Conti Road Attack 4 vs. Road Attack 3 Reifen Intensiv-Test

1300 km Reise durch Deutschland bringen Antworten

3 Tage - 5 Motorräder, insgesamt 1300 km durch Süddeutschland klären, ob die Neuauflage von Contis beliebtem Touringreifen wirklich alles besser kann!

Der etwas andere Reifentest - Hypertouringreifen Conti RoadAttack 4

Als mich Robert Rubin, der Pressevertreter von Conti Österreich, im März anrief, um die Präsentation des RoadAttack 4 anzukündigen, wunderte ich mich. Schliesslich hatte Vauli den neuen Conti Hypertouringreifen ja schon in Spanien testen dürfen. Mit dabei war kein geringerer als Malte Bigge, Test- und Entwicklungsfahrer bei Conti. Die sportliche Seite des Reifens hatten wir also bereits zur Genüge erfahren können.

Doch Robert liess nicht locker und als er mir die Idee zum Intensivtest näher brachte, wurde ich dann doch hellhörig: Testlocation in der Eifel und Anreise auf Achse ab Salzburg auf einer BMW S1000 XR quer durch Süddeutschland klang doch nach einer reizvollen Art den RoadAttack 4 noch etwas intensiver kennenzulernen.

Route Süddeutschland
1300 km quer durch Süddeutschland Route Tag 1 & 2

Wenn der Weg das Ziel ist - Route zum RoadAttack Test kommt von Edelweiss Biketravel

In Salzburg empfängt uns am Standort von Conti ein Tourguide von Edelweiss Biketravel. Tom ist Bayer und führt normalerweise amerikanische Touristen durch die pittoresken Dörfer und malerischen Landschaften Süd-Deutschlands. Diesmal hat er es mit einer kleinen Gruppe österreichischer Journalisten zu tun. Natürlich erfreuen auch wir uns an der fantastischen Szenerie, aber da wir hier sind, um den RoadAttack 4 auf Herz und Nieren zu prüfen, hat uns Tom eine besonders kurvenreiche Strecke zusammengestellt.

Gute und schlechte Strassen offenbare altbekannte und neue Stärken des Conti RoadAttack

Vorbei an der Trumer Brauerei, über den Haunsberg, auf dem wir die Kaiserbuche besuchen, verlassen wir Österreich und entern das bayerische Seengebiet. Zeit sich in tiefere Schräglagen zu begeben, auch wenn man das mit dem Conti RoadAttack 4 dank der noch einmal gesunkenen Aufwärmzeit bereits direkt nach dem Aufsteigen wagen könnte, wie ich später auf diesem Trip noch lernen sollte. Teils haben wir am Weg zum herrlichen Chiemsee auch schlechtere Asphaltverhältnisse. Hier fällt mir im Vergleich zum Vorgänger die verbesserte Eigendämpfung am Vorderreifen auf. Hintergrund ist das neu eingearbeitete Rayon-Gewebe, das den Weg in den RoadAttack 4 gefunden hat. Zeit für ein Päuschen am Ufer. Nach dem Absteigen, bei einer absolvierten Strecke von ca. 120 km und einer Aussentemperatur von gut 20 Grad, hat die Oberfläche des Hinterreifens bereits dieses vertrauenerweckende Kleben entwickelt, das ich schon am RoadAttack 3 so genossen habe. Hier hat sich also glücklicherweise nichts verändert.

Deutsche Autobahn: 200 km/h plus sind Ehrensache

Die Weiterfahrt nach der kleinen Rast verläuft weitgehend über breitere Strassen, bis wir, um dem Münchner Verkehr zu entgehen und die Hochgeschwindigkeitsperformance des Road Attack 4 zu testen, auf die Autobahn entlassen werden. Flux stehen über 200 km/h am Tacho, dies sollte unsere Marschgeschwindigkeit für die nächsten 50 km werden. Die XR würde natürlich noch deutlich flotter laufen, doch mit den original BMW-Seitenkoffern sind offiziell nur 180 km/h empfohlen - Spielverderber. Die Vorgabe gibt es allerdings aus gutem Grund, ab 220 km/h wird die Front unangenehm leicht und instabil. Also runter vom Band und auftanken. Unter dieser starken Belastung vermutete ich erste Gebrauchsspuren am Reifen, aber ich sollte enttäuscht werden - beeindruckend.

Durch Ingolstadts Hinterland geht es weiter durch den nördlichen Teil Bayerns bzw. Mittelfrankens. Hier bewundern wir die Willibaldsburg bei Eichstätt, lernen Schillers Pappenheimer kennen und befahren kleine verkehrsarme Nebenstrassen entlang herrlicher Flüsse. Die Sonne steht schon tief als wir schlussendlich die mittelalterliche Perle Rothenburg ob der Tauber erreichen, wo wir Quartier beziehen.

Quer und trocken geht es durch Baden-Württemberg

Nach einem herzhaften Frühstück geht unsere Tour weiter. Gut auf die BMW S 1000 XR eingeschossen und mit viel Vertrauen zum RoadAttack 4 geniessen wir die Kehren, die uns von direkt hinter Rothenburg erwarten mit ansehnlichen Schräglagen. Kurz darauf überqueren wir die Grenze und finden uns in Baden-Württemberg wieder. Auch wenn wir den legendären Schwarzwald nicht erreichen, bieten die Strassen, die nördlich parallel zur BAB 6 verlaufen gute Bedingungen zum Motorradfahren. Landschaftlich besonders reizvoll ist die Fahrt entlang des Neckar, die uns in die Universitätsstadt Heidelberg bringt. Ein kleines Mittagessen in den schattigen Schanigärten der Altstadt ist jetzt genau das Richtige.

Über den Rhein nach Rheinland-Pfalz ohne Regen

Nach einer kurzen Autobahnetappe, die wir wählen um den dicht besiedelten Raum rund um Mannheim zu verlassen, finden wir uns in Rheinland-Pfalz wieder. Die letzten rund 80 Kilometer bringen uns noch einige nette Kurven und spektakuläre Ausblicke auf die Kirner Dolomiten, bevor wir beim Hotel Forellenhof ankommen. Knapp 900 Kilometer haben wir in zwei Tagen zurückgelegt. Kein einziger Tropfen Regen ist gefallen und auch der kommende dritte Testtag sollte trocken bleiben, weshalb ich zur Nässeperformance des RoadAttack 4 leider keine Aussagen treffen kann. Mehr Silicaanteil und ein auf Wasserverdrängung optimiertes Profildesign legen eine Verbesserung im Vergleich zum Vorgänger allerdings nahe. Der Testfahrer von Conti konnte seine eigene Bestzeit am Contidrom im Nassen um immerhin drei Sekunden verbessern, da wird also was dran sein.

Eine Testrunde auf Naked Bikes und potenten Sporttourern durch die wunderschöne Eifel

Nach vielen Stunden im Sattel der S 1000 XR, war ich am dritten Tag froh selbigen verlassen zu können. Dafür war zum einen der Hunger nach neuen Eindrücken auf anderen Motorrädern verantwortlich, zum anderen zählt die Sitzbank auf der BMW eindeutig zu den unbequemeren am Markt. Neben der kleinen Schwester (F 900 XR) fuhr ich den RoadAttack 4 auch noch auf der KTM Super Duke GT, der Yamaha MT-10 und der Yamaha MT-09 SP. Conti meint es mit der kurzen Aufwärmzeit Ernst, die die neue Zusammensetzung des RoadAttack 4 mit erhöhtem Silicaanteil ermöglicht und so lag der erste Fotostop keine 2 Kilometer vom Hotel entfernt. Entgegen der natürlichen Hemmschwelle arbeitend zwang ich mich in Schräglagen von über 40 Grad und das mit kaltem Reifen! Dort beginnt der Slickanteil des Conti, der mechanische Grip ist in der Tat beeindruckend.

Die 330 km lange Testrunde durch die Eifel wurde ebenfalls von Edelweiss Tourguides erdacht und angeführt und das, wie ein deutscher Kollege meinte mit ziemlich flottem Stiefel. Die bezaubernde Vulkanlandschaft mit ihren Maaren (das sind wassergefüllte Vulkankrater) ist wahrlich eine Reise wert. An manchen Stellen, wie etwa im Laacher See besteht die vulkanische Aktivität sogar bis heute fort. Die Vulkanisation spielt ja auch in der Reifenerzeugung eine gewichtige Rolle, also zurück zum RoadAttack 4.

Dieser Reifen passt zu agilen Naked Bikes und zu stattlichen Sporttourern gleichermassen. Besonders gut liess sich das im direkten Umstieg am kompakten aber fordernden Handlingparcours am presitgeträchtigen Nürburgring herausfahren. Selbst auf der brachialen KTM Super Duke GT, die mit ihren 140 Nm Drehmoment und 175 PS Spitzenleistung wohl als Endgegner gelten darf, ergab sich nach mehreren Runden bei über 30 Grad Asphalttemperatur ein schönes Abriebbild. Die Bezeichnung als Hypertouring-Reifen ist also keinesfalls übertrieben.

Laufleistung Conti RoadAttack 4

Am Ende unseres Teststages nahm ich die Profiltiefenlehre zur Hand um mich selbst von der Wahrheit zu überzeugen: Wie viel Gummi musste der RoadAttack 4 auf den süddeutschen Strassen lassen? Als Testbike diente natürlich wieder meine BMW S 1000 XR der ersten beiden Tage. Als Referenz der ausgestellte RoadAttack 4 in denselben Dimensionen ohne Laufleistung. Ab Werk bietet der Conti eine Profiltiefe von 7 mm, gemessen in der Mitte der rechten Hälfte der Lauffläche des Hinterreifens. Beim Reifen auf der BMW waren bei einer Gesamtlaufleistung von ca. 1300 km noch rund 5,6 mm übrig. Diese Messwerte decken sich mit den Angaben von Continental nach denen der RoadAttack 4 zwischen 6.000 und 8.000 km Laufleistung bieten soll. Diese Werte werden natürlich durch einige Faktoren, wie Motorradtyp, Fahrstil, Gewicht, Temperatur,... stark beeinflusst.

Dimensionen Conti RoadAttack 4 - bleibt es bei 17 Zoll?

Eine grosse Stärke des Conti RoadAttack 3 war seine beinahe endlose Anzahl an verfügbaren Dimensionen, vom Klassikbike mit 130er Hinterreifen bis zur 19 Zoll Reiseenduro war es kein Problem RoadAttack 3 zu fahren. Noch kann der Nachfolger hier nicht mithalten. Die derzeit angebotenen Dimensionen habe ich euch in der Tabelle aufgelistet. Auf Nachfrage erhielt ich die Auskunft, dass die Reiseenduro-Dimensionen 2023 folgen werden (bis dahin wird der RoadAttack 3 in diesen Grössen weiterproduziert) und dass der 190er Hinterreifen keinen noch breiteren Bruder bekommt. Superbikes und Powernakeds ala Super Duke und Streetfighter V4 sind damit nach wie vor auf den letztes Jahr vorgestellten SportAttack 4 angewiesen.

Die Dimensionen des neuen Continental ContiRoadAttack 4:

vornehinten
120/70R17 M/C 58W TL160/60R17 M/C 69W TL
180/55R17 M/C 73W TL
190/50R17 M/C 73W TL
190/55R17 M/C 75W TL

Vergleich Conti RoadAttack 4 - Conti RoadAttack 3

Der Conti RoadAttack 3 ist ein hervorragender Allroundpneu, wie die zahlreichen Testsiege belegen. Kann der Nachfolger tatsächlich etwas signifikant besser? Warum sollte man zum RoadAttack 4 greifen? Folgende Übersicht möchte ich euch mitgeben:

  • Laufleistung: in etwa gleich
  • Trockengrip: in etwa gleich
  • Grip in tiefer Schräglage: RoadAttack 4 besser
  • Preis: RoadAttack 3 günstiger
  • Nassgrip: RoadAttack 4 besser
  • kürzere Aufwärmzeit: RoadAttack 4
  • Agilität in Wechselkurven: RoadAttack 4 besser
  • Reiseenduro-Dimensionen: für den RoadAttack 4 erst ab 2023
Produktspinne Conti RoadAttack 4
Der Conti RoadAttack 4 im Vergleich
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Bericht vom 26.05.2022 | 21'520 Aufrufe

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