Ist der Einzylinderzylinder tot? Lang lebe der LC4!

Hat der Eintopf eine Zukunft?

Es wurde bereits viel spekuliert, ob grosse Einzylinder noch fortbestehen können. Alles quatsch! KTM bestätigt uns, dass der totgeglaubte LC4 noch weiter entwickelt wird, auch wenn die 690 Duke bereits aus dem Programm gefallen ist. Deshalb blicken wir auf 33 grossartige Jahre mit KTMs Motor zurück und klären, wie er zu seinem legendären Ruf gekommen ist!

Alles begann im Rennsport

Der Leitspruch READY TO RACE kommt nicht von irgendwo, denn die Anfänge des LC4 finden sich (wenig überraschend) im Offroad Sport. Dank Rennfahrern wie Heinz Kinigadner sammelten sich in den 1980er Jahren die Pokale im KTM-Trophäenschrank, doch Veränderung kündigte sich an. Durch strengere Abgas- und Lärmregelungen kamen Hersteller mit ihren 2-Takt Aggregaten in Bedrängnis - eine Lösung musste her! Also nahm man bei KTM das Gehäuse des 500 Kubik Zweitakters und entwickelte auf dessen Basis einen flüssigkeitsgekühlten 4-Takt Motor, was sich in Liquid Cooled 4-Stroke Engine übersetzt: LC4.

Nach 5 Jahren der Entwicklung geht der 553 ccm grosse Zweizylinder in Produktion und feiert 1987 sein Debut in der KTM 600 GS LC4. Damals erfüllte der Motor alle Klischees, die wir von Einzylindern heute kennen: er war ruppig, schwer zu starten und auch die Zuverlässigkeit liess zum Wünschen übrig. Ein Grund dafür war der puristische Aufbau des Motors. Von einem E-Starter war noch lange nicht die Rede und auch auf eine Ausgleichswelle verzichtete man bei KTM.

Der LC4 erobert die Strassen - die erste Duke ist geboren!

Anfang der 1990er Jahre hatte KTM schwere Zeiten hinter sich, doch mit dem Neustart mit Stefan Pierer in 1992 war der LC4 eine der Stärken, die das Unternehmen unter anderem mit der 620 LC4 wieder nach vorne brachte. Für die Motorradmesse Köln wurde noch im selben Jahr mithilfe von KISKA Design eine Enduro zum Strassenbike umgebaut. Mehr Hubraum, ein verändertes Chassis sowie 17 Zoll Räder verwandelten das ehemalige Offroad Bike zur allerersten Duke. Die Resonanz war gut und bereits zwei Jahre später wurde die 620 Duke First Edition (jetzt auch mit Ausgleichswelle) auf die Strassen losgelassen.

Trotzdem kann man die Duke der ersten Serie nicht gerade als vibrationsarm bezeichnen und auch das Fahrverhalten forderte bei jeder Ausfahrt zum Armdrücken heraus. Über die nächsten Generationen der LC4 Duke wurde sie stetig zugänglicher, weshalb auch die verkaufte Stückzahl von Generation zu Generation stieg. Einen Faktencheck, sowie Erfahrungen zu jeder KTM LC4 Duke Generation findest du hier: KTM Duke Generationen Vergleich.

Der LC4 wird aus dem Motorsport verdrängt

Über die nächsten Jahre wächst der LC4 von 620 Kubik bis 690 Kubik und findet viel Verwendung in diversen Wettbewerbsgeräten. Anfang der 2000er Jahre macht KTM dem Einzylinder jedoch interne Konkurrenz, indem der neue EXC-Motor präsentiert wird. Er war leichter, drehte schneller und produzierte spürbar weniger Vibrationen als der LC4. Die Nachfrage an neuen EXC-Modellen war dementsprechend gross und der alte Eintopf aus Mattighofen verliert im Offroad-Sport an Relevanz. Auch die Erweiterung des Reiseenduro-Programms mit der 950 Adventure schadet dem LC4, der parallel in der 640 Adventure verbaut wurde. Dem Protagonisten dieser Geschichte wird also vieles genommen: der Einsatz in Wettbewerben und auf Touren. Was bleibt ihm da noch?

LC4 wird zum Strassenmotor und Synonym für Einzylinder Outlaws

Die Antwort: Einiges! Denn KTM will den einst rauen Einzylinder nicht aufgeben und kultiviert ihn über die nächsten Jahre. Von Jahr zu Jahr minimieren sich die Vibrationen, die Zuverlässigkeit steigt und viele Strassen-, sowie Offroad-Modelle für den Hobby-Einsatz folgen. Aktuell darf er sich mit seinen 73 PS sogar als stärksten Serien-Einzylinder bezeichnen, der in den Spassgeräten 690 SMC R und 690 Enduro R verbaut wird. Nach der Aufnahme von Husqvarna Motorcycles in den KTM Konzern machte der damals fast 30 Jahre alte LC4 seinen Weg auch in die Modelle 701 Supermoto und 701 Enduro, sowie später in die Naked Bikes Vitpilen 701 und Svartpilen 701.

Besonders bei jungen und junggebliebenen Fahrern sind diese Modelle gefragt. Hubraumstarke Einzylinder werden heutzutage ausschliesslich von KTM produziert, weshalb es für das klassische Supermoto-Gefühl eigentlich keine Alternative gibt - dementsprechend wertstabil sind diese Modelle am Gebrauchtmarkt.

Der KTM LC4 lebt!

Ende 2019 sorgte KTM für Verwirrung und Spekulationen, als die legendäre 690 Duke aus dem Modellprogramm genommen wurde. Auch der Leak zur zukünftigen Modellpalette bot kaum Erkenntnis, denn ausser 690 SMC R und 690 Enduro fanden sich keine Modelle mit dem altbewährten LC4-Einzylinder. Auf Nachfrage bei KTM Motorcycles gibt es aber Entwarnung: der LC4 bleibt uns erhalten!

„Der LC4 wird weiter gebaut und entwickelt. Wir haben dieses Jahr unsere KTM 690 ENDURO R und KTM 690 SMC R komplett überarbeitet und werden diese Motorräder auch für EURO5 weiter entwickeln."

"Wir glauben fest daran, dass es einen Markt für den sportlichen Einzylinder gibt und auch in Zukunft geben wird.“

-Statement der KTM Produktentwicklung

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Bericht vom 19.01.2020 | 41'036 Aufrufe

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