruhe in der 1290 Super Duke R

Eine weitere wesentliche Verbesserung zur Vorgängerin ist das Fahrwerk. Hinten wird jetzt nämlich das Federbein umgelenkt (arbeitet also nicht mehr direkt) und funktioniert deutlich besser. Möglicherweise hat auch die verlängerte Schwinge einen Einfluss auf die neu gewonnene, mechanische Traktion, möglicherweise trägt auch der Erstausrüstungsreifen (Bridgestone S 22 in SDR-Kennung 200/55-17) zu mehr Feedback und leichtfüssigem Handling bei. Fakt ist jedenfalls, dass die neue Ruhe im Heck sich auf die gesamte Maschine überträgt.

Trotz kleiner Mankos ein herrliches Eisen

Witzigerweise hat die Bremserei (erlesenste Komponenten) wieder ein kleines Manko, das nicht nur bei KTM-Maschinen manchmal zu beobachten ist. Zwar arbeitet der Anker wirklich grossartig und erfüllt höchste Ansprüche (auch beim urharten Angriff, wenn es darum geht, wer als Erster beim Gipfelwirt ankommt), aber: Wenn man die Maschine schiebt bzw. wenn man ganz langsam in eine Parklücke rollt, tritt so ein dezentes Quietschen auf. Ist nur eine Sache von Frequenzen und hat keinerlei Bedeutung für die Bremswirkung an sich, aber in einer idealen Welt würde ich mir das wegwünschen. Und die Kunststoffschale, die den Übergang von Sattel und Tank bildet, dürfte relativ leicht anfällig für Kratzer sein. Das würde mich persönlich tatsächlich stören. Entweder müsste ich aufpassen wie ein „Haftlmacher“, wie man so sagt, oder ich müsste das Teil, das sicher keine Lawine kostet, halt im Falle des Falles austauschen.

Alles in allem finde ich die neue Superduke 1290 R mehr als gelungen. Ein traumhaft scharfes Naked Bike, das keine Wünsche offenlässt. Für mich ganz sicher jene Superduke, die ich mit Abstand am liebsten hätte. Rahmen, Sitzposition und Fahrwerk sind jetzt einfach top, und selbst der Motor, der sowieso schon ein Hammer war, ist auch durch die bessere Elektronik noch begehrenswerter geworden. Das Biest 3.0 hat es mir besorgt. Amtlich.

KTM 1290 Super Duke R Preise

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Fazit: KTM 1290 Super Duke R

Bei der neuen Superduke 1290 R hat KTM alles richtig gemacht. Die sportlichere Sitzposition, die sich durch den neuen Rahmen ergibt, ist perfekt für den schnellen Angriff, der Motor hat trotz Euro 5 nichts von seiner Gewalt verloren, ist aber auch in Verbindung mit der feinfühligeren Elektronik kultivierter geworden.


  • Neuer Rahmen, neue Sitzposition
  • Umlenkung am Federbein
  • Besserer Schaltautomat
  • Mächtiger Motor trotz Euro 5
  • Feinfühlige Elektronik
  • Leicht zerkratzbares Plastik zwischen Sitz und Tank
  • Bremse quietscht bei Schrittgeschwindigkeit

Bericht vom 28.04.2020 | 46'137 Aufrufe

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