Ducati Multistrada V2 vs. V4 Vergleichstest 2022 - Stallduell

Kann die kleine Schwester der grossen das Wasser reichen?

Eine Woche lang bewegten wir die Antworten aus Bologna auf die Frage nach dem besten Eisen zum Reisen durch das kurvenreiche Hinterland Barcelonas. Erwartbares und Überraschendes trat dabei zu Tage.

Wer sich einmal eine Ducati in den Kopf gesetzt hat, der möchte oft unter keinen Umständen eine andere Motorradmarke fahren. Ist der Betreffende dann noch reiseaffin, bleibt im aktuellen Programm der Traditionsmarke aus Bologna nur die Multistrada-Familie übrig.

Ducati Multistrada: Ein Name, zwei Motorisierungen, fünf verschiedene Modelle

Diese Familie besteht mittlerweile aus zwei Zweigen und insgesamt fünf Mitgliedern. Die extravagante Multi V4 Pikes Peak aussen vor gelassen, markieren die S-Versionen der Multistrada V2 und V4 die Spitze der Modellreihe. Genau diese beiden mussten sich über eine Woche lang unter verschiedensten Bedingungen in Katalonien beweisen. Dabei stellten sich McGregor und ich wieder einmal die Frage: Muss es denn immer die Grosse sein?

Das Fahrwerk verbindet: Das semiaktive Skyhook-Fahrwerk auf den S-Versionen der Multistrada begeistert

"S oder nicht S, das ist keine Frage" Das semiaktive und voll elektronisch verstellbare Fahrwerk ist sowohl auf V4 als auch auf V2 eine Wucht. Wer es einmal genossen hat, wird es nicht missen wollen. Insbesondere für Fahrer die öfters mit Sozia oder in verschiedenen Beladungszuständen unterwegs sind, ist die rasche Verstellbarkeit (oder im Falle der V4 S der Auto-Modus, der den Beladungszustand selbstständig erkennt und das Federungssetup entsprechend anpasst) ein echtes Argument. Da relativiert sich auch der empfindliche Aufpreis, der sowohl bei der 2-Zylinder als auch bei der 4-Zylinder Multistrada ein mittelgrosses Loch in die Geldbörse reisst.

Ein elektronisches Fahrwerk, ist in der Oberklasse, an deren Spitze sich die Multi V4 S seit ihrem Auftritt im letzten Jahr positioniert hat (Sieg beim Alpenmasters 2021) bei weitem keine Seltenheit, vielmehr gehört es zum guten Ton auf ein solches zu setzen. Im Falle der Ducati Multistrada V2 S ist im Hinblick auf die Konkurrenz jedoch anzumerken, dass die Kawasaki Versys 1000 SE und die Honda Africa Twin Adventure Sports die einzigen Mitbewerber in dieser Klasse sind, die ebenfalls ein voll einstellbares semiaktives E-Fahrwerk bieten. Die Versys ist jedoch durch ihr hohes Gewicht und die Africa Twin durch ihre offroad-lastige Auslegung (21-Zoll Vorderrad, deutlich längere Federwege, Speichenfelgen), kein Gegner für die agile Italienerin. Die V2 S ist die sportlichste Reiseenduro am Markt, das Fahrwerk dafür genau richtig.

Dennoch, im direkten Vergleich arbeitet das Skyhook Fahrwerk in der V4 S in allen Bereichen noch etwas souveräner, als das der V2 S. Das Ansprechverhalten ist feinfühliger, die verbaute Hardware hochwertiger und die Setup-Möglichkeiten sind vielfältiger. Dazu kommt noch der wirklich in 99% der Fälle richtig liegende Auto-Modus an der V4, spätestens hier hat die Skyhook-Variante in der V2 das Nachsehen.

Technische Daten der Multistradas im Duell:

Alljenen Technokraten, die es ganz genau wissen wollen, darf ich unseren Motorradvergleich zwischen Multistrada V2 S und Multistrada V4 S ans Herz legen. Die reinen technischen Daten greifen aber zu kurz, um die Unterschiede der beiden flotten Reiseenduros zu fassen. Kurz anmerken muss man die tadellose Performance der Bremsen auf V2 und V4, unglaublich, wie effizient im Adventure-Sektor mittlerweile verzögert werden kann. Die Bremboanlagen stünden auch Sportmotorrädern gut zu Gesicht, bei der V4 kann man, nicht nur aufgrund der Dimension (330 mm Doppelscheibe vorne) gar von Superbikes sprechen. Ein paar extra Worte haben sich aber auch die beiden Aggregate in den Ducatis verdient, sind sie doch für die positive Beschleunigung ausschlaggebend.

Motor-Charakterisik: Deutliche Unterschiede zwischen V2 und V4, nicht nur im Verbrauch

Wir haben es zwar mit zwei V-Motoren zu tun, aber hier enden die Gemeinsamkeiten der beiden Aggregate auch schon. Während sich der V2 in niedrigen Drehzahlbereichen bis 3.000 U/Min als rauer Geselle - Ruckeln und Kettenschlagen inklusive - zeigt, beherrscht der bärenstarke V4 auch die langsame Gangart in höheren Gängen souverän. Steigert man die Drehzahl, kommt der Zweizylinder in seinen Wohlfühlbereich, ist aber immer noch nicht im idealen Leistungsfeld. Der Vierzylinder hingegen schnellt nun beinahe ungehalten nach oben. insbesondere in den Gängen 1-3 ist festhalten angesagt. Die präzise arbeitende Elektronik beschert ein Sicherheitsnetz, das man nicht missen möchte.

Das grösste Manko am Desmo-V2, vor allem als Herzstück in einer Reiseenduro, ist seine Unfähigkeit ihn gänzlich entspannt zu bewegen. Das Fahren mit dem sprichwörtlichen Messer zwischen den Zähnen macht zwar mächtig Spass, ist auf Dauer allerdings ermüdend.

Hier reüssiert das deutlich erwachsenere V4 Herz der grossen Multi, es kann einfach alles und wirkt dabei immer absolut souverän. Einzig die hohe Spritmenge die ebenfalls in beinahe jedem Fahrzustand in den Brennräumen verarbeitet wird, trübt die Freude ein wenig. Hier kann der V2 mit einem bis zu 50% niedrigeren Verbrauch deutlich punkten. Dadurch bietet sie auch eine, einer Reisemaschine würdige Reichweite, während die V4 einen oftmals früher als einem lieb ist zur Zapfsäule bittet.

Ducati Multistrada V2 und V4: Reisetauglichkeit im Detail

Auf Reisen ist eine gute Ergonomie und ein hoher Komfort im Sattel nicht wichtig genug einzuschätzen. Was gute Ergonomie ist kann nicht pauschal beantwortet werden, man müsste also eher von passender Ergonomie sprechen. Die bessere Maschine für grosse und stärker gebaute Piloten, ist dank höherem und breiterem Sitz, sowie einem nicht so stark gekröpften, höheren Lenker und entspanntem Kniewinkel eindeutig die Multistrada V4.

Die V2 hat wiederum bei kleineren Piloten die Nase vorn, sie ist mit einer, für eine Reiseenduro ausgesprochen, niedrigen Sitzhöhe von lediglich 830 mm ausgestattet. Im Zubehör sind höhere und niedrigere Sättel erhältlich. Der Kniewinkel ist durch die hoch angebrachten Fussrasten spitz, hier zollt die agile Mittelklasse-Multi ihrem sportlichen Anspruch Tribut. So sind Schräglagenfreiheit und das Gefühl für das Vorderrad durch die ausgezeichnet ins Fahrzeug integrierte Sitzposition segment-unüblich fantastisch.

Soziusfahrten gelingen auf beiden Multis ausgezeichnet

Einen überraschenden Punkt heimst die Multistrada V2 in der zweiten Reihe ein. Laut Behelfs-Beifahrer McGregor sticht sie ihre grössere Schwester in diesem Kapitel gar aus. Mit guter Rundumsicht und viel Platz, bedingt durch den deutlich erhöht angelegten und angenehm ausgeformten Soziuspolster, sowie einer hohen Zuladung präsentiert sich die kleine Multi hier ganz gross.

Das alles bedeutet nicht, dass die V4 nicht zum Reisen zu zweit eignet. Sie kann mit dem besseren Windschutz, dem kultivierteren Motorlauf und nicht zuletzt mit der, der S-Version vorbehaltenen Sozius-Sitzheizung glänzen. Luxusgefährt eben.

Feature-Feuerwerk in Multistrada V2 und V4: Geht nicht - gibts nicht!

Jede der beiden Multistradas sticht die Klassen-Konkurrenz aufgrund der High-End-Ausstattung in der Regel mühelos aus. Im direkten Duell muss die V2 dann aber doch etwas zurückstecken: Adaptiver Tempomat, Totwinkel-Assistent und die Wheeliekontrolle gibt es bei ihr nicht. Auch das 7 Zoll-Display inkl. Connectivity und Navigationsintegration mit Kartendarstellung, lässt das Vorgängermodul im 5-Zoll-Format auf der V2 etwas angegraut wirken. Die Menüführung gelingt auf der V4 mit dem neuen Bedienkonzept, das auf einen 5-Wege Joystick setzt, ebenfalls etwas schneller und intuitiver.

Der Windschutz ist auf den reisefreudigen Ducatis ausgezeichnet

Den Verstellmechanismus des Windschildes teilen sich die beiden Schwestern, er funktioniert da wie dort phänomenal. Die Bedienung gelingt mühelos mit einer Hand, die möglichen Arretierungs-Punkte sind sinnvoll gewählt. Trotz ihrer unterschiedlichen Form und Breite bieten beide Schilde auch grösseren Piloten einen ausgezeichneten Windschutz. Optisch fügt sich die Scheibe an der V2 noch harmonischer ins Gesamtbild ein als die der V4.

Die Schutzwirkung gegen Wind- und Wettereinflüsse auf Höhe der Körpermitte ist ebenfalls bei beiden Multistradas sehr zufriedenstellend. Kein Wunder bauen doch V2 und V4 im Bereich des Tanks eher breit.

Auf Höhe der Beine kommt dem Fahrer der V4 die Baubreite des grossen Aggregats zu Gute, hier macht sich die schlanke V2 im direkten Vergleich nicht ganz so gut. Doch kein Vorteil ohne Nachteil. Auch wenn sich die Ducati-Ingenieure durch die seitlich angebrachten, an Winglets erinnernden Anbauteile, die Frischluft zu den Beinen des Fahrers lenken sollen bemüht haben, die Abwärme des Motors erträglich zu machen, wird es in diesem Bereich relativ schnell warm. Verschärft wird dieser Umstand klarer Weise durch niedrige Geschwindigkeiten, etwa im Stadtverkehr. Hier freut sich der V2-Treiber am schmaleren Motor und dem kühlenden Luftstrom bei flotterer Fahrt.

Preise von Multistrada V2 gegen V4: Ist der Aufpreis gerechtfertigt?

Eine S-Version aus Bologna zu bewegen, ist in keinem Fall ein billiges Vergnügen. Aktuelle Preise und Angebote zu Ducati Multistrada V2 und V4 findet ihr natürlich am Marktplatz. Ob der deutliche Aufpreis der V4 sein muss, kommt auf Einsatzgebiet und persönliche Präferenzen, sowie ein Stück weit auf die körperlichen Voraussetzungen an. Fakt ist, dass man mit beiden Motorrädern, insbesondere auf befestigten Strassen, unglaublich viel Spass haben kann. Da kommen wenige andere mit.

Fazit Vergleich Multistrada V2 S gegen V4 S

Eine Woche im Sattel von Multistrada V2 S und V4 S sollte die Entscheidung bringen: Welche darf es denn nun sein? Für diejenigen, die die eierlegende Wollmilchsau suchen, kann die Antwort nur V4 lauten, sie leistet sich bis auf die hohen Kosten von Anschaffung bis Verbrauch in keinem Bereich Schwächen. Die Multistrada V2 ist die richtige Wahl für all jene, die einen starken sportlichen Anspruch ans Thema Reise haben. Sie eignet sich als idealer Einstieg ins Reisesegment mit mehr Federweg, keine andere Reiseenduro ist so nahe an sportlichen Nakeds dran wie diese. Regelmässige Fahrten zu zweit gelingen auf beiden Ducatis toll und eignen sich daher nicht als Entscheidungshilfe.

Hinweis: Die Einzelfazits zu den beiden Modellen wurden aus den letzten Einzeltestberichten von Schaaf bzw. Nils übernommen.

Fazit: Ducati Multistrada V4 S

Früher mal kamen die exklusiven Traummotorräder meist aus der Klasse der Sportmotorräder. Doch Ducati liefert mit der neuen Multistrada einen echten Knaller in der Reiseenduro Liga. Die Maschine fährt spielerisch leicht durch die Radien. Somit ist man durchaus in der Lage, die überbordende Leistung immer wieder mal zum Einsatz zu bringen. Garniert wird das tolle Erlebnis vom umfangreichen Elektronikpaket welches insgesamt die Latte sehr hoch legt.


  • Tolles Reieseenduro Feeling gepaart mit fescher Eleganz
  • grossartige Bremsen
  • Faszinierender, beeindruckend starker Motor
  • Motorleistung durch grandioses Ansprechverhalten wunderbar zu dosieren
  • Angenehme Sitzposition
  • praxistaugliche Ergonomie in jeder Lebenslage
  • faszinierendes Radarsystem welches man in der Praxis auf der Autobahn gerne einsetzt
  • Toller Windschutz
  • Hohe Stabilität auch bei hohen Geschwindigkeiten
  • Kräfteschonend und einfach zu fahren
  • tolles Handling
  • hoher Verbrauch
  • hoher CO2 Ausstoss
  • sperriges Bedienkonzept
  • Motor liebt Drehzahl - das gefällt in der Reiseenduro-Liga nicht allen Fahrern

Fazit: Ducati Multistrada V2 S

Die neue Ducati Multistrada V2 soll laut italienischer Auskunft einsteigertauglicher geworden sein, ohne dabei ihr Wesen verloren zu haben. Diese Aussage würde ich sofort unterschreiben. Die kleine Multi ist immer noch ein Wunder der Agilität, bereitet unglaublich viel Spass im Winkelwerk und kann aber auch auf der Langstrecke mit Komfort glänzen. Dank abgesenkter Sitzhöhe, deutlich kürzerem Schrittbogen und verbesserter Motorlaufruhe können ab sofort auch kleinere und weniger erfahrene Menschen völlig unbeschwert in diesen wunderbaren Fahr-Genuss kommen!


  • Ultimatives Handling ohne kippelig zu sein
  • Fahrwerk mit exzellentem Ansprechverhalten
  • Elektronische Fahrwerksverstellung mit grosser Wirkung
  • Drehfreudiger Motor
  • Exzellenter Sitzkomfort
  • Kupplungshebel nicht besonders leichtgängig
  • Motor-Ansprechverhalten in niedrigen Drehzahlen etwas ruppig
  • Bluetooth-Connectivity aufpreispflichtig

Bericht vom 07.03.2022 | 15'783 Aufrufe

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