Seat MO eScooter 125 2021 - Autohersteller bringt E-Roller

Was kann der frische E-Roller aus dem VW-Konzern?

Mit dem Erwerb von Ducati durch Audi hat man offenbar Lunte gerochen. Der Seat MO 125 nähert sich dem Thema zweirädrige Mobilität allerdings von einer gänzlich anderen Warte. In einem ersten Test muss er zeigen, was er drauf hat.

Die Einladung zum etwas anderen Pressetest

Als die Einladung zur nationalen Präsentation des 125er E-Rollers ins Haus flatterte, sah ich in der Redaktion in verdutzte Gesichter. Eine Pressevorstellung von einem PKW-Hersteller, in der Moon City am Rande einer Fussgängerzone in Wien? Während die Kollegen Vauli und Horvath noch rätselten, was damit wohl anzufangen sei, hatte ich mich schon längst angemeldet. Als waschechter Wiener in Zeiten von Corona ist man froh, wenn sich die Gelegenheit bietet einen Test direkt vor der Haustür zu machen.

Die Mooncity Wien als logischer Ort und A1 als logische Klasse für den Seat MO 125

Vor knapp einem Jahr als Pop-Up-Store eröffnet, ist die Moon City Wien der Ausstellungsraum für alles was sich im VW-Konzern rund ums Thema Elektromobilität tut. Ein durchaus passender Rahmen also für die Präsentation des ersten Zweirads der jungen spanischen Marke Seat, ist der MO 125 doch voll-elektrisch betrieben.

Es verwundert zudem nicht, dass sich der PKW-Hersteller zunächst in der A1-Klasse versucht. Lassen sich doch in vielen europäischen Ländern, die bis zu 11 kw starken und mit Hubraum bis zu 125 Kubik ausgestatteten Zweiräder nach einer vergleichsweise wenig umfangreichen Zusatzausbildung mit dem Führerschein der Klasse B lenken. Zudem ist der Markt bis 50 Kubik einem heftigen Preiskampf unterworfen, während man bei den 125ern auch mit Qualität punkten kann.

Technische Basis des Seat MO 125 E-Rollers

Natürlich entwickelt ein Automobilhersteller nicht einfach binnen 3 Jahren einen E-Roller (Startschuss des MO-Projekts war 2018), man holte sich Unterstützung in Form des spanischen Elektro-Spezialisten Silence und baute auf dieser Basis einen eigenständigen Scooter auf. Der MO eScooter 125 erhebt den Anspruch qualitativ sofort in der Premium-Liga zu spielen: Die Konkurrenz sieht man eher in Honda und Yamaha, als in Niu oder SuperSoco. Dennoch präsentiert man sich optisch mit Voll-LED und kreisrundem Tagfahrlicht eindeutig als futuristisches Elektro-Gefährt. Der MO eScooter ist in rot, weiss und schwarz verfügbar.

Leistungsdaten auf solidem 125er Niveau für den Seat MO

Mit einer Dauerleistung von 7 kW einer Spitzenleistung von 9 kW sowie einem Gewicht von 152 Kg spielt man durchaus in der A1 Liga mit. Dem direkt am Hinterrad verbauten 5,6 kWh E-Motor sei Dank ist die Leistung zudem vom Stand weg verfügbar (0-50 km/h in 3,9 Sekunden). Einstellbar sind drei Fahr-Modi: ECO (Geschwindigkeit auf 64 km/h beschränkt), City (Geschwindigkeit auf 80 km/h beschränkt) und Sport (Höchstgeschwindigkeit 95 km/h - 102 km/h am Tacho waren drin). Die maximale Reichweite unter Laborbedingungen wird mit 137 km angegeben.

Das entnehmbare Herzstück des MO eScooter 125

Der 41 Kilogramm schwere Li-Io-Akku ist schon für sich genommen ein Wunderwuzzi. Zum einen ist das System, mit dem er, sofern der MO 125 am (serienmässigen) Hauptständer geparkt ist, einfach wie ein Trolley entfernt und zum Laden mitgenommen werden kann schlichtweg genial, zum anderen (über-)erfüllt er sämtliche geltende Sicherheitsstandards und kann als gigantische Powerbank genutzt werden. Drückt man in die Mitte des LED-Kreises, zeigt er den Ladestand an. Eine vollständige Ladung an einer haushaltsüblichen Steckdose dauert zwischen 6 und 8 Stunden. Eine Schnelllade-Funktion ist nicht vorgesehen. Seat gewährt neben 2 Jahren Garantie auf das Fahrzeug 4 Jahre Garantie auf den Akku (Voraussetzung dafür ist zumindest eine vollständige Ladung pro Monat).

Fahreindrücke Seat MO - Stadt, Landstrasse und Autobahn

Mit seinen 152 Kilogramm ist der MO 125 kein Leichtgewicht, allerdings ist der relativ schwere Akku tief im Fahrzeug verbaut, was den Schwerpunkt senkt und den eScooter in Kombination mit der scootertypischen Bereifung (15 Zoll vorne und 14 Zoll hinten) von Pirelli zu einem wendigen Staubezwinger macht. Die Beschleunigung unterscheidet sich stark je nach gewähltem Fahrmodus. Für rasches Vorankommen sollte man in den Modi Sport oder City bleiben, was natürlich zu Lasten der Reichweite geht. 100 Kilometer sollten aber immer drin sein.

Tatsächlich kristallisierte sich der City-Modus als bester Kompromiss für die Stadt heraus. Im Sportmodus ist die Rekuperation beim vom-Gas-gehen doch sehr stark spürbar, beim sportlichen Landstrassenritt passt das wunderbar - und es ist herauszustreichen, dass es nicht selbstverständlich ist, dieses Feature an Board zu haben - ein genüssliches Gleiten durch den Stadtverkehr ist so allerdings kaum möglich. Im City-Modus greift die Rekuperation hingegen nur beim Betätigen der Bremse unterstützend ein und im ECO-Modus (unverständlicher Weise) gar nicht. Ein cooles Feature, dass man sonst in der Klasse vergeblich sucht: Der MO bietet einen Rückwärtsgang!

Fahrwerk und Bremsen des Seat MO - es gibt noch Aufholbedarf

Das (nicht einstellbare) Fahrwerk des Seat MO 125 bietet etwas unterdurchschnittlichen Komfort, Federwege von 80 mm an der Gabel und 100 mm am seitlich angeschlagenen Mono-Federbein sind doch etwas spartanisch. Allerdings geht der MO gut ums Eck. Der Radstand von 1427 mm beschert dem Roller eine hohe Stabilität und einen beinahe stoischen Geradeauslauf.

Einen echten Schnitzer erlaubt sich Seat beim Thema Bremsen. Die Verzögerung der Scheibenbremsen vorn und hinten ist grundsätzlich in Ordnung, allerdings verzichtet man beim MO eScooter 125 zu Gunsten eines kombinierten Bremssystems auf ein ABS. Im Hinblick auf die Zielgruppe von jungen Menschen und Umsteigern vom Automobil, wäre ein ABS eigentlich Pflicht, schliesslich soll der Roller hauptsächlich im urbanen Gebiet mit all seinen Tücken (Schienen, Fahrbahnmarkierungen, hinter parkenden Autos hervorspringende Kinder...) zum Einsatz kommen. Auch angesichts des Preises und Premium-Anspruchs der Spanier, passt ein fehlendes Sicherheitssystem nicht ins Gesamtbild.

Ergonomie und Sitzhöhe des Seat MO 125

Hat man den angenehm tiefen Durchstieg überwunden, nimmt man in 805 mm (Sitz-)Höhe Platz. Die Sitzbank ist angenehm gepolstert und bietet zwei Personen ausreichend Platz. Beide Bremshebel sind einstellbar, die Verarbeitung wirkt klassenüblich gut, nur von der Haptik der Schalter hätte man sich von einem Auto-Hersteller mehr erwartet. Nicht ganz optimal: Mit Schuhgrösse 45 wird es bereits eng im Fussraum und der Sozius bzw. die Sozia hat durch die roller-untypisch hohe Montageposition der Fussrasten einen vergleichsweise spitzen Kniewinkel.

Paradedisziplinen des Seat: Stauraum und Zuladung

Beim Thema Platz kann der MO 125 eScooter richtig Punkte einfahren. Zwei Vollvisierhelme passen unter die Sitzbank. Bei vielen E-Rollern müssen hier die Akkus rein und damit verliert man viel von der Praktikabilität die das Rollersegment ausmachen. Daher: Bravo Seat! wem das nicht reicht, der kann sich aus dem Zubehör noch ein 39 Liter Topcase auf den MO packen lassen. Mit einer Zuladung von 168 kg steht auch Ausfahrten von zwei ausgewachsenen Personen nichts im Wege.

Sharing is Caring - Display und Connectivity

Seat MO ist mehr als ein neues Modell, man versucht damit dem europäischen Trend weg vom eigenen Auto und hin zu immer weniger Führerscheinen entgegenzuwirken und junge Menschen (startend beim Kick-Scooter) wieder auf den Geschmack am Individualverkehr zu bringen. Ein Punkt im Plan von Seat sind Sharing Modelle, damit ist einerseits Modelle wie Share Now, also das Teilen mit Fremden ohne Besitz gemeint auf der anderen Seite das Teilen des eigenen Fahrzeugs mit Freunden und Familie. Mit der Seat MO App kann man seinen Schlüssel zum Seat MO digital teilen. Die Person mit der der Schlüssel geteilt wird, muss nur noch die App öffnen und kann den MO eScooter freischalten und losfahren.

Das LC-Display ist ganz gut ablesbar und bietet alle notwendigen Informationen, wirkt aber schon etwas in die Jahre gekommen. Natürlich ist eine Verbindung von Smartphone und Roller via Bluetooth möglich. In der Seat MO App können dann diverse Informationen abgerufen und Einstellungen getätigt werden. Wenn ich mir etwas wünschen dürfte, würde ich dem MO noch ein TFT-Farbdisplay spendieren, um den smarten Gedanken zu Ende zu spinnen, aber das sprengt wohl (noch) den finanziellen Rahmen.

Seat MO eScooter 125 - Preis und Marktstart

Alle folgenden Angaben beziehen sich auf Österreich: Der Seat MO eScooter 125 wird ab Mai online bestellbar sein. Der Kunde kann sich entweder für die Abholung bei einem Seat-Händler in der Nähe (Wien, Linz, Graz, Salzburg, Innsbruck) oder für eine kostenlose Lieferung vor die eigene Haustüre entscheiden. Wer sich für eine Probefahrt interessiert, kann diese ab Mai nach aktuellem Stand entweder in Wien oder in Salzburg durchführen. Weitere Informationen zum Seat MO eScooter 125 sowie zu verfügbarem Zubehör findet ihr auf der Homepage von Seat MO.

Der Preis des Seat MO eScooter 125 liegt bei 6.699 Euro, wobei der Erwerb eines E-Rollers der A1-Klasse derzeit mit 700 Euro von der Bundesregierung gefördert wird und der MO 125 somit schlussendlich unter 6.000 Euro zu haben ist. Eine Markteinführung in Deutschland ist ebenfalls zeitnahe in Planung.

Fazit: Seat MO eScooter 125

Seats erster Zweirad-Wurf bietet viele tolle Features, bleibt aber bei den fahrdynamischen Roller-Kernkompetenzen hinter den Marktführern zurück. Er punktet durch grosse Alltagstauglichkeit, witzige Detaillösungen und individuelles Aussehen. Das System mit dem Akku in Trolley-Form und dem Schlüssel-Sharing via App sollte Schule machen, tolle Sache!


  • gute Beschleunigung
  • sinnvolle Modi
  • Rekuperation
  • geniales Akkusystem
  • frische Optik
  • genug Platz für zwei
  • grosser Stauraum
  • einzigartiges Sharing-System
  • Rückwärtsgang
  • kein ABS
  • Display etwas angestaubt
  • Fahrwerk hölzern und unkomfortabel
  • Preis ohne Förderung eher hoch

Bericht vom 15.04.2021 | 19'529 Aufrufe

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