Die besten Knieschützer, die ich je hatte! Leatt X-Frame im Test
Geniales System für Schutz und top Komfort im harten Einsatz
Im Laufe der letzten Jahre habe ich verschiedene Knieschützer und Orthesen im leichten bis härteren Enduro-Einsatz durchprobiert. Seit Anfang der Saison trage ich erstmals die X-Fram Hybrid Orthesen von Leatt und ich glaube, ich werde nie wieder wechseln...
Vom Wochenend-Spass im Enduro-Park, über entspannte Schotter-Touren, bis zu den Spitzenfahrern im Hardenduro-Bereich - Es gibt zum Teil grosse Unterschiede, wie viel Schutzausrüstung getragen wird. Manche wollen die maximale Bewegungsfreiheit und fahren nur mit Jersey am Oberkörper, andere schützen Rücken, Brust und Schultern, während Leute wie ich, die vielleicht mehr Angst vor dem Bodenkontakt haben, die komplette Hartschalen-Protektorweste überwerfen. Wo sich aber all die unterschiedlichen Enduro-Typen einig zu sein scheinen, ist beim Fuss- und Beinschutz. Feste Stiefel sind Pflicht und auch Knieschutz ist immer vertreten. Dementsprechend betrifft dieser Test alle, die gerne mit ihrem Zweirad im Dreck spielen und noch nach dem idealen Knieschutz suchen. Ich glaube, ich habe ihn gefunden.
Knieschützer versus Orthesen - Erklärung, Vor- und Nachteile
Bevor wir zu den Leatt Orthesen kommen, hier noch ein kurzer Exkurs zum Unterschied zwischen Knieschützern und Orthesen. Knieschützer, manchmal hierzulande auch einfach "Schienbeindeckel" genannt, sind einfache Protektoren, die meist per Gurt und Klettverschluss am Unterschenkel befestigt werden. Das reicht, um einen stumpfen Einschlag gegen Schienbein und Knie abzufangen, bietet aber keinerlei Schutz gegen Verdrehungen und das Überstrecken des Kniegelenks. Nachdem es in meinem Umfeld zu ein paar eigentlich harmlosen Stürzen mit hässlichen Folgen kam - gerissener Meniskus, gezerrte Bänder, beleidigtes Gelenksgewebe - bin ich präventiv auf Orthesen umgestiegen.
Orthesen, deren Bezeichnung eigentlich aus der Medizin stammt, verbinden Oberschenkel, Knie und Unterschenkel durch ein mechanisches Gelenk und bieten dadurch mehr Schutz als reine Knieprotektoren. Sie haben aber auch ihre Tücken. Dadurch dass drei bewegliche Körperteile in eine zusammenhängende, eng anliegende Mechanik gespannt werden, kann es schnell einmal an verschiedenen Stellen zwicken und zwacken. Die Orthese kann verrutschen beim wiederholten Wechsel zwischen sitzender und stehender Fahrposition, oder Gurte machen die empfindliche Kniekehle wund. Das für mich schlimmste Gefühl, tritt jedoch meist am Ende eines langen Fahrtages auf. Nach vielen Stunden hat der dauerhafte Schweiss oft den Effekt, dass er irgendwie die Reibung zwischen Kniescheibe und dem Knieteil der Orthese erhöht. Wenn dieser Punkt erreicht ist, zieht es mir bei jedem Abbiegen des Beins durch die Bewegung der Mechanik Haut und Haar am Knie schmerzhaft hinab. So sehr, dass ich richtig wunde Knie am Ende der Fahrtage hatte, zumindest mit meiner verwendeten Thor Prothese. Aus Gesprächen mit anderen Enduristen weiss ich, dass dieses Phänomen nicht nur bei mir Auftritt. Und genau hier kommt die Genialität der Leatt X-Frame Hybrid Orthesen zum Tragen.
Aufbau der Leatt X-Frame Hybrid Orthese
Die Leatt X-Frame Hybrid ist keine simple Kniekappe mit ein paar Gurten, sondern eine ausgewachsene, medizinisch zertifizierte Knieorthese mit zusätzlichem Aufprallschutz. Der Rahmen besteht aus einem gespritzten Carbon-Composite-Material und umschliesst das Bein in dieser typischen Käfig-Bauweise, die Oberschenkel, Knie und Unterschenkel miteinander verbindet. Ziel ist es, die Kräfte bei einem Sturz oder Verdreher so zu reduzieren, dass Knieverletzungen am vorderen Kreuzband, am Innenband und am Meniskus möglichst verhindert oder zumindest abgemildert werden. Besonders spannend ist der asymmetrische Aufbau der Gelenke: Innen, also dort wo man am Motorrad eng am Tank und an der Sitzbank arbeitet, ist das Scharnier um 40 Prozent schmäler gehalten, um das Gefühl zum Bike nicht unnötig zu verfälschen. Aussen sitzt dafür ein verzahntes Metallgelenk, das für präzise Führung und Haltbarkeit sorgen soll. Dazu kommt eine separate Sleeve-Konstruktion mit ReaFlex Impact-Gel-Kniekappe und Hartschalen-Slider. Die Orthese selbst übernimmt also die Stabilisierung des Gelenks, während die Kniekappe den direkten Einschlag abfängt. Ebenfalls praktisch: Die Überstreckung lässt sich über verschiedene Einsätze auf 5, 10, 15 oder 20 Grad begrenzen, die flache Schienbeinplatte verschwindet sauber im Stiefel und das nummerierte Gurtsystem nimmt einem beim Anziehen zumindest einen Teil des Orthesen-Puzzles ab.
Passform und Tragegefühl der Leatt X-Frame Hybrid Orthese
Diese für Orthesen im Enduro-Bereich untypische Trennung von Mechanik und Knieprotektor macht viel aus. Denn dadurch bleibt der Protektor immer am Knie und wird nicht vom Orthesen-Gelenk bei Bewegung bewegt und in verschiedene Richtungen gezogen. Das eliminiert schon mal mein Hauptproblem, das Scheuern am Knie. Ausserdem hat man so auch schon einen dünnen, aber perfekt passenden Strumpf an, der die Reibung von Gurten und restlichen Teilen der Orthese am Ober- und Unterschenkel reduziert. Einzig die Position des Strumpfes muss korrekt und zentriert sein, denn sonst geraten die Kanten des Knieprotektors unter die Orthese und drücken dort. Der Tragekomfort der X-Frame Hybrid ist aber in Summe so viel höher, als bei allen bisher von mir probierten Orthesen.
Gleichzeitig schränkt mit die X-Frame Hybrid Orthese während der Fahrt in keinester Weise ein. Der Knieschluss gelingt dank der Pads am Knie und nicht zu dicker Materialstärke der Mechanik sehr gut und die wenigen, eher harmlosen Abstiege die ich heuer hatte, wurden unbeeindruckt weggesteckt. Ich trage sie inzwischen bei allen Einsätzen mit höherem Offroad-Anteil. Sei es auf kleinen Trails mit der Hardenduro, oder unter der Adventure-Textilhose bei Tests von grossen Reiseenduros.
Achtung beim Anprobieren der Leatt X-Frame Hybrid Orthese!
Damit der Sitz dieser Orthese aber so gut passt, muss man beim erstmaligen Anprobieren aufpassen. Ich wurde zum Glück in der Auner Filiale hier in Wiener Neustadt kompetent beraten, denn die Breite der Mechanik am Knie muss perfekt passen, da hier nicht mit Gurtverstellung angepasst werden kann. Die Breite des Knies hat dabei nicht unbedingt etwas mit der Fitness und ausgeprägter Beinmuskulatur zu tun, sondern mit der Knochenbreite am Knie. Meine Beine könnten kaum unmuskulöser und lauchiger sein, dennoch brauche ich die Grösse L. Hier gilt es beim Anprobieren genau auf einen engen, aber nicht drückenden Sitz zu achten. Für die Feinjustierung gibt es mehrere Pads mit unterschiedlichen Stärken und Formen, um den Sitz am Knie zu optimieren. Hat man hier die richtige Grösse gefunden, sollte die X-Frame Orthese genauso gut funktionieren, wie bei mir.
Fazit zum Test der Leatt X-Frame Hybrid Knie Orthese
Nach vielen Jahren mit verschiedenen Knieprotektoren und Orthesen ist die Leatt X-Frame Hybrid für mich aktuell die beste Lösung, die ich im Enduro-Einsatz getragen habe. Das System ist durchdacht, der Aufbau mit separater Kniekappe und stabilisierender Orthese innovativ und der Komfort für mich der entscheidende Punkt. Denn Schutz bringt wenig, wenn er nach drei Stunden so nervt, dass man ihn am liebsten ausziehen würde. Genau das passiert bei der Leatt nicht. Sie bietet das Sicherheitsgefühl einer vollwertigen Orthese, ohne mich beim Fahren oder am langen Tag im Sattel ständig daran zu erinnern, dass ich sie trage. Echte Negativpunkte muss man lange suchen. Natürlich ist der Preis von rund 500 bis 600 Euro nicht ohne, aber gerade beim Endurofahren ist Knieschutz für mich keine Stelle, an der ich sparen möchte. Egal ob im Hardenduro-Gelände, im Enduro-Park oder auf der Adventure-Tour im Schotter: Das Knie ist exponiert, empfindlich und im Fall der Fälle schnell beleidigt. Mein Zugang ist deshalb einfach: Lieber einmal etwas Gscheides kaufen und viele Jahre zufrieden nutzen, als alle zwei Saisonen eine günstigere Lösung zu probieren und unterwegs wieder genervt zu sein. Nach viel Herumprobieren bin ich vor allem eines: froh, endlich nicht mehr wechseln zu müssen.
Bericht vom 18.06.2026 | 264 Aufrufe