Wheelie-Training bei Fahrschule Mannhard

Wheelie-Training bei Fahrschule Mannhard

Endlich Einrad fahren lernen

Die Fahrschule Mannhard aus Zürich bietet diverse Fahrtechnikkurse an, unter anderem ein Wheelie-Training für Anfänger bis Fortgeschrittene. K.OT und Kuki beim Betriebsausflug.

Neben den üblichen Wadenkrämpfen nach dem Genuss von zwei Gläschen Weisswein hatte ich vergangene Nacht auch seltsame Zuckungen in den Fingern und der Hüfte. Das war einerseits auf die körperliche Überlastung zurückzuführen, nachdem ich in der Schweiz zwei anstrengende Trainingstage mit schlechtem Schlaf hinter mir hatte, und andererseits auf die ständige Wiederholung derselben Bewegungsabläufe und das Verinnerlichen selbiger durch einen klassischen Drill. Tue etwas tausendmal und deine Muskeln werden ein Gedächtnis dafür entwickeln.

Sprunghafte Leistungskurve

Was ich am zweiten Tag des Fahrtechnik-Ausflugs zur Fahrschule Mannhard nach Zürich in nie dagewesener Frequenz getan habe, war: Fussbremse lösen, Gas geben und gleichzeitig Kupplung lösen. Nicht schnalzen lassen, aber zügig und ganz aufmachen. Immer und immer wieder, mit einer extrem sprunghaften Leistungskurve: Sauber, sauber, schlecht, sauber, sehr sauber, perfekt, mittelmässig, genial, unterirdisch, aussichtlos. Die 125er Zweitakt DTs aus 1979 von Yamaha waren zwar nicht leicht zu bedienen, aber ich hätte mir wenigstens einen steten Fortschritt erwartet, stattdessen beendete ich den Tag taumelnd und entkräftet mit meinem ersten Sonnenbrand auf der Glatze. Aber von vorn…

Wieder erlernen, was man schon vergessen hat

Die Fahrschule Mannhard bietet neben den üblichen Führerscheinkursen auch Fahrtechnikkurse an, und zwar in praktisch unvergleichlich hoher Anzahl und Vielfalt. Unter anderem sind dies Supermotokurse in der Halle, Schräglagenkurse und Wheeliekurse, die ich in etwas verdichteter Form – Supermoto und Schräglage fand an einem Tag statt – absolvieren durfte. Als langjähriger Motorradjournalist war ich zuletzt beinahe in einer Art renitenter Routine gelandet, unwillig und verständnislos, noch irgendetwas Neues dazuzulernen. Dabei geht es keineswegs nur darum, neue Kunststücke einzustudieren, sondern etwas wieder zu erlernen, sich in Erinnerung zu rufen und bewusst zu machen, was man aus Bequemlichkeit und Arroganz verdrängt oder vergessen hat.

Das ist KEIN Wheelie!

Denn es ist nicht das erste Mal, dass ich am Hinterrad fahre. Selbst beigebracht habe ich mir das Wheelen schon am Anfang meiner Laufbahn, mit einer KTM 950 Supermoto, deren 95 PS-starker Vergaser-V2 derart fein zu dosieren war, dass man nur am Gas zupfen musste und den Wheelie millimeterweise nach oben ziehen konnte, nicht hoch, aber hoch genug für grössten Stolz. Diese klare Kontrollierbarkeit, die ich in dieser Form nur noch an der ersten Triumph Speed Triple 1050 erlebt habe, erlaubte mir auch, in den zweiten und dritten Gang zu schalten und bis auf über 100 km/h zu beschleunigen. „Sowas ist KEIN Wheelie“, meint Philipp Mannhard, „das kann jeder Depp, ein Wheelie ist langsam, am Kipppunkt gefahren. Ein Gas- oder Power-Wheelie hat damit nichts zu tun.“

Das war mir nicht neu. Und dennoch machten mir Power-Wheelies immer grosse Freude, weil es für mich kein erhabeneres Gefühl und keine eindrucksvollere Show auf der Strasse gibt, als das gemeine Volk am Hinterrad fahrend in Staunen zu versetzen. Ist natürlich verboten, was die Sache umso interessanter macht.

Wenn nicht hier, dann nie wieder

Jetzt wollte ich aber endlich richtig Wheelie-fahren lernen, und weil ich zu faul und zu ängstlich bin, mich selbst einen Tag lang auf einem einsamen Parkplatz mit mir selbst und meinem Motorrad zu beschäftigen, legte ich mein schräges Schicksal in Philipps fähige Hände. Wenn ich es hier nicht lerne, lerne ich es nie mehr, dachte ich, als ich die 7 PS-starken 125er Zweitakter aus dem Jahre 79 des letzten Jahrhunderts des vergangenen Jahrtausends sah, mit im Winkel verstellbarer Wheeliebar, die einen Überschlag nach hinten effektiv verhindert.

Wheeliebar auf niedrigster Stufe

Unsere erste Übung bestand auch gleich aus dem Versetzen der Wheeliebar auf die niedrigste Stufe, was einem maximalen Winkel von ca. 15° entspricht, würde ich schätzen. Danach konnten wir die abgerockten, aber scheinbar unendlich robusten Raritäten bereits per Kick anstarten und uns ans Gerät gewöhnen. Um ein Gefühl für das Zusammenspiel von Gas und Kupplung zu bekommen, wollten wir versuchen, wie bei einem Rennstart bestmöglich zu beschleunigen, ohne dass das Vorderrad abhebt. Die Luft am Asphaltfeld füllte sich mit süsslichem Zweitaktduft, was dem Ganzen ein nostalgisches Flair verlieh. Leider werden die Youngtimer nach dieser Saison in den Ruhestand geschickt und durch moderne Yamahas ersetzt.

Kipppunkt am Wheelietrainer

Parallel dazu beschäftige sich der andere Teil der ca. 12 Mann starken Gruppe, in der sich auch zwei Priester(!) sowie Harley-, Ducati Diavel- und Yamaha V-Max-Fahrer befanden, am Wheeliesimulator mit dem Ausbalancieren am Kipppunkt. Im Wechsel folgten dann Übungen wie Vorderrad hochspringen lassen, während die Beine am Boden sind, Einstudieren der Bewegungsabläufe, kurzes Anfahren bis die Wheeliebar den Boden berührt und sukzessive Steigerung des maximal möglichen Winkels. Am Ende konnte jeder einige Meter am Hinterrad fahren. Erfolgsquote 100, Stürze 0.

Altersschnitt 45 bis 50, vom Harley- bis zum V-Max-Fahrer

Wer wie ich erwartet hätte, dass beim Kurs vorwiegend das junge, motivierte Publikum auftauchen wird, hat sich getäuscht. Der Altersschnitt lag bei locker 45 bis 50 Jahren, die Fahrer so unterschiedlich wie ihre Motorräder. Eins aber hatten alle gemein, sie wollten nicht nur Wheelies lernen, sondern vor allem mehr Gefühl für und Kontrolle über das Motorrad haben. Es muss einem also nicht primär darum gehen, kilometerlang am Hinterrad fahren zu können, sondern um das Gefühl für Physik und Fahrzeug. Und genau das ist es auch, was ich am Ende des Tages mit nach Hause genommen habe und sich noch im Schlaf in mir festgebissen hat. Jetzt heisst’s noch ein bisschen üben für den grossen Auftritt vor Publikum. Nils hat den 12 O’clock-Wheelie schon geschafft…bevor er auf der Fresse gelegen ist. Ich wird’s wohl langsamer angehen.

Bericht vom 24.08.2017 | 13'765 Aufrufe

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